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Sylter Rundschau

28. März 2017 | 10:12 Uhr

Sylter Unternehmer Öger Akgün : „Ich verstehe nicht, wie man als Türke in Deutschland für Erdogan sein kann“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der türkischstämmige Sylter Öger Akgün geht auf Distanz zum türkischen Staatspräsidenten – und ist entsetzt über die Einstellung mancher Türken.

Sylt | „Ich bin entsetzt und verstört, wenn ich Türken in Deutschland höre und erlebe, die sich für die Politik Erdogans lautstark engagieren“, sagt Öger Akgün. Der bekannte Sylter Unternehmer, der auf der Insel unter anderem eine Autopflege betreibt, möchte sich klar in dem seit Tagen und Wochen tobenden verbalen Konflikt zwischen Erdogan und der Bundesrepublik positionieren. „Es muss doch allen in Deutschland lebenden Türken klar sein, dass die Politik eines Autokraten wie Erdogan alle bisherigen Freiheiten auslöschen wird. Freiheiten, die wir in Deutschland als Selbstverständlichkeit leben können. Spätestens die Verhaftungswellen in der Türkei nach dem Putsch haben doch gezeigt, dass Erdogan und seine Regierung Rechtstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Pressefreiheit längst abgeschafft haben.“

Für Öger Akgün, der in der Türkei geboren wurde, aber bereits im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland kam und der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, „ist die Türkei zwar weit weg und auch schon längst kein Land mehr, dem ich mich verbunden, geschweige denn verpflichtet fühle. Aber ich habe es natürlich in meinem Umfeld mit einigen Türken auch auf Sylt zu tun, die der Meinung sind, dass Erdogan mit seinem Verhalten richtig liegt. Für mich ist das überhaupt nicht zu verstehen. Schließlich sind die unverschämten Äußerungen eines Erdogan gegenüber Deutschland, sein unsäglicher Vergleich der aktuellen Politik mit der Hitler-Zeit einfach unerträglich“, traut sich Öger Akgün zu sagen, um sich gleich zu fragen, „ob solche Äußerungen wohl in der Türkei registriert werden und bei der nächsten Einreise Folgen haben?“

Denn auf Wunsch seiner türkischen Frau hat Öger Akgün vor einigen Jahren ein Haus in der Türkei gekauft, will „aber auf keinen Fall jemals selbst dort wohnen. Für mich ist Deutschland das beste Land der Welt und Sylt der Ort, an dem ich einmal begraben sein möchte“. Umso mehr macht es ihn „traurig und wütend, was Erdogan gerade mit Blick auf Deutschland von sich gibt, aber auch, dass viele Türken in Deutschland dem lautstark zustimmen“.

 

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erstellt am 18.Mär.2017 | 14:30 Uhr

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