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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 00:21 Uhr

Kolumne Strandgut : Hörnum mal wieder

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In ihrer Kolumne beschreibt Sylter Rundschau Redakteurin Julia Nieß wie es ist, in den aktuellen "Skandal-Zeiten" in Hörnum zu leben.

„Ach Julia, Dein Hörnum mal wieder“, sagen meine Kollegen aus Keitum, Tinnum oder Westerland gerne mit gespielter Anteilnahme, aber süffisantem Grinsen, wenn aus dem Ticker mal wieder eine politische Hiobsbotschaft über den Inselsüden kommt. So wie am Donnerstagabend, als bekannt wurde, dass es in meinem Wohnort (mal wieder) eine Hausdurchsuchung in den Büros von Gemeinde und Tourismus-Service gab.

Mein gerade mal 900 Einwohner zählender Heimatort ist im Verhältnis zu seiner geringen Größe in der Wahrnehmung der Insel derzeit (mal wieder) ganz weit oben. Doch leider nicht von seinen schönen Seiten: Strafanzeigen, Korruption, Bestechlichkeit und Mauscheleien – alles Zutaten, die für einen spannenden Polit-Thriller mit Al Pacino und Russell Crowe in den Hauptrollen herhalten würden, sorgen in der Realität und auf lokaler Ebene (mal wieder) inselweit für Kopfschütteln und Unverständnis.

Meine Reaktion auf solche Nachrichten hat sich in den vergangenen Monaten verändert: Wurde anfangs sofort meine journalistische Neugier geweckt, der Geschichte unbedingt auf den Grund gehen zu wollen, neige ich heute dazu, meinen Kopf mit der Stirn auf den Tisch fallen zu lassen und mehrmals hintereinander „Warum nur, warum?“ zu flüstern. Denn nach den zahlreichen Schlagzeilen der vergangenen Monaten schäme ich mich jetzt für „meinen“ Ort, in dem ich doch eigentlich so gerne lebe.

Auf die mir oft gestellte Frage „Was ist denn bei Euch da im Süden los?“ will ich gar keine Antwort mehr geben. Im Freundeskreis versuchen wir, Themen rund um die Hörnumer Politik und ihre Protagonisten zu vermeiden – um uns den Abend nicht zu vermiesen. Denn die Skandale aus dem kleinen Zwei-Parteien-Ort, dessen Einwohner sich im weitesten auch in eine Zwei-Parteien-Bevölkerung gliedern, lassen am Ende des Tages leider keinen mehr gut dastehen: Weder uns, noch den Ort, noch die Insel überhaupt. Und das ist wirklich (mal wieder) sehr sehr schade.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 05:24 Uhr

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