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Sylter Rundschau

26. Juli 2016 | 12:14 Uhr

Flüchtlingsunterbringung : Hörnums Politik muss über JAW-Heim entscheiden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Inselsüden gibt es Kritik an den Plänen zur Unterbringung von Flüchtlingen im JAW-Heim. Deshalb wollen die Hörnumer Politiker vor ihrer Entscheidung die Einwohner befragen.

Können im Sommer wie geplant rund 80 Flüchtlinge im ehemaligen Jugendaufbauwerk in Hörnum untergebracht werden? Diese Entscheidung liegt nun in der Hand der Hörnumer Kommunalpolitiker. Bürgermeister Rolf Speth, dessen Wählergemeinschaft AWGH die Mehrheit in der Gemeindevertretung stellt, will sich derzeit noch nicht festlegen, was die Politik entscheiden wird.

Die Inselverwaltung erwartet, dass in diesem Jahr noch rund 400 neue Flüchtlinge auf Sylt untergebracht werden müssen. Als Favorit schwebt der Politik der Gemeinde Sylt vor, dass ein Teil der Menschen im ehemaligen Jugendaufbauwerk leben soll. Das Gebäude würde der Insel vom Land Schleswig-Holstein für fünf Jahre zur Verfügung gestellt, die Kosten für nötige Sanierungsarbeiten würden sich nach Berechnungen des Kommunalen Liegenschafts-Managements innerhalb von fünf Jahren refinanzieren (wir berichteten).

Um aber Flüchtlinge im JAW unterzubringen, müsste die Hörnumer Gemeindevertretung einer Nutzungsänderung für das Gebäude zustimmen. Bevor sie darüber entscheidet, wollen die Gemeindevertreter aber erst eine Einwohnerversammlung zu dem Thema abwarten, die voraussichtlich noch in diesem Monat stattfinden soll. „Wir haben in der letzten Gemeindevertretersitzung Kritik an den Plänen zur Flüchtlingsunterbringung aufgenommen“, erklärt Bürgermeister Rolf Speth diesen Schritt, „deshalb wollen wir jetzt erst einmal abwarten, was die Bürger wollen.“ Zur Haltung seiner Fraktion wollte sich Speth nicht äußern: „Ich selbst bin unentschieden. Es ist schon so, dass auch Hörnum einen Teil der Flüchtlinge aufnehmen muss. Aber gegen den Willen unserer Bürger werden wir es nicht machen.“

Und die Gemeinde Sylt, betont deren Bürgermeister Nikolas Häckel, werde keine Flüchtlinge im JAW-Heim gegen den Willen der Gemeinde Hörnum unterbringen. Theoretisch wäre das jedoch möglich: Der Kreis Nordfriesland könnte quasi über den Kopf der Gemeinde Hörnum bestimmen, dass die Flüchtlinge im JAW leben dürfen. Diesen Weg will Häckel aber nicht gehen. Zwar habe der Hörnumer Bürgermeister in Gesprächen signalisiert, dass er die JAW–Pläne mittragen werde. Sollte die Entscheidung der Gemeindevertretung nun aber anders ausfallen, müsse eine Alternative zum JAW-Heim gefunden werden. Dies würde auf eine Container-Lösung hinaus laufen, so Häckel, der aber gleichzeitig betont, dass die Container dann inselweit und nicht nur im Zentrum platziert werden müssten. Sollte die Gemeinde Hörnum der Unterbringung im JAW-Heim zustimmen, könnten dort relativ schnell die nötigen Vorbereitungen getroffen werden. Die Sanierungsarbeiten würden nach Kenntnisstand der Verwaltung mit rund 900  000 Euro etwas günstiger werden als zunächst angenommen.

Über die allgemeine Flüchtlingssituation auf der Insel hatte Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt auf der jüngsten Sitzung des Amtsausschusses berichtet. Derzeit leben 213 Menschen in den Sylter Unterkünften, 110 Betten sind derzeit noch frei. Gefragt wurde Gotthardt, warum sich die Zahl der Flüchtlinge, die der Insel zugewiesen werden, in den vergangenen Wochen nicht erhöht habe und ob Sylt angesichts der Tatsache, dass die Flüchtlingszahlen auf der Insel derzeit stabil seien, wirklich weitere Unterbringungsmöglichkeiten schaffen müsse.

Gotthardt beantwortete die Fragen sinngemäß damit, dass heute natürlich niemand genau vorher sagen könne, wann wie viele Flüchtlinge der Insel zugewiesen würden. Angesichts der weltpolitischen Lage, der Zahl der Asylsuchenden in schleswig-holsteinischen Erstaufnahmeeinrichtungen und allen Informationen von Land und Kreis gehe sie davon aus, dass es sehr sinnvoll sei, sich auf die Ankunft der angekündigten 400 Flüchtlinge vorzubereiten.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 06:06 Uhr

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