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Sylter Rundschau

06. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Sylter Archiv : Inselarchiv ohne „Hüterin der Schätze“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Sylter Archiv erfüllt als „Gedächtnis der Insel“ eine wichtige Funktion. Seit Wochen ist es geschlossen – das soll sich zunächst nicht ändern.

„Moin Moin, Sie sind verbunden mit dem Sylter Archiv. Leider ist das Archiv bis auf unbestimmte Zeit nicht besetzt.“ Diese Ansage hört jeder, der im Moment versucht, die Einrichtung in Westerland per Telefon zu erreichen. Seit mehreren Wochen ist das Archiv dicht. Die Archivarin Andrea Jahn ist „erkrankt“, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel. Bis mindestens Ende November soll die Dokumentensammlung im Obergeschoss der Alten Post, gegenüber vom Rathaus, geschlossen bleiben, heißt es von der Gemeinde Sylt. In politischen Kreisen wird allerdings vermutet, dass Jahn ihr Amt nicht wieder antreten wird. Ob sie zurückkehrt und wie es in Zukunft weitergeht, weiß die Gemeinde Sylt – die für das Archiv verantwortlich ist – bisher nicht. „Die Gemeinde kümmert sich um eine langfristige Lösung und bemüht sich darum, dass das Archiv weiterhin betrieben werden kann“, sagt Häckel. Konkrete Vorschläge gäbe es bisher allerdings nicht. Eine Idee sei es aber, eine Verbindung des Archivs zur Bibliothek herzustellen, beschreibt Häckel seine ersten Überlegungen. „Das kann die Archivarbeit natürlich nicht ersetzen“, sagt der Bürgermeister, könne aber eine Zwischenlösung sein. Eine Kooperation dieser Art schließt Bruno Schnabel vom Freundeskreis der Sylt Bibliothek komplett aus: „Das passt überhaupt nicht zusammen – das eine hat nichts mit dem anderen zu tun“, sagt er. Der Leiter der Sylt Bibliothek, Jan-Christian Sangkuhl, wollte sich zu den Plänen zunächst nicht äußern.

Schon mehrfach hatten Gemeindevertreter darauf gedrängt, dass die Politik eine konkrete Lösung findet, statt nur vage Ideen und Zwischenlösungen zu entwerfen. „Wir brauchen endlich eine Antwort, ob Frau Jahn tatsächlich wiederkommt, oder nicht“, sagt Gerd Nielsen (SPD). Das Archiv sei wichtig für die Insel und müsse so schnell wie möglich wieder öffnen. Er könne nicht verstehen, warum hier nicht – wie in anderen Bereichen auch – eine befristete Arbeitskraft eingestellt würde.

Zumindest theoretisch wäre es möglich, dass die Gemeinde zunächst (zeitweise) einen Ersatz für Jahn einstellt. Mit einem so genannten „Zweckbefristungsvertrag“ könne der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin für die Dauer der Erkrankung eingestellt werden, sagt die Sylter Rechtsanwältin Anne Gaedtke. Das Arbeitsverhältnis endet mit Erreichen des Zweckes – in diesem Fall also der Genesung von Jahn, ohne dass es des Ausspruches einer Kündigung bedarf. „Wichtig ist, dass vor Beginn des Arbeitsverhältnis der Vertrag in schriftlicher Form dem Arbeitnehmer überreicht wird“, sagt Gaedtke. Doppelten Lohn muss die Gemeinde ohnehin nicht zahlen: Nach sechs Wochen Krankheit zahlt die Krankenkasse für weitere 78 Wochen Krankengeld – sofern die Betroffene bei einer Kasse versichert ist. Häckel allerdings sieht hier Probleme: „Es ist schwierig, Archivare für Sylt zu finden“, sagt er. Diese seien „rar gesät“. Erschwert werde die Situation dadurch, dass unklar sei, wie lange Jahn noch fehle. Nähere Angaben zur Art und Schwere der Krankheit wolle er nicht nennen. Für eine kurze und noch dazu befristete Zeit würde kein Archivar nach Sylt kommen – auch wegen der angespannten Wohnsituation. Zudem dauere es, bis der Experte sich in die Systematik und Thematik eingearbeitet habe, eine kurzfristige Vertretung in einem Archiv sei also beinahe unmöglich.

Andrea Jahn leitet das Sylter Archiv seit 2011. Viele Jahre war die Berlinerin zuvor verantwortlich für den Bestand im Stadtmuseum in Berlin-Mitte. „Der Archivleiter ist der Hüter der Schätze“, sagte Jahn vor rund einem Jahr. Die Arbeit eines Archivars ist anspruchsvoll: Neben dem Sichern und Aufarbeiten der Bestände sorgen sie dafür, dass die Dokumente systematisch geordnet einzusehen sind.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 05:13 Uhr

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