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Sylter Rundschau

29. Mai 2016 | 19:15 Uhr

Bad Bramstedt : Hass-Attacken auf Hundeschule

vom

Ein Internet-Video sorgt für einen Aufschrei der Tierschützer. Es zeigt Szenen einer Ausbildungsmaßnahme eines Hundetrainers aus Bad Bramstedt. Die Polizei ermittelt - es gab sogar Morddrