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Sylter Rundschau

28. August 2016 | 12:23 Uhr

Mit der Cessna von Sylt nach Föhr : Insel-Hopping mit dem Flugzeug

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Weg zwischen Föhr und Sylt ist mit dem Flugzeug sehr kurz – aber auch sehr lange beeindruckend.

Sylt | Fünf Kilometer trennen Sylt und Föhr an ihrer schmalsten Stelle voneinander und bieten damit die Möglichkeit, schnell mal zu einem Insel-Hopping anzusetzen. Was mit dem Schiff, der Bahn und dem Auto mehrere Stunden dauert, ist mit dem Flugzeug in nur zehn Minuten möglich. Die Abkürzung RALF – rechts Amrum, links Föhr – kann dabei mit Fug und Recht zu „Richtig-Atemberaubender-Landschafts-Flug“ umgedeutet werden. Denn wie die Inselwelt sich aus der Luft darstellt, lässt auch den versierten Inselkenner die Luft anhalten.

Sowohl Sylt als auch Föhr haben zahlreiche attraktive Ausflugsziele zu bieten, die auf diesem Wege schnell zu erreichen sind. Das Museum Kunst der Westküste in Alkersum mit seinen viel beachteten Ausstellungen und das Friesenmuseum in Wyk sind dabei ebenso zu erwähnen wie die brandungsstarken Strände Sylts mit ihrer unvergleichlichen Dünenlandschaft und die kulinarischen Top-Adressen. Auch wenn die Sylter und Föhrer traditionell ihren Konkurrenzkampf untereinander pflegen, haben die Gäste und Bewohner beider Inseln mit dem Flugangebot die Chance, die Besonderheiten beider Destinationen zu erleben.

Das Rantumbecken aus der Luft.
Das Rantumbecken aus der Luft. Foto: Stitz

Max Werth ist Pilot der Westküstenflug und fliegt mit der Leidenschaft, die das in Wyk ansässige Unternehmen seinen Passagieren verspricht. „Eine halbe Stunde nach Anruf können wir mit unseren Maschinen startklar sein und losfliegen“, verspricht er.

Das Einchecken am Sylter Flughafen geht so schnell wie das Einsteigen in ein Auto. Zehn Minuten hat Max Werth mit seiner Cessna 182 von Föhr nach Sylt gebraucht, ist gelandet, hat die Formalitäten erledigt und die Passagiere in der Wartehalle abgeholt. Nach nicht einmal einer halben Stunde ist er mit ihnen wieder auf dem Flug nach Föhr. „In dieser Maschine gibt es überall Fensterplätze“, schmunzelt er. Drei Sitzplätze bietet die kleine Maschine neben dem Pilotenplatz. Das Einsteigen unter dem Flügel hindurch erfordert zwar etwas Geschick, ist aber für fast alle Flugwilligen machbar. Die Passagiere bekommen Kopfhörer auf und verständigen sich über Mikrofone unter einander. Der Gepäckraum hat Platz für maximal einen Koffer pro Fluggast. „Das ist abhängig vom Gesamtgewicht. Der Passagier sollte mit seinem Gepäck nicht mehr als 100 Kilogramm auf die Waage bringen, wenn die Maschine vollbesetzt ist“, erklärt Carola Feld, „Bodenpersonal“ und Büroleiterin der Westküstenflug GmbH später.

Pilot Max Werth
Pilot Max Werth Foto: Stitz

Vorgaben und Formalitäten dieser Art sind schon beim Abheben auf Sylt vergessen. Der erste Blick aus dem Fenster zeigt Westerland bis zum Kampener Leuchtturm. Auf der anderen Seite taucht St. Severin in Keitum auf, Morsum und der Hindenburgdamm sind schwach am Horizont zu erahnen. Wahnsinn! Zeit und Raum verschwinden. Die oft bemühten Zeilen von Reinhard Meys Kultsong „Über den Wolken“ kommen wie von selbst in den Sinn – und lassen sich erleben: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...“ Das ist sie. Nach der Kurve Richtung Föhr ist die Nordsee zu sehen. Wellen, Priele, Sandablagerungen – so schön, so beeindruckend - plötzlich wird klar, warum das Wattenmeer zum Weltkulturerbe gehört. An dieser Schönheit hier darf sich niemals etwas ändern! Kleine Schiffe bewegen sich in den Welllenbergen, der Hörnumer Leuchtturm scheint noch einmal kurz zu blinken bevor Föhr zu sehen ist.

