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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Musik auf Sylt : „Ich habe immer meine Lieder gelebt“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview mit der Sylter Rundschau erzählt Chanson-Sänger Klaus Hoffmann, warum er ein Lockvogel für Menschen ist, die eher die leisen Töne mögen. Am Freitag gastiert er im Kursaal³ in Haus am Kliff in Wenningstedt.

Klaus Hoffmann zählt zu den beständigen und erfolgreichen deutschen Chansonniers, dessen Lieder oft sehr persönlich und empfindsam wirken. Der Schauspieler und Musiker weiß sie mit einem großen Entertainer-Talent zu performen. Im Interview mit der Sylter Rundschau erzählt Klaus Hoffmann, warum er ein Lockvogel für Menschen ist, die eher die leisen Töne mögen.

Ihre Tour ist überschrieben mit dem Titel „Leise Zeichen“. In Ihrem aktuellen Song „Das Ende aller Tage“ klagen Sie allerdings laut und deutlich die politische Trendwende an, das „rechte Gedankengut“ und den „Biedermann, der schon im Geiste zündelt“. Kann man sich in solchen Zeiten mit leisen Zeichen noch Gehör verschaffen?
Mir ist es wichtig, dass wir aus diesem Plakativen herauskommen, ob es nun von Links oder Rechts kommt. Ich möchte das ansprechen, was in jedem einzelnen vorgeht, wenn es um Themen wie Flüchtlinge geht. Das ist nicht plakativ, das sind die leisen Zeichen, die wir in uns vernehmen, wenn wir unsere Erinnerungen an Reisen in fremde Lände befragen, an Begegnungen mit Menschen anderer Nation denken. Man traut es sich kaum zu sagen, aber es geht doch um Menschlichkeit. Das Positive will ich benennen.


Ihre Tour ist eine Jubiläumstour: 40 Jahre Klaus Hoffmann auf der Bühne. Gibt es eine Zeit in diesen Jahrzehnten, die für Sie eine besondere war? Nicht nur für Sie persönlich, sondern für unsere Gesellschaft?
Ja, die gibt es, es waren die 60er Jahre. Leise und friedlich war das gar nicht, aber eine wichtige, gravierende gesellschaftliche Bewegung, die uns Aufbrüche und Freiheiten ermöglicht hat.

Aber Sie gehörten nicht zu den Revoluzzern – oder?
Nein, ich war ja eher der Feingeist, der mit den politischen Parolen nichts anfangen konnte. Mir war das zu demagogisch. Ich gehörte auch nicht zu den Bart tragenden Parka-Typen. Aber das war nur das Äußerliche, die Uniform, die mich immer abschreckte, in welchem Verein ich auch zugehörig sein sollte. Mir war es wichtig, dass ich etwas für mein Leben finde. Das hört sich vielleicht so ein bisschen nach Alt-Hippie an. Das war ich und bin ich nicht, aber die Musik der Zeit, das Theater, die Kunst – alles war im Auf- und Umbruch und hat uns Räume eröffnet, in denen man sich als Individuum entwickeln konnte.

Sie sind Sänger, Schauspieler und Klaus Hoffmann. Sind das drei Figuren oder eine?
Ich denke, der Sänger ist die Figur auf der Bühne. Als Schauspieler trägt man sicher immer eine Maske wie ich auch damals in dem Film „Die neuen Leider des jungen W.“ eine Figur spielte. In meiner Musik vertone ich aber meinen Text, meine Gedanken, Empfindungen und Überzeugungen. Der Sänger ist auch eine Bühnenfigur, die ich aber nicht nur spiele, sondern die ich auch bin. Ich habe immer meine Lieder gelebt.

Das heißt, Ihr Publikum lassen Sie wirklich viel von Klaus Hoffmann erfahren?
Ich habe bei den Franzosen, den Chansonniers, gelernt, wie man sich trauen kann, mehr von sich zu zeigen, ohne sich ganz zu verlieren. Aber ich war immer ein Sänger der Innerlichkeit, einer der auch das Pathos, die Theatralik nicht scheut. Da bin ich immer anders gewesen als politische Liedermacher wie Franz-Josef Degenhardt oder Wolf Biermann.

Wie riskant ist es, als Sänger innerlich zu sein?
Es ist immer riskant. Aber die Menschen, die zu mir kommen, die suchen dieses zu sich selber kommen. Und ich bin der Lockvogel dafür.

Sie treten am kommenden Freitag im Kursaal³ in Wenningstedt auf. Sylt hat für Sie immer eine große Bedeutung gehabt. Sie fühlen sich der Insel verbunden, sind oft hier. Wie wichtig ist Sylt künstlerisch für Sie?
Ich bin ja seit meiner frühen Jugend immer wieder nach Sylt gekommen. Die Insel ist für mich auch ein Ort der Widersprüche, der Spannungen und zugleich ein tief empfundener Ruhepol. Sie inspiriert mich zu Texten und schenkt mir sehr kostbare Momente. Ich habe ein Lied, das bei meinem Auftritt hier sicher kontrovers diskutiert werden wird, denn es heißt „Es regnet immer auf Sylt“. Trotzdem ist es auch eine Liebeserklärung an die Insel. Und es handelt von der Liebe …


Klaus Hoffmann: „Die Geschichte meiner Lieder“ – im Gespräch mit Stefan Hartmann, am 13. Mai im Kursaal³ in Wenningstedt, Beginn: 20.15 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr,

Tickets zum Preis von 29 Euro gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse.



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erstellt am 11.Mai.2016 | 05:34 Uhr

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