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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 17:39 Uhr

Interview mit Thorsten Havener : „Ich bin ein großer Freund von Ritualen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Entertainer Thorsten Havener über Glücksmomente und über die Unterschiede zwischen seinem privaten und beruflichen Ich.

Er errät streng geheime PIN-Nummern und weiß genau, wohin Sie als nächstes in den Urlaub fahren: Thorsten Havener gilt als einer der größten Entertainer Deutschlands und passionierter Experte unserer Körpersprache. Der Mentalist und Zauberkünstler bezeichnet das, was er tut, selbst als „Körperlesen“. Während seiner 20-jährigen Bühnenerfahrung hat er nicht nur Sonja Zietlow, Atze Schröder, Johannes B. Kerner oder Stefan Raab schon in die Köpfe geschaut. Mit seiner Show „Der Körpersprache-Code“, tritt er am Dienstag, 2. August, und Mittwoch, 3. August, jeweils um 20 Uhr im Rantumer Meerkabarett auf. Wir haben uns mit dem 43-Jährigen über Rituale und die Bedeutung von Heimat unterhalten.

 

Herr Havener, beobachten Sie ständig die Körpersprache Ihrer Freunde, wenn Sie gemeinsam unterwegs sind?

Thorsten Havener: (lacht) Inzwischen nicht mehr. Wenn man ein Thema hat, das einen total begeistert, dann macht man das andauernd und zu jeder Gelegenheit. Früher – also noch zu Schulzeiten – war es so, dass ich immer Kartenspiel dabei hatte und damit Tricks machte. Auch wenn ich zum Beispiel auf Festen aufgetreten bin habe ich mich ganz viel mit der Körpersprache auseinandergesetzt, weil es ein Randgebiet der Zauberkunst ist, das mich schon immer fasziniert hat. Aber dieser ständige Drang, es machen zu müssen, nimmt irgendwann ab, wenn man die Erfahrung hat und sich sehr sehr intensiv damit auseinander gesetzt hat. Inzwischen ist es bei mir so, dass ich ganz froh bin, einen tollen Beruf zu haben. Aber wenn ich mich außerhalb dieses Berufs bewege, freue ich mich tatsächlich, auch mal ein ganz anderer sein zu können. Hier unterscheidet sich bei mir der private Mensch und die Bühnenfigur sehr stark. Privat bin ich ein sehr ruhiger und in mich gekehrter Mensch, der auch viel reflektiert. Ich lese sehr viel und bin gern auch in einer ruhigeren Umgebung. Auf Tour kann ich dann das andere Extrem ausleben.

 

Mit wem möchten Sie gern einmal beruflich zusammenarbeiten?

Ich habe das große Glück, dass ich schon ein ganz tolles Team habe (schmunzelt). Mit der Zusammenarbeit mit diesen Menschen, zum Beispiel mit mir an den Programmen schreiben, bin ich sehr glücklich.

 

Und gibt es außerhalb des Teams jemanden, den Sie gerne mal „lesen“ möchten?

Nein, ich würde nicht sagen, dass ich mich zum Beispiel mal mit irgendeinem großen Politiker treffen möchte, damit ich seine Körpersprache lesen kann. Dieses Bedürfnis habe ich überhaupt nicht.

 

Was bedeutet eigentlich Heimat für Sie?

Darüber habe ich schon oft und lange nachgedacht, weil ich als Jugendlicher viel umgezogen bin und das Umfeld sich oft verändert hat. Es gibt einmal die Wurzeln – das ist da, wo man herkommt. Und die sollte man auch nicht verleugnen. Ich bin im Saarland geboren und aufgewachsen – und ich spüre an vielen Dingen, dass ich da immer noch verbunden bin. Aber Heimat ist in zwischen für mich dort, wo die Menschen sind, die ich liebe. Ob das hier ist in München, oder ob ich mit denen gemeinsam nach Frankreich oder Amerika gehe: Solange sie dabei wären, wäre das meine Heimat.

 

Bedeutet das auch Glück für Sie?

Ja. Die Zeiten sind heute ja besonders turbulent. Man kommt gar nicht mehr hinterher mit allem, was gerade passiert. Glücklich machen mich dann die Kleinigkeiten: Zum Beispiel mit meiner Familie am Tisch sitzen und gemeinsam essen. Das kann ein wunderbarer Moment sein, auch wenn das nichts Großes ist. Ich bin immer auf der Suche danach, im Kleinen das Glück zu sehen.

 

Haben Sie ein Lebensmotto, dass Sie bei dieser Suche unterstützt?

Ich habe für mich das Motto entdeckt: Jetzt ist der Augenblick der Macht. Das heißt: Das Vergangene ist vergangen, das kann ich nicht mehr ändern, und an der Zukunft kann ich auch nicht viel machen, sondern eigentlich nur den Moment nutzen. Das ist zwar eine abgedroschene Phrase, aber trotzdem ist da noch viel Wahres drin.

Pflegen sie ein Ritual, dass Ihnen in diesen „turbulenten“ Zeiten hilft?

Ja, ich bin ein ganz großer Freund von Ritualen und habe gleich mehrere: Vor der Show mache ich in der Garderobe meine Requisiten, die ich im Programm verwende, nochmal schick und schön und positioniere sie auch selbst hinter dem Vorhang, bevor die Gäste den Saal betreten. Dabei gehe ich im Kopf immer alle Show-Momente nochmal durch. Außerdem mache ich vorher immer eine Musik an, die mir gefällt.

 

Gibt es weitere wiederkehrende Dinge, die Sie vor dem Auftritt pflegen?

Ja, ich stehe immer schon bevor es losgeht an der Bühnenseite und nehme die Atmosphäre des Saals – das Gemurmel und die Hintergrundmusik – auf. Dann stelle ich mir vor, wie der Abend so wird. Das heißt, bevor ich auf die Bühne gehe, war ich in Gedanken schon da. Das beruhigt mich.

 

Sylt kann ja auch beruhigend wirken. Schon mehrmals sind Sie hier aufgetreten. Was fasziniert Sie an der Insel?

Ich finde die Gegensätze auf Sylt sehr interessant: Auf der einen Seite strahlt die Insel eine totale Ruhe aus, auf der anderen ist es total stürmisch. Ich freue mich immer sehr auf die Insel.

 

Verlosung:

Anlässlich des Gastspiels von Thorsten Havener auf Sylt verlost die Sylter Rundschau gemeinsam mit dem Meerkabarett je zwei Exemplare seines aktuellen Buches und der Hörbuch-CD „Ohne Worte – Was andere über dich denken“. Bitte beantworten Sie folgende Frage: Was hatte der Entertainer und  Zauberkünstler bereits zu Schulzeiten immer dabei? Ihre Antwort schicken Sie bitte bis Montag, 1. August, entweder per E-Mail an redaktion.sylt@shz.de oder als Postkarte an Sylter Rundschau, Andreas-Dirks-Str. 14, 25980 Sylt-Westerland. Unter allen richtigen Einsendungen werden die Gewinner ausgelost und dann benachrichtigt.

 


Karten für die beiden Veranstaltungen „Der Körpersprache Code“ mit Thorsten Havener gibt es an allen Sylter Vorverkaufsstellen, tel. unter 04651-4711 und auf www.meerkabarett.de sowie an der Abendkasse.

 

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erstellt am 29.Jul.2016 | 05:31 Uhr

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