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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Halloween auf Sylt : Horror-Clowns contra Party-Spaß

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit einigen Wochen schockieren „Horror-Clowns“ das Land. Welchen Einfluss haben die Spaßverderber auf die Sylter Halloween-Freuden?

Unheimliche Clowns mit schockierenden Fratzen, Kettensägen oder Messern – ein Gruseltrend aus den USA, der längst in unsere Breitengrade geschwappt ist. Der erste so genannte Horror-Clown in Schleswig-Holstein ist vor rund einer Woche auf Sylt aufgetaucht. In Morsum versetzte ein verkleideter Unbekannter die Bewohnerin eines Hauses in Angst und Schrecken. Mit einem Baseballschläger in der Hand soll er an das Fenster des Gebäudes geklopft und dadurch die Frau verängstigt haben.


Polizei befürchtet mehr Grusel-Clowns an Halloween


Rund um Halloween, das in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert wird, befürchtet die Polizei eine Häufung der Fälle – vor allem in Großstädten, aber auch auf Sylt. Unter anderem gehört es zum Brauch des Gruselfestes, dass sich Kinder wie Erwachsene verkleiden. So kostümiert gehen vor allem die Kleinen von Haus zu Haus und fordern die Bewohner dazu auf, ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen. Mit der aktuell in den USA grassierenden „Great Clown Panic of 2016“ hat sich der Clown als eine der einschlägigsten Horrorfiguren vor dem diesjährigen Halloween-Fest etabliert.

Halloween: Was ist das?

Halloween benennt die Volksbräuche am Abend und in der Nacht vor dem Hochfest Allerheiligen vom 31. Oktober auf den 1. November. Dieses Brauchtum war ursprünglich vor allem im katholischen Irland verbreitet. Die irischen Einwanderer in den USA pflegten ihre Bräuche in Erinnerung an die Heimat . Seit den 1990er Jahren verbreiten sich Halloween-Bräuche in US-amerikanischer Ausprägung auch im kontinentalen Europa. In Deutschland wird – mit steigender Beliebtheit des Festes –  kritisiert, dass damit alte Bräuche wie das Martinssingen zunehmend verdrängt werden.

 

Im Tinnumer Gemeindehaus soll am Montag eine Halloween-Party für Kinder und Erwachsene gefeiert werden: Besondere Vorkehrungen oder Abweichungen von den ursprünglichen Plänen angesichts der Clown-Attacken in den vergangenen Wochen würden hier nicht getroffen, erklärt Uwe Dau, der die Feier organisiert. „Wir wollen das so durchziehen wie angekündigt.“ Die Kinder, die in Gruppen durch das Dorf laufen, um Süßigkeiten zu sammeln, würden von „genügend Erwachsenen“ begleitet. „Ich denke, in unserem kleinen Ort kann das nicht so schlimm werden mit den Gruselclowns“, sagt der Vorsitzende des Tinnumer Dorfvereins.

Auch der Kampener Unternehmerverein lässt sich den Spaß nicht verderben: In drei Tagen veranstaltet dieser eine Halloween-Party für Kinder bis 13 Jahre im Kaamp Hüs. „Ich rechne nicht damit, dass zu unserer Halloween-Party Gäste im Clowns-Kostüm kommen“, sagt der 1. Vorsitzende des Vereins Jörn Steffen. Das Thema sei zwar schrecklich und ernst zu nehmen, habe aber nichts mit dem keltischen Brauch zu tun. Alle Kinder würden am Eingang kontrolliert. „Wenn tatsächlich jemand im Clownskostüm kommt, fragen wir ihn, weshalb er diese Verkleidung gewählt hat“, sagt Steffen. Was beim anschließenden Laternenumzug passiert, läge allerdings nicht in seiner Verantwortung.

Nur für Erwachsene ist die „Horror Halloween Party“, die am morgigen Sonnabend im American Bistro in Westerland steigen soll. Schon jetzt warnen die Veranstalter auf Facebook davor, das Fest als Clown maskiert zu besuchen. Türsteher würden diesen den Zutritt zum Tanz- und Nachtclub verwehren. „Aus gegebenem Anlass wollen wir keinen verängstigen – keinen Ärger haben“, sagt Sepp Brückmann vom American Bistro. Einige Gäste hätten bereits gefragt, ob potenzielle Störenfriede im Clownskostüm Zutritt zur Party hätten.

Auch im Klähblatt in Westerland wird Halloween gefeiert: Da die Party erst am Wochenende nach dem eigentlichen Fest steigen soll, rechnen die Veranstalter damit, dass sie von möglichen maskierten Angstmachern verschont werden.

Auf der Insel ist es für Menschen, die andere mit Clownsmaske über dem Gesicht erschrecken wollen, allerdings schwierig an das passende Equipment zu kommen. In keinem der gängigen Läden können entsprechende Gesichtsbedeckungen gekauft werden. Einige der großen Ketten haben die speziellen Kostüme aufgrund der Schreckens-Aktionen in den letzten Wochen sogar gezielt aus dem Sortiment genommen. Die Sylter Polizei will das Geschehen am Montag „sehr genau“ beobachten, sagt ein Sprecher. Details wollte er zunächst nicht nennen. „Unseren Einsatz machen wir von der Lage abhängig und treffen dann die entsprechenden Entscheidungen.“ Wer nicht fälschlich für einen Horror-Clown gehalten werden möchte, solle seine Kostümierung entsprechend wählen. Beamten warnen, dass es sich bei den Attacken keinesfalls um Dumme-Jungen-Streiche handelt. Verkleideten Übeltätern drohen strafrechtliche Konsequenzen – etwa wegen Körperverletzung, Bedrohung oder Nötigung. Auch die Einsatzkosten können auf die maskierten „Scherzbolde“ zurückfallen.

Neu ist der Trend nicht. Im Netz kursieren seit 2014 zahlreiche „Killer-Clown-Prank-Videos“, auf denen Personen in Clowns-Kostümen Leute erschrecken. Die Zwischenfälle mit so genannten Horror-Clowns haben bizarre Ausmaße angenommen: In Deutschland ist es im Oktober bereits hundertfach zu Vorfällen mit Killer-Clowns gekommen, bei denen Passanten zum Teil sogar verletzt wurden.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 04:46 Uhr

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