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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Brandbrief wegen Bahnchaos bei der NOB : Hilferuf von Sylt nach Kiel: „Schaden für die gesamte Region“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Politiker aus Sylt und Niebüll schreiben einen Brandbrief - und fordern sofortige Maßnahmen gegen das Bahnchaos.

Niebüll | In einem dramatischen Brandbrief an Bernhard Wewers, den Geschäftsführer des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein (NAH.SH), verlangen Bürgermeister und Politiker von Sylt und aus Niebüll umgehend wirksame Maßnahmen gegen das anhaltende Schienenchaos zwischen der Insel und dem Festland. „Wir fordern für unsere Pendlerinnen und Pendler schlicht verlässliche Bahnverbindungen mit ausreichender bedarfsgerechter Transportkapazität. Beschaffen Sie bitte umgehend, nein sofort, mehr Trieb- und Reisezugwagen für den lebensnotwendigen Transfer in unserer Region“, heißt es in dem Schreiben nach Kiel. „Die Reisenden ertragen derzeit unzumutbare Zustände, der Fachkräftemangel ist auch durch diese – derzeit noch verschärfte Situation – mehr als nachvollziehbar. Sie verantworten, dass die Lebensader der Insel Sylt geschädigt wird und verantworten auch den Schaden für die gesamte Region.“

Damit greifen die Absender des Hilferufes direkt NAH.SH-Chef Wewers an, dessen GmbH im Auftrag des Landes den gesamten Schienenpersonennahverkehr in Schleswig-Holstein organisiert. Unterzeichner sind die Bürgermeister Nikolas Häckel (Sylt) und Wilfried Bockholt (Niebüll), der Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt Peter Schnittgard sowie Rolf Speth, Vorsteher des Amtes Landschaft Sylt. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Verfasser des Brandbriefes auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer, Staatssekretär Frank Nägele, Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen und den Sylter CDU-Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing in Kopie als Empfänger gesetzt.

„Nachdem seit letzter Woche Freitag doch einige Zeit vergangen ist und sich der Bahnverkehr von und nach Sylt immer noch nicht in einem ausreichend verlässlichen Zustand befindet, wenden wir uns notwendigerweise nun doch persönlich an Sie“, heißt es weiter im Schreiben an Bernhard Wewers. Ausdrücklich wird jedoch betont, dass die Entscheidung, alle Wagen der NOB aus sicherheitstechnischen Gründen aus dem Verkehr zu ziehen, bis sie wieder in vollem Umfang sicher einsatzbereit sind, nicht infrage gestellt, sondern vielmehr unterstützt wird. „Nur, dass nach fast sechs Tagen immer noch nicht ausreichend Wagenmaterial, wenigstens zu den Hauptzeiten des Berufsverkehrs zur Verfügung steht, macht uns dann doch sprachlos.“

Ohne die rund 4500 Berufspendler, die täglich auf die Insel kommen, würde vieles nicht laufen, so die Unterzeichner. Bereits vergangenen Freitag musste die Gemeinde Sylt Kindergartenkinder nach Hause schicken, konnten der Schulbetrieb nicht ordnungsgemäß beginnen und im Schichtdienst arbeitende Pflegekräfte nicht abgelöst werden, weil die Beschäftigten nicht zu ihren Arbeitsstellen gelangten. Darüber hinaus konnten zahlreiche Geschäfte nicht öffnen, viele Dienstleistungen im öffentlichen, sozialen und privaten Bereich fielen wegen Personalmangels schlicht aus. „Ein Leben in geregelten Bahnen ist seit Monaten für unsere Berufspendler und uns Einwohner nur schwer möglich, verbunden mit wachsendem Unmut und einem Gefühl der Hilfslosigkeit“, beklagen die Verfasser des Briefes.

„Hier trifft uns die fast ausschließliche Abhängigkeit der Insel Sylt von nur einem Verkehrsmittel besonders extrem.“ Umso unverständlicher wäre der Umstand, dass es trotz bundesweit zur Verfügung stehender Trieb- und Reisezugwagen nicht möglich sei, wenigstens seit Montag alle Berufspendler vom Festland menschenwürdig auf die Insel zu befördern. Selbstverständlich müsse dies auch im Feierabendverkehr gewährleistet sein. Hierzu bedürfe es verlässlicher Bahnverbindungen mit ausreichender Transportkapazität. „Unsere Pendlerinnen und Pendler zahlen gutes Geld für Ihre Monats- und Jahreskarten, Sie haben deshalb auch Anspruch auf einen sicheren und menschenwürdigen Transfer.“

Auf Anfrage der Sylter Rundschau äußerte sich Bernhard Wewers zu den Vorwürfen: „Ich verstehe den Unmut der Pendler und die Sorgen auf Sylt sehr gut. Die NOB tut alles, um ausreichende Kapazitäten zu organisieren. Und natürlich unterstützen wir sie dabei“, so der NAH.SH-Geschäftsführer. „Leider ist die Herausforderung, spontan 90 Reisezugwagen zu ersetzen, so groß, dass Lösungen etwas länger brauchen. Wir sind aber weiter dran. Ich bin heute im Werk in Husum und erörtere die Situation mit der NOB.“ Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele sagte gegenüber der Sylter Rundschau, dass er der NAH.SH Respekt für das bisherige Management der Notverkehre zollt, die Sorgen der Sylter jedoch ernst nimmt und von allen beteiligten Bahnunternehmen erwartet, dass sie rasch Ersatzmaterial organisieren, um zumindest zu den Stoßzeiten die Engpässe zu lindern.

„Wir stehen absolut an der Seite unserer Pendler und Mitarbeiter“, betont der Verein Sylter Unternehmer (SU). „Hatten wir zunächst noch gehofft, dass das Wagenmaterial schnellstmöglich wieder zur Verfügung stehen wird, liegen die Prognosen jetzt anders. Das ist auf keinen Fall akzeptabel.“ Der Verein sei auf allen Ebenen aktiv und mit sämtlichen Beteiligten im Gespräch. „Wir kümmern uns mit aller Kraft um eine Unterstützung der betroffenen Pendler. Kurzfristig wird es ein von uns angeschobenes Treffen mit Vertretern der NAH.SH geben, weil wir anders einfach nicht weiter kommen“, kündigte SU-Geschäftsstellenleiter Ronald Glauth an. „Dieses Gespräch wird in unserer bewährten Runde stattfinden, in der sich neben der Wirtschaft auch Vertreter aus Politik, Verwaltung, Tourismus und der Pendlerinitiative wiederfinden. Eine schnelle Lösung muss her.“

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erstellt am 17.Nov.2016 | 14:25 Uhr

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