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Sylter Rundschau

26. März 2017 | 20:59 Uhr

Interview mit Claudia Thesenfitz : „Ich habe mich restlos in die Insel verliebt“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview spricht die Romanautorin über ihr neues Buch „Meer Liebe auf Sylt“, ihre Nichte Lina-Marie und die Männer in ihrer Familie

Seit ihrem Debütroman „Sylt oder Selters“ ist Autorin Claudia Thesenfitz aus den Buchläden der Insel nicht mehr wegzudenken. Morgen erscheint ihr zweiter Roman „Meer Liebe auf Sylt“, aus dem sie auch am kommenden Sonnabend, 11. März, um 20.15 Uhr im Wenningstedter Kursaal³ lesen wird. „Meer Liebe auf Sylt“ ist eine Geschichte über Freundschaft und Familie: Um ihre Ehe zu retten, fliegt die 27-jährige Alexandra nach New York. Mutter Henrietta und Schwiegermutter Ulla sind sofort zur Stelle, um in einem Haus auf Sylt auf die kleine Emma aufzupassen. Dumm nur, dass sich die beiden jungen Omas nicht ausstehen können. Ulla ist überzeugte Esoterikerin, Henrietta knallharte Karrierefrau. Bio kontra Business, Eso kontra Ellenbogen - zwei Welten prallen aufeinander. Als auch noch Alexandras kinderlose Schwester Jana zu Hilfe eilt, ist das Chaos perfekt. Im Interview spricht die Autorin über Familie, Sylt und ihren Humor.

 

Frau Thesenfitz, Ihr neuer Roman „Meer Liebe auf Sylt“ ist eine wunderschöne Geschichte über Familie und Freundschaft. Die beiden Hauptcharaktere Henrietta und Ulla sind sich zu Beginn allerdings alles andere als sympathisch ...
Ich wollte mit den beiden ein möglichst konträres Paar schaffen, das natürlich einerseits gewisse Klischees bedient, sie aber auch gleichzeitig entlarvt. Beide Figuren sind zusammengesetzt aus verschiedenen Erfahrungen, die ich in meinem Leben sammeln konnte. Ich war lange Journalistin und habe dabei natürlich diverse Chefredakteurinnen kennen gelernt – daraus ist der Charakter der Henrietta entstanden. Aufgrund meiner eigenen Kindheit und viel Erlebtem konnte ich aber auch gut die Esoterikerin Ulla zusammensetzen.

Ein Roman über zwei ältere Damen und ein Kind auf Sylt ist ungewöhnlich und so ganz anders als die klassischen „Frauenromane“ über Liebe, Lust und Leidenschaft. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit dem Verlag. Es ist in unserer Zeit ja schon fast normal, dass viele Großmütter sehr jung sind. Überhaupt sind Frauen mit Ende 50 und Anfang 60 keine Omis in beigen Kostümen mehr, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. Gerade diese „Sexy Silver Generation“ legt oft noch einmal richtig los.
Unsere Idee war es daher, die Geschichte eine Altersgruppe weiterzuschieben. Anstatt immer nur über Frauen Ende 30 oder Anfang 40 zu schreiben wollte ich gerne einfach mal 20 Jahre weitergehen.

Haben Sie sich dabei auch von eigenen Familienmitgliedern inspirieren lassen?
Ja, allerdings eher bei den jüngeren Protagonisten. Meine Nichte Lina-Marie war ein großes Vorbild für die Figur der kleinen Emma, auf die beide Omas aufpassen müssen. Ich bin immer hinter ihr her gerast mit einem Notizblock in der Hand und habe alles aufgeschrieben: Was sie macht, was sie sagt und wie sie sich verhält. Schließlich habe ich ihr das Buch auch gewidmet. Ich selbst bin am ehesten in Janas Charakter zu finden, denn ein bisschen autobiographisch ist so ein Roman ja immer.

In dem Glücksroman „Meer Liebe Sylt“ geht es um Frauen, Freundschaft, Familie, Liebe und vor allem Sylt.
In dem Glücksroman „Meer Liebe Sylt“ geht es um Frauen, Freundschaft, Familie, Liebe und vor allem Sylt. Foto: Cover: Ullstein-Verlag

Drei Frauen und ein Kind stehen im Zentrum der Geschichte. Die Männer spielen so gut wie keine Rolle ...
… Ja, das wollte ich so. Die Konstellation zwischen den Frauen sollte gewissermaßen die Hauptrolle spielen. Wenn noch sehr viele männliche Charaktere dazugekommen wären, wäre es sicherlich zu überladen gewesen. Außerdem komme ich selbst auch aus einer sehr frauendominierten Familie: Ich habe ausschließlich Schwestern – und davon sehr viele. Und ich habe ausschließlich Tanten – und davon auch sehr viele (lacht). Die Männer haben bei uns nur in der Liebe eine Rolle gespielt, in den Erziehungs- und Alltagsfragen waren sie eher weniger wichtig.

Fällt es Ihnen leicht, humorvolle Bücher zu schreiben?
Man sagt, dass lustiges Schreiben die schwierigste Kür für einen Autor ist, denn er muss den Humor vieler Menschen treffen. Um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern: Ich muss immer schauen, dass ich die richtige Stunde und die richtige Energie erwische. Denn ich kann nicht immer witzig schreiben, dazu muss ich schon gut gelaunt sein.

Ein sehr lustiges Kapitel in dem Buch ist ein misslungener One-Night-Stand von Henrietta ...
... (lacht) Ja, diese Situation habe ich absichtlich mal konterkariert. Der Leser erwartet natürlich, dass das für die Protagonistin eine tolle Nacht mit einem tollen Mann wird. Das ist aber in vielen Fällen ganz und gar nicht authentisch – und mir lag viel daran, genau das zu beschreiben.

Hamburg, Mallorca, Sylt: Sind die Orte, an denen die Geschichte spielt, auch Ihre Lieblingsorte?
Mallorca war es früher, aber jetzt ist es nur noch Sylt. Vor sechs Jahren haben ich mich restlos in die Insel verliebt. Das war so ähnlich, wie wenn man seine große Liebe kennenlernt – irgendwie hat alles gepasst. Meine Protagonisten sind auch nur an realen Schauplätzen auf der Insel, an Plätzen, die ich auch gut kenne. Es gibt Sylt-Romane, in denen das alles umbenannt ist oder auch Locations erfunden werden. Das wollte ich auf keinen Fall, denn die Leser sollen schon nachvollziehen können, wo die Geschichte spielt.

Am Sonnabend kommen Sie zur Premierenlesung in den Kursaal³. Verbinden Sie ihren Aufenthalt auch mit einem kleinen Urlaub?

Nein, das schaffe ich leider nicht. Aber ich werde bestimmt im Frühjahr und Sommer wieder oft auf die Insel kommen – dafür muss ich dann nur noch ein paar Bücher verkaufen, damit ich mir das auch leisten kann (lacht). Irgendwann werde ich aber sicherlich auch ganz auf die Insel ziehen. Denn mein absoluter Traum ist eine Existenz aus Wellenreiten und Schreiben auf Sylt.

Die Premierenlesung beginnt am kommenden Sonnabend, 11. März, um 20.15 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr) im Kursaal³ in Wenningstedt. Der Eintritt beträgt 12 Euro. Alle Zuschauer erhalten ein Glas Sekt oder Selters.

 

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erstellt am 09.Mär.2017 | 05:32 Uhr

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