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Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Bahnstrecke Niebüll-Sylt : Hoffen und Warten auf die Zweigleisigkeit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kann der angekündigte Ausbau der Bahnstrecke Niebüll-Klanxbüll umgesetzt werden und tatsächlich für Entspannung sorgen? Wir haben nachgefragt.

Als am vergangenen Montag gegen 22.45 Uhr in der Facebook-Gruppe „NOB-Pendler Husum-Westerland“ die Nachricht gepostet wurde, dass die Bahnstrecke Niebüll-Klanxbüll nun doch zweigleisig ausgebaut werden soll und sie damit in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wird (wir berichteten), trudelten auch gleich die ersten Kommentare ein. Einerseits zeigte sich Freude über die angekündigte Entscheidung, anderseits aber auch Verwunderung über die überraschende Bekehrung des Verkehrsministers Alexander Dobrindt. Vor allem aber überwog der Zweifel, ob der Ankündigung auch Taten folgen werden. Gruppen-Initiator Achim Bonnichsen zumindest ist wenig euphorisch: „Ich glaube nicht, dass ich die Zweigleisigkeit noch erleben werde,“ mutmaßt der 49-Jährige. Der Frust sitze bei ihm zu tief. „Ich pendle seit über 30 Jahren fünf bis sechs Mal die Woche auf die Insel. So schlimm, wie es seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Jahr mit den Verspätungen läuft, war es noch nie.“ Natürlich wünsche er sich dringend die Erweiterung der Strecke Niebüll-Klanxbüll, er verwies jedoch auf eine Mitteilung aus dem Jahre 2006. Schon damals, vor genau zehn Jahren, kündigte der frühere schleswig-holsteinische Verkehrsminister Dietrich Austermann den zweigleisigen Ausbau an.

Bonnichsen ist nicht nur Pendler, sondern auch Arbeitgeber auf der Insel. „Ich habe aufgrund der langen Fahrtzeiten in den letzten Jahren zwei Arbeitnehmer verloren. Wie soll ich Fachkräfte für mein Handwerk finden, wenn die Menschen 14 Stunden unterwegs sind, aber nur achteinhalb bezahlt bekommen?“, fragt sich der Geschäftsführer einer Fliesenlegerei. Allein vergangene Woche habe er durch diverse Verspätungen und Zugausfälle zehn Stunden mit Warten verbracht. „Das ist eine Einschränkung in der Lebensqualität.“

Bürgervorsteher Peter Schnittgard freut sich über die Neuigkeiten, äußert aber ebenfalls seine Bedenken. „Es ist endlich eine Bestätigung für den langen Kampf, den auch die Insulaner lange gefochten haben“, sagt er, „allerdings ist es bis 2030 auch noch eine ziemlich lange Zeit, die ins Land geht“. Gleicher Meinung ist auch Karl Max Hellner, 1. Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer, der sich schon lange für eine Zweigleisigkeit auf der Strecke einsetzt: „Wir würden uns natürlich freuen, wenn die Maßnahme zeitlich vorgezogen werden könnte. Noch bis 2030 zu warten ist eine lange Zeit. Das werden viele, die regelmäßig nach Sylt pendeln, gar nicht mehr in ihrer Berufstätigkeit erleben“, so Hellner, der betont: „Jedes Jahr, das diese Strecke weiter eingleisig ist, ist für uns negativ.“

Außerdem berichtet Hellner, dass die Sylter Unternehmer prinzipiell fordern würden, die Zweigleisigkeit bis nach Keitum auszuweiten. „Aber auch die jetzt angekündigte Maßnahme hilft schon mal, weil die Eingleisigkeit in diesem Bereich häufig für Verspätungen sorgt. Wir wären also begeistert, sollte es dazu kommen“, so Hellner.

In der Region Südtondern wird die Ausbau-Entscheidung umso mehr als positives Signal gedeutet. Klanxbülls Bürgermeister Friedhelm Bahnsen freut sich über die Kehrtwende. „Das bringt eine Erleichterung für alle. Der Verkehr wird auf zwei Schienen deutlich unproblematischer laufen – insbesondere in der Hochsaison.“ Immer wieder käme es derzeit vor, dass ein Zug im Klanxbüller Bahnhof warten müsse, um erst einen Gegenzug aus Niebüll vorbeizulassen. „Eine der Hauptursachen für die ständigen Verspätungen würde dann wegfallen.“

Dass mit der Zweigleisigkeit der Zugverkehr insgesamt auch zunehmen werde, davon geht Bahnsen nicht aus. „Alles, was da rüber will, das schafft man jetzt schon auch. Es wird nur wesentlich entspannter sein.“

Als großes Problem bei der Umsetzung der Zweigleisigkeit sieht Bahnsen jedoch den moorigen Untergrund, der eine technische Herausforderung darstellen werde. „Ich denke dabei unter anderem an die Fahrbahn der Klanxbüller Straße, die starke Straßenschäden hat. Das schwierige Gelände wird es der Bahn nicht leicht machen.“ Aus diesem Grund rechnet der Bürgermeister auch damit, dass sich der Ausbau zeitlich hinziehen wird. „Ich habe nicht die Hoffnung, dass das in ein paar Jahren erledigt ist. Von der politischen Absichtserklärung bis zur Umsetzung wird sicherlich noch einige Zeit ins Land gehen.“

„By the way: Es ist Wahlkampf“, ergänzt Achim Bonnichsen und gibt zu Bedenken, dass eine eventuelle Vorrangigkeit der Tunnelproblematik an der Ostküste des Landes ebenso zu einer Verzögerung führen könne. „Und wer weiß,“ fragt der Sylter Unternehmer mit einem Augenzwinkern, „vielleicht taucht ja noch ein schützenswerter dreibeiniger Frosch auf, der das Ganze auf weitere zehn bis 15 Jahre verzögert.“

Bonnichsen würde es auf jeden Fall begrüßen, wenn das Gastronomie-Personal wieder vor den Urlaubsgästen auf der Insel ankäme. Er spielt damit auf die Vorrangigkeit des Autozuges gegenüber dem Personenzug an. „Die Hotelfachleute und Bäckerinnen sollen immer ein Lächeln auf den Lippen haben. Das fällt unheimlich schwer, wenn der Tag schon mit einer Verspätung oder einem Ausfall begonnen hat und voraussichtlich auch enden wird.“

Hans Friedrich Andresen vom „Fachbereich Ordnung“ im Amt Südtondern, ist zuständig für Verkehrsangelegenheiten. Er ist sich sicher, dass die angekündigte Zweigleisigkeit zwischen Niebüll und Klanxbüll negative Auswirkungen auf die Stadt haben wird. Besonders betroffen sein werde der Bahnübergang in der Gather Landstraße in Niebüll – ein wenig allerdings auch der in der Uhlebüller Straße. „Durch die Zweigleisigkeit werde ein erheblicher Zeitbedarf auf die Rangiertätigkeiten im Nordteil des Bahnhofs Niebüll entfallen. Hinzu kommt, dass die Schranke Gather Landstraße im Handbetrieb geschlossen und geöffnet wird.“

So könnte die Zweigleisigkeit in naher oder ferner Zukunft zwar für Entspannung auf den Schienen sorgen – allerdings aber auch für Anspannung an den Schranken.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 05:26 Uhr

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