Morsum und Archsum.
Morsum und Archsum auf Sylt. Foto: Stitz
 

Föhr ist grün und sieht von oben sehr geordnet aus. Anders als das durch die Heide braun-graue Sylt mit seiner Dünenlandschaft und den breiten, weißen Sandstränden. Landwirtschaftlich genutzte Flächen, von Bäumen umstellt, zeigen sich zwischen den verstreut liegenden Dörfern der Insel.

Von rechts grüßt Amrum mit seinem Kniepsand. Im Flugzeug wird es still, die Passagiere wollen gucken, staunen und so viele Eindrücke wie möglich in sich aufnehmen. Die Nordsee bannt den Blick, so beeindruckend und faszinierend, dass der Kopf sich gar nicht schnell genug drehen kann, um alles zu erfassen. Dieser Flug sollte nie zu Ende gehen, doch nach gut zehn Minuten ist der Flughafen Wyk in Sicht: eine große grüne Wiese zwischen Hochhäusern. „Jetzt wird es etwas hoppelig“, warnt Max Werth, „doch das Hoppeln beim Starten und Landen ist das Schlimmste, was die Fluggäste an Bewegung aushalten müssen. Viele Menschen denken, dass unsere kleinen Maschinen vor allem in der Luft schaukelig sind. Doch da liegen sie ziemlich ruhig.“ Spuktüten gibt es zwar an Bord, doch deren Einsatz hat Max Werth in seiner langjährigen Zeit als Pilot noch nicht einmal erlebt. „Unsere Maschinen unterliegen den gleichen Sicherheitsstandards wie große Boeings. Alle 50 Stunden werden sie komplett kontrolliert und engmaschig gewartet. Vom Sicherheitsaspekt her sind kleine Flugzeuge also nicht unsicherer als Große.“

Blick über das Wattenmeer.
Blick über das Wattenmeer. Foto: Stitz
 

Diese sichere und schnelle Verbindung von den Inseln zum Festland wird auch für längere Flüge genutzt. „Das Weiteste war ein Flug mit einem Gast, der dringend zu einem Geschäftstermin nach Nordfrankreich musste“, erzählt Max Werth und ergänzt: „Wir können alle Destinationen in einer Entfernung von bis zu 1200 Kilometern anfliegen. Urlaubsgäste lassen sich von uns auch direkt am Flughafen Hamburg abholen, weil das schneller, unkomplizierter und zumeist auch nicht teurer ist als die Weiterreise per Auto, Zug oder Fähre.“

Sylt aus der Luft.
Sylt an seiner dünnsten Stelle. Foto: Stitz
 

Ab 79,00 Euro pro Person und Strecke ist der Flugservice zu buchen, sollen mehr als drei Personen oder viel Gepäck befördert werden, bietet Westküstenflug individuelle Lösungen an. „Auch die Golfer nutzen unseren Flugservice. Alle Inseln verfügen über reizvolle Greens. Die Spieler lassen sich mit ihrem Golfbag dort eben einmal hinfliegen, spielen ihren Parcours und sind abends wieder zurück.“

Die Föhrer Airline bietet ebenso wie ihre Kollegen von Sylt Air in Westerland neben den Streckenflügen auch Rundflüge an. Der Gast kann wählen, was und wie viel er von der Inselwelt und den Halligen sehen möchte. Die Preise dafür fangen bei 120 Euro an.

Einen zusätzlichen Nervenkitzel bieten die Sylter Flieger: von Westerland aus kann man zum Fallschirmspringen abheben. Dann sieht man die wunderschöne Inselwelt zwar auch von oben, nährt sich ihr aber auf eine ganz besonders spannende Art und Weise. An das Aussteigen mag bei dem Flug durch die Inselwelt aber niemand denken, dafür sind die Eindrücke viel zu fesselnd und die Flugzeit zwischen Föhr und Sylt ohnehin viel zu kurz.

 

Informationen:

Auf Sylt ist Sylt Air ansässig und bietet Flugdienste sowie Fallschirmspringen an: www.syltair.de
Auf Föhr bietet Westküstenflug Streckenflüge und Rundflüge an: www.kuestenflug.de

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erstellt am 05.Mär.2016 | 17:37 Uhr

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