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Sylter Rundschau

29. Mai 2016 | 00:08 Uhr

Rasha Bamatraf : „Ich sehe mich als Aktivistin“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Rasha Bamatraf engagiert sich auf Sylt auch für andere Flüchtlinge. Nun durfte sie ein Praktikum bei der „Zeit“ machen.

Sie sei eine ganz besondere Frau, die trotz ihrer Erlebnisse eine unglaubliche Stärke ausstrahle: Auf Rasha Bamatraf angesprochen, gerät Elisabeth Raether geradezu ins Schwärmen. Die Redakteurin der Wochenzeitung Die Zeit hat die junge Asylsuchende aus dem Jemen in den vergangenen beiden Wochen kennengelernt: Die auf Sylt lebende Rasha Bamatraf hat im Hamburger Verlagshaus ein zweiwöchiges Praktikum absolviert.

„Es war toll“, schwärmt auch Bamatraf. Sie habe dort so tolle Menschen kennengelernt und sich unter anderem mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo angeregt über die Situation in ihrem Heimatland ausgetauscht. „Nachdem die Sylter Rundschau über meine Geschichte berichtet hatte, hat mich jemand von der Zeit kontaktiert“, erklärt Bamatraf den Grund für ihren Redaktionsbesuch.

Die 28-Jährige war vergangenes Jahr vor den Repressalien und der Gewalt ihrer streng muslimischen Familie nach Deutschland geflohen. Nachdem ihr männliche jemenitische Flüchtlinge in einem Erstaufnahmelager in Neumünster angedroht hatten, den Schädel einzuschlagen, wurde die junge Frau auf Sylt untergebracht (wir berichteten). Hier engagiert sie sich vor Ort in der Flüchtlingshilfe und im Netz für verschiedene Menschenrechtsprojekte, unter anderem für die Freilassung des saudischen Bloggers Raif Badawi. Eines ihrer Hauptthemen: Die Rolle der Frau in der arabischen Welt. Dazu hat sie unter anderem für das Online-Nachrichtenportal Hufffington Post geschrieben. Und auch in der Redaktion der Zeit war man von Bamatrafs Wissen beeindruckt. Sie habe mehrere Texte geschrieben, veröffentlicht hat die Zeitung von ihr – bisher – jedoch noch nichts.

Ob das mit dem Journalismus nun ihre Berufung ist, da ist sich die junge Frau unsicher: „Ich sehe mich als Aktivistin, ich weiß, dass ich etwas zu sagen habe. Schreiben ist dabei natürlich ein Weg, meine Botschaft zu vermitteln“, erläutert sie. Allerdings schreibe sie nicht unbedingt journalistisch, objektiv, sondern versuche, in ihren Texten vor allem ihre Botschaft zu vermitteln.

Gern würde sie ihr Engagement noch stärker aus der digitalen in die analoge Welt verlagern. Bisher hilft sie unter anderem der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Sylt dabei, Veranstaltungen zu organisieren, bei denen Flüchtlingsfrauen und Insulanerinnen zusammengebracht werden. Zudem ist es ihr ein Anliegen, dass die Frauen, die auf Sylt Asyl gefunden haben, über ihre Rechte aufgeklärt werden.

Neben ihren Ehrenamten würde die junge Frau liebend gern wirklich arbeiten können. Dafür aber müsste ihr Asylantrag bearbeitet werden, den sie vor ungefähr einem Jahr eingereicht hat. Seitdem, sagt sie, habe sie nichts mehr gehört: „Vielleicht hat man mich vergessen.“ Ihr unsicherer Status beunruhige sie, sagt Rasha Bamatraf: „Schließlich äußere ich mich regelmäßig in der Öffentlichkeit. Und zwar über Dinge, die nicht jeder gut findet.“ Weniger offensiv auftreten? Das käme für sie nicht infrage: „Ich will mich nicht verstecken, ich mache ja nichts Falsches.“

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erstellt am 22.Mär.2016 | 05:30 Uhr

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