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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Langes Literaturwochenende auf Sylt : Im Wohnzimmer mit Giovanni di Lorenzo

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der „Zeit“-Chefredakteur las im Hotel Budersand. Privathotels Sylt sind hochzufrieden mit Veranstaltungsreihe

Es ist eher ungewöhnlich, eine Hotellobby mit einem Wohnzimmer zu vergleichen. Und dennoch: Als am vergangenen Sonnabend Giovanni di Lorenzo im Rahmen des „Langen Literaturwochenendes“ der Privathotels Sylt auf der Bühne der Lobby im Hotel Budersand Platz nahm, schien es, als hätte es sich der Chefredakteur der „Zeit“ bei jedem der knapp 180 Zuschauer auf dem Wohnzimmer-Sofa gemütlich gemacht. Es herrschte eine durch und durch private und lockere Atmosphäre. Entspannt und vor allem authentisch erzählte di Lorenzo im Gespräch mit Moderator Rainer Moritz aus seinem Leben, berichtete von seinen Interviewpartnern aus über 30 Jahren Berufsleben und las aus zwei Kapiteln seiner Bücher. Das erste von di Lorenzo ausgesuchte Kapitel handelte von seiner Kindheit in Hannover – ein berührender Text, vollkommen persönlich. Es ist in dem Buch „Wofür stehst du?“ erschienen, das er gemeinsam mit dem Journalisten Axel Hacke verfasst hat. Das zweite Kapitel, diesmal aus dem Buch „Vom Aufstieg und anderen Niederlagen“, suchte kein geringerer als das gesamte Publikum aus: In dem Bestseller sind 20 von di Lorenzo geführte Interviews mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte abgedruckt. Durch Handzeichen entschieden sich die Gäste allerdings für die einzige Person des Buches, die nicht im Rampenlicht der Medien stand oder steht: Halil Andic, den Schuhputzer vom Hamburger Flughafen. Die Geschichten über Politiker und Prominente gab es nebenbei im Gespräch: Di Lorenzo erzählte von seinem Treffen mit Gaddafi, über seine Beziehung zu Helmut Schmidt und das folgenschwerste Interview seiner Karriere: „Keines meiner Interviews hat so hohe politische Wellen geschlagen wie das mit Karl-Theodor zu Guttenberg. Danach ist er emigriert“, so di Lorenzo. Außerdem berichtete er, wen er gerne für ein Interview treffen würde: „Helene Fischer wäre jemand, der mich interessiert. Sie ist ein totales Kunstprodukt – wäre es nicht toll, endlich zu wissen, was dahintersteckt?“

Der Erfolg der Lesung mit Giovanni di Lorenzo war allerdings keine Ausnahme: „Jede Veranstaltung während des Langen Literaturwochenendes war ausverkauft“, berichtet Christian Matthiesen vom Marketing der Privathotels. Insgesamt gab es elf Veranstaltungen, Lesungen mit oder ohne „literarischem Menü“ – darunter mit André Heller, Catalin Dorian Florescu, Miroslav Nemec und Ildikó von Kürthy. Auch Doris Dörrie war bei der dritten Ausgabe des „Langen Literaturwochenendes“ wieder dabei: In einem Workshop unterrichtete sie drei Stunden lang „kreatives Schreiben“ und zeigte den Teilnehmern, wie es eigentlich jedem gelingen kann, etwas zu Papier zu bringen.

„Viele Gäste“, so berichtete Christian Matthiesen, „kommen extra zu den Veranstaltungen auf die Insel, ganz viele von ihnen sind Wiederholungstäter“. Besonders im November sei das ein toller Erfolg für Sylt. Daher sei es bereits jetzt klar, dass es im kommenden Jahr ein viertes „Langes Literaturwochenende“ geben wird. Genauere Planungen gebe es aber noch nicht. „Jetzt müssen wir erstmal das Resümee ziehen“, so Matthiesen. Es wird mit Sicherheit ein positives ...

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erstellt am 21.Nov.2016 | 05:30 Uhr

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