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Sylter Rundschau

26. Juli 2016 | 17:59 Uhr

Geburten auf Sylt : Hilferuf der Schwangeren wird gehört

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nachdem schwangere Sylterinnen ihre Not öffentlich gemacht hatten, gibt es jetzt Reaktionen aus der Landespolitik, Verbänden und von Asklepios

Die Hilferufe der schwangeren Sylterinnen, die sich am Dienstag mit einem offenen Brief an Landes- und Bundespolitiker gewandt haben (wir berichteten), sorgten jetzt für erste Reaktionen: Als erste Fürsprecherin meldete sich die sozialpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion Anita Klahn zu Wort und kritisierte den bisherigen Kurs der Landesregierung: „Die aktuelle Diskussion über die Zukunft der Geburtshilfe Sylt zieht weitere Fragen nach sich, die nicht im Rahmen einer dürren Pressemitteilung des Sozialministeriums geklärt werden können, sondern vielmehr im parlamentarischen Raum behandelt werden müssen. Deshalb haben wir jetzt einen Bericht des zuständigen Ministeriums für den kommenden Sozialausschuss Anfang Dezember beantragt. Zugleich haben wir die Landesregierung gebeten, ihre Vorstellungen zur Problemlösung vorzustellen.“

Auch Klahns Kollegin, die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Katja Rathje-Hoffmann, solidarisierte sich noch am Dienstag mit den betroffenen Sylterinnen. Sie habe die schleswig-holsteinische Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) in einem Schreiben aufgefordert, gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort ein zukunftsweisendes Konzept vorzulegen. „Die Landesregierung muss dafür sorgen, das auch in den nächsten Jahren auf Sylt Babys sicher zur Welt gebracht werden können. Die Schwangeren auf Sylt brauchen Sicherheit“, so Rathje-Hoffmann.

Wie aus Kreisen der Landespolitik gestern zu vernehmen war, beschäftigten sich nicht nur die Oppositionsparteien mit der Thematik, auch Grüne, SSW und SPD arbeiten demnach an einer Erklärung zur Sylter Geburtshilfe.

Und nicht nur auf dem Festland rumort es mächtig. Auch auf Sylt geht die Kommunalpolitik wieder in die Offensive: In einer gemeinsamen Erklärung forderten die Inselbürgermeister gestern eine dauerhafte Lösung und nehmen dafür auch das Land Schleswig-Holstein in der Pflicht. Die Landesregierung müsse sich aktiv für den Erhalt der Geburtshilfeklinik auf Sylt einsetzen, so die einhellige Position der Bürgervertreter. Noch direkter formulierte Bürgervorsteher Peter Schnittgard die Forderung der Insulaner: „Es ist dringend an der Zeit, dass alle sogenannten Versorgungsaufträge und deren realistische Umsetzungen, die zwischen den öffentlichen Trägern aus Kiel und der Nordseeklinik bestehen, auf den Prüfstand gebracht werden.“ Schützenhilfe kommt auch aus dem Westerländer Rathaus: „Ich habe den Geschäftsführer der Nordseeklinik, Herrn Nachtwey, aufgefordert, in Zusammenarbeit mit der Rechtsabteilung seines Konzerns nach einer juristisch kreativen und konstruktiven Lösung zu suchen, die nicht gegen geltendes Recht verstößt – und die eine Fortführung der Geburtshilfe auf Sylt ermöglicht“, so Bürgermeisterin Petra Reiber. 

Eberhard Eberle, Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Gemeinde Sylt, begrüßt in dem Schreiben  die Zusammenarbeit über die Gemeinde- und Parteigrenzen hinweg. „Hier haben wir es mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun“, so Eberle, „wir müssen mit unserer Lösung auf Landes- und Bundesebene ansetzen.“ Heute reist Eberle nach Kiel um  mit der Staatssekretärin direkt zu sprechen und ihr die Sorgen der Sylter zu schildern.

Während sich die Politik erneut in Stellung bringt, reagiert auch der Schleswig-Holsteinische Hebammenverband auf den Hilferuf der Sylterinnen: Im Verband sei man besorgt, dass die Frauen der Insel Sylt ihre Kinder „unter unzumutbaren Bedingungen“ zur Welt bringen müssten. Nach der Meinung der  Verbandsvorsitzenden Margret Salzmann und  Bärbel Noack-Stürck, sei das Verlassen der Insel wegen einer fehlenden Geburtsstation nicht hinnehmbar: „Das widerspricht dem Recht der Frau auf die freie Wahl des Geburtsortes und der Gewährleistung der Sicherheit für Mutter und Kind. Das sollte eigentlich durch den Versorgungsauftrag des Landes Schleswig-Holstein sichergestellt sein.“

Ähnlich wie die FDP und die CDU im Kieler Landtag, sehen damit auch der Hebammenverband und die Inselbürgermeister den Ball  im  Spielfeld der Landesregierung und der Asklepios-Nordseeklinik. In der Konzernzentrale verweist man auf die eigenen Anstrengungen, die Geburtshilfe zu retten: „Wir haben  eine Lösung erarbeitet, die aber leider von manchen verweigert wird. Daher bleiben uns nur folgende Möglichkeiten: Hebammen zu suchen, die bereit sind ein Geburtshaus in der Klinik zu betreiben – oder den Auftrag zur Sicherstellung der geburtshilflichen Versorgung, den wir vom Kreis erhielten, wieder an den Kreis zurückzugeben,“ sagte  Asklepiossprecher Dr. Franz Jürgen Schell.  Auch Asklepios-Gründer  Bernard gr. Broermann äußerte sich  gestern in einem Gespräch mit  Petra Reiber: „Herr Broermann ist einer konstruktiven Lösung gegenüber aufgeschlossen“, so die Bürgermeisterin.
 

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erstellt am 21.Nov.2013 | 06:00 Uhr

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