zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Sylter Rundschau

01. November 2014 | 02:04 Uhr

Bambus Klaus ist tot : "Ich war soooo gerne auf Sylt!"

vom

Er hat mit seiner Bar einen Mikrokosmos geschaffen, in dem Besucher Abstand vom Alltag gewinnen konnten. Am Sonntagabend hat Bambus Klaus den Kampf gegen den Krebs verloren.

Sylt | "Wie heißt er denn nun eigentlich mit Nachnamen?" Dann und wann tauchte diese Frage auf, wenn man über ihn sprach. Bei ihm dort draußen in der Bam Bus Bar vergaß man allerdings komplett, danach zu fragen. Denn hier war man der Welt der Nachnamen, der Regeln und Vorschriften angenehm entrückt, konnte eintauchen in Landschaft, in nette Gesellschaft, in alberne oder tiefsinnige Gespräche - je nach Bedarf. Rund um die flache Baracke mit der bunten Klaus-Deko machte das normale Leben Pause. Wer bereit war den skurrilen Zauber zu spüren, war an der Quelle, konnte auftanken für die Welt da draußen.
Sein Spitzname - Ökelname, wie die Friesen sagen - ist Ausdruck dafür, wie sehr ein Mensch ohne bürgerliche Konventionen auskommen, wie leidenschaftlich man mit seiner Lebensaufgabe eins werden kann. Der große schlaksige Mann mit dem furchigen Gesicht und dem hinreißenden Lachen war eins zu eins die kleine "Bar am Meer-Bushaltestelle" inmitten der bizarren Lister Dünen-Landschaft. Dort hat sich der Zahntechniker aus Essen vor 26 Jahren einen Mikrokosmos geschaffen, der bunt war, fröhlich, zuweilen ausschweifend. Das Vergnügen anderer war immer auch Klaus Vergnügen.

Anzeige
Anzeige

Sein Tun hat polarisiert, die liebenswerte Persönlichkeit nicht

Weil auf Sylt nicht das ganze Jahr über Bambus-Wetter ist, hat er sich vor Jahren im österreichischen Hinterthal noch eine Winter-Klauswelt kreiert. Mit einer muckeligen kleinen Après-Skihütte mit dem Namen "Klausthaler", mit einem Österreich-Lied und einer riesigen Fangemeinde, die ihn ebenso liebt, wie es die Nordlichter tun. Bambus Klaus stand eindeutig für die schrillen Momente des Lebens, für Rausch und Nachtleben, mehr aber noch für Herzenswärme, Kontinuität und Treue. Eine Kombination, die selten ist und die es besonders schwer macht sich vorzustellen, ohne Bambus Klaus auskommen zu müssen.
Das Phänomen Vollmondparty, zu denen das Partyvolk seit über zwei Jahrzehnten pilgert, ist ebenso faszinierend wie seine Inselhits, deren Qualität die Hörerschaft durchaus gespalten hat. Sein Tun hat immer auch polarisiert, seine liebenswerte Persönlichkeit nicht. Die Auftritte auf dem Dach seiner Bar bei Vollmond um Mitternacht sind seit gestern ein Stück Sylter Kulturgeschichte, das medial gerade in letzter Zeit noch einmal für eine Menge Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Über den großen Erfolg seiner Feste im Sommer 2012 konnte sich Klaus ansteckend freuen. Sogar noch in den letzten Tagen, als seine Kräfte schwanden und er den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren hatte.

Ein Mann, der voller Stolz gehen konnte

Bis zuletzt hat er geplant, gescherzt und im Detail verfügt, was alles werden soll. Sein Produzent präsentierte ihm am Sterbebett noch die brandneue Mallorca-Variante seines Inselhits. "Da muss noch mehr Gitarre rein wie bei den Gipsy Kings", lautet Klaus Anweisung zu seinem letzten Song. Ein Wunsch, der ihm natürlich erfüllt wird.
Sein Bruder Wolfgang und seine Schwägerin Elli werden die Bar höchstwahrscheinlich noch im Sommer 2013 weiterführen. Es wird ein "kleines Bambus-Buch" geben, eine Seebestattung und ein Abschiedsfest für alle, deren Herzen er berührt hat. Klaus Wille war es auch, dass seine Freunde am Vollmondtag Abschied nehmen, einen Tag vor seinem 56. Geburtstag, am Weststrand in der Nähe seiner Bar. Zu der Trauer über den Abschied gesellt sich das Gefühl der Bewunderung für einen Mann, der so erfüllt gelebt hat, dem knapp 56 gute Jahre ausgereicht haben, der andere nicht mit seinem Leid belasten wollte. Ein Leben ohne Wenn und Aber. Ein Mann, der voller Stolz gehen konnte. Nur einen klitzekleinen Schönheitsfehler hatte seine persönliche Lebensbilanz.
Vor drei Wochen hätte er in seiner Heimatstadt Essen mit seiner Freundin Ina Müller einen Song gemeinsam singen sollen. Sein großes Idol Katja Ebstein hätte er hinter der Bühne getroffen, alles war besprochen... Doch Bambus Klaus war schließlich schon zu krank, um zu reisen. "Das wäre der Knaller gewesen... aber das kommt dann bestimmt im nächsten Leben", meinte der Bambus Klaus noch wenige Tage vor seinem Tod und verschenkte sein hinreißendes Lächeln.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Nov.2012 | 07:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige