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Sylter Inselkopf : „Ich kann ganz schön stur sein ...“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach fast 20 Jahren als SSW-Politiker hat Klaus Jensen aus persönlichen Gründen seine Ämter niedergelegt, bleibt der Insel jedoch verbunden.

Klaus Jensen ist eines der bekanntesten „Urgesteine“ der Inselpolitik, fast zwanzig Jahre lang war er mit großen Engagement für den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) in diversen Gremien der Stadt Westerland, dann der fusionierten Gemeinde Sylt und auch des Kreistages Nordfriesland tätig. Nun jedoch hat sich der 70-Jährige aus der Politik und auch von der Insel zurückgezogen. Nun ja, zumindest teilweise – denn ein völliges Aussteigen fällt Jensen noch immer schwer, es passt einfach nicht zu ihm, doch dazu später mehr.

Im März 2017 hat Klaus Jensen viel zu tun: Er räumt um, er mistet auch aus, er schafft Ordnung in seinem Haus mitten in Westerland. Er wird wenig auf Sylt sein in Zukunft, doch aufgeben wird er das Haus nicht. Jensen wohnt dort seit seiner Geburt. Der dänische Einfluss – und damit der Ursprung seines Engagements für den SSW – kommt von den Großeltern mütterlicherseits, die zuletzt in Tondern lebten, besonders aber aus dem dänischen Sportverein, dessen Mitglied er in der Schulzeit war. Einer seiner Jugendfreunde ist Peter Erichsen, der jetzige SSW-Fraktionsvorsitzende in der Gemeinde Sylt, mit dem zusammen Jensen auch bei der Bundeswehr gewesen ist. „Durch Peter bin ich überhaupt erst in die Politik gekommen“, erzählt Klaus Jensen, „und dann 1994 in den SSW eingetreten.“ Nur ein Jahr später übernahm er bereits sein erstes politisches Amt im Wirtschaftsausschuss des Kreistags Nordfriesland – als „Nachrücker“ für Lars Harms, den aktuellen Spitzenkandidaten des SSW für die Landtagswahl am 7. Mai.

In der 70er und 80er Jahren jedoch ist Klaus Jensen dem meisten Insulanern noch nicht als ebenso engagierter wie streitbarer Politiker bekannt, sondern eher als Helfer in der Not bei Problemen mit ihren Autos. Denn Jensen ist gelernter Kfz-Mechaniker, macht später seinen Meister, außerdem ein Diplom als Betriebswirt. Nach kurzen „Wanderjahren“ auf dem süddeutschen Festland – gemeinsam mit Jugendfreund Peter Erichsen – baut er mit Georg Nielsen zunächst das Renault-Autohaus auf, übernimmt 1973 für einige Jahre die Tankstelle in Kampen. Von 1979 bis 1989 leitet Jensen zusammen mit Hans Hoeg eine Kfz-Werkstatt für Citroen inklusive Tankstelle am Ortseingang in Keitum – dort, wo jetzt am Kreisel das Restaurant „Brot & Bier“ von Alexandro Pape seinen Sitz hat. Anschließend baut er seinen eigenen Kfz-Betrieb in Tinnum auf, den er 1995 mit Hartmut Sell auf „High Tech“ umstellt. 2004, mit 58 Jahren, verkauft Jensen seine Anteile: „Seitdem bin ich, wie soll ich sagen, na ja eine Art Privatier!“ Allerdings schon immer mit politischen Ambitionen – von 1995 bis 1997 als bürgerliches Mitglied im Husumer Kreistag, nach den Wahlen im Jahr 1998 zunächst ebenfalls als bürgerliches Mitglied in politischen Gremien der damaligen Stadt Westerland wie dem Wirtschafts- oder Verkehrsausschuss. Seit 2003 ist Jensen gewählter Stadtvertreter, also Vollmitglied des höchsten Gremiums der Selbstverwaltung. 2008 übernimmt er auch den Vorsitz der SSW-Fraktion.

Jensen bezeichnet sich selbst zwar als einen „politischen Allrounder“, die Schwerpunkte seiner ehrenamtlichen Tätigkeit lagen jedoch in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr und Umwelt. „Ich habe immer Lust auf Politik gehabt“, sagt Jensen. „Allerdings war alles überschaubarer, als es nur um Westerland ging. Seit der Fusion mit Sylt-Ost ist es deutlich mehr und auch komplizierter geworden.“ Bei Kommunal- und Landtagswahlen habe er schon immer SSW gewählt, so Jensen. „Sonst bin ich eher ein Wechselwähler – mal Grüne, mal SPD, allerdings nie und nimmer CDU. Im Herzen bin ich eigentlich ein 68er und eher linksliberal eingestellt. Allerdings: Mit Anfang 20 war ich auch ein echter Che Guevera-Fan.“

Nach dem Krebstod seiner ersten Frau hat Klaus Jensen seit einem Jahr eine neue Partnerin und sich in deren Heimat, der niedersächischen Hansestadt Lüneburg, ein Haus gekauft. Dort verbringen sie jetzt gemeinsam die meiste Zeit. „Meine Heimat jedoch bleibt Westerland, bleibt Sylt. Deshalb werde ich in Zukunft die erste Woche jedes Monats auf der Insel sein.“ Aber auch aus politischen Gründen: Jensen hat zwar die meisten seiner Posten in der Fraktion und der Gemeindevertretung niedergelegt, bleibt als bürgerliches Mitglied aber im Aufsichtsrat der EVS und der Insel- und Halligkonferenz. Außerdem ist er weiter stellvertretend in verschiedenen Ausschüssen tätig sowie in der Fraktionsgeschäftsführung des SSW.

Treu bleiben wird Klaus Jensen mit Sicherheit seiner politischen Lebensdevise: „Am liebsten war und bin ich noch immer im Hintergrund tätig – als eine Art Strippenzieher, der die Leute zusammen und die Themen auf den Punkt bringt.“ Wichtig sind ihm, neben den Fachausschüssen, ausdrücklich auch die Arbeitskreise, die von der Selbstverwaltung ins Leben gerufen wurden. Beispielhaft nennt der SSW-Politiker den AK Verwaltungszusammenlegung, wo es darum geht, neue personelle Strukturen zu schaffen und neue Aufgabengebiete zu definieren. Gleiches gelte für den Arbeitskreis Bastianplatz: „Da mussten ja viele Probleme gelöst und vieles koordiniert werden, zum Beispiel auch mit der Dänischen Schule und mit der Lebenshilfe.“

Jensen spricht sich im Gegensatz zu CDU und SWG dafür aus, auch in Zukunft neue Arbeitskreise zu gründen beziehungsweise Bestehende weiterzuführen. Und diese müssten auch weiter die Möglichkeit haben, nichtöffentlich zu tagen: „Das ist häufig viel effektiver als alles an die zuständigen Ausschüsse zu übertragen.“ Ebenso wenig will Klaus Jensen einen Herzenswunsch aufgeben: Die Hoffnung auf eine Gesamtfusion der Insel als „Seebad Sylt“. Denn „das ist nach wie vor ein Thema und dringend erforderlich“, glaubt der SSW-Politiker. „Irgendwann wird die Fusion kommen, da bin ich mir völlig sicher. Dabei zeigt sich mal wieder: Ich kann ganz schön stur sein ... “

Sehr zufrieden ist Jensen auch damit, dass der SSW auf Sylt als Partei angenommen worden und sowohl politisch wie gesellschaftlich akzeptiert ist. Erfolgreich umgesetzt hätte die dänische Minderheitauf der Insel zum Beispiel die Gleichstellung der Büchereien sowie die Themen Schülerbeförderung und Kindergärtengelder. Der SSW befände sich ohnehin mehr „auf der sozialen Schiene“ als andere Parteien, stehe damit besonders den dänischen Sozialdemokraten nahe. „Die hohe Toleranz zeigt sich auch bei uns in der Fraktion“, so Jensen. „Da gibt es keinen Zwang wie in anderen Fraktionen, der eigene Ermessensspielraum jedes Mitglieds ist schon sehr groß. Auf diese Freiheit sind wir stolz, das lassen wir uns von niemanden nehmen!“


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erstellt am 12.Apr.2017 | 04:50 Uhr

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