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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 03:17 Uhr

Sylter Gastronomie : Immer weniger Gourmet-Sterne leuchten über Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sternekoch Jens Rittmeyer verlässt zum Saisonende das Restaurant „Kai3“. Er ist nicht der erste, der Sylt verlässt.

Der gastronomische Himmel über Sylt verliert einen weiteren Stern. Noch weiß zwar niemand, welche Spitzenrestaurants der Insel dieses Jahr mit der begehrten Auszeichnung der „Gourmet-Bibel“ Guide Michelin geehrt werden – die Bekanntgabe der kulinarischen Würdenträger erfolgt erst Anfang Dezember. Doch bereits jetzt ist klar, dass mit Johannes King vom Restaurant des Söl’ring Hof in Rantum und Holger Bodendorf vom Bodendorf’s im Tinnumer Landhaus Stricker nur noch zwei Sylter Sterneköche im Rennen sind.

Denn das Hotel Budersand hat mitgeteilt, dass der seit 2011 regelmäßig mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Küchenchef Jens Rittmeyer zum Saisonende das Restaurant „Kai3“ am Hörnumer Hafen verlassen wird. Damit verringert sich binnen weniger Jahre die Zahl der Insel-Sterne von ehemals stolzen zehn Auszeichnungen auf voraussichtlich nur noch drei – zwei für Johannes King, einer für Holger Bodendorf.

Rittmeyer selbst war für eine Stellungnahme zu den Gründen seiner überraschenden Entscheidung am Mittwoch nicht zu erreichen. Sieben Jahre lang habe er die Entwicklung des gastronomischen Konzeptes im Hotel Budersand maßgeblich mitgestaltet, heißt es in einer Pressemitteilung der Geschäftsführung des Hörnumer Hotels. „Wir bedanken uns bei Jens Rittmeyer, der das ‚Kai3‘ in die erste Riege der deutschen Gourmetrestaurants geführt und zu einer Visitenkarte Sylts gemacht hat“, sagt Hoteldirektor Rolf E. Brönnimann. Rittmeyer habe maßgeblichen Anteil am Erfolg des Budersand Hotels und der großen Bekanntheit und Beliebtheit des Hauses weit über die Grenzen Sylts hinaus.

Das „Festival der Sterne“ hätte seine Handschrift getragen und Meilensteine im Angebot der Food Festivals gesetzt, so Brönnimann. Mit dem Weggang von Jens Rittmeyer soll das gastronomische Angebot des Budersand Hotels neu konzipiert und ausgerichtet werden. Derzeit würden Gespräche über die Konzeption geführt, erklärt der Hoteldirektor – und unterstreicht die Absicht, das Budersand mit dem Restaurant „Kai3“ auch in Zukunft als eine der Top-Adressen in Deutschland positionieren zu wollen.

Diese Begründung ähnelt derjenigen des A-Rosa Resorts in List. Dort hatten Anfang Januar 2015 Zwei-Sternekoch Sebastian Zier und bereits zwei Jahre zuvor Sterneköchin Sarah Henke ihre Arbeitsstätte verlassen – die Michelin-Sterne für das Gourmetrestaurant „La Mer“ sowie für das „Spices“ wurden gestrichen. Die Unternehmensleitung des A-Rosa hatte ihr gastronomisches Konzept grundlegend geändert: „Wir sind den neu eingeschlagenen Weg konsequent gegangen und haben unsere Restaurants den Bedürfnissen der Gäste angepasst“, erläuterte Hoteldirektor Gordon A. Debus damals die Entscheidung des Konzerns. „Das kulinarische Niveau ist weiterhin sehr hoch, allerdings haben wir das Preis-Leistungsverhältnis verbessert.“

Dass Sylt auch durch die Rückzüge der Spitzenköche Jörg Müller und Alexandro Pape sowie jetzt Rittmeyers Weggang insgesamt sieben Michelin-Sterne verloren hat, ist für Johannes King zwar „ein kleiner Schlag, aber kein Untergang“. Bereits vor Jahren habe er sich Sorgen gemacht, ob das nicht alles zu viel, zu überladen sei, sagte der Zwei-Sterne-Koch gegenüber der Sylter Rundschau. Er könne gut nachvollziehen, dass Müller und Pape ihre Konzepte geändert haben – aber das keineswegs zum Schaden ihrer Gäste, ganz im Gegenteil. „Wir werden solche Wechsel in Zukunft sicher öfter erleben. Nicht nur auf Sylt, sondern in ganz Deutschland“, prophezeit King. „Aber auf der Insel ist noch Platz für ganz viel Neues.“
 

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erstellt am 19.Okt.2016 | 17:57 Uhr

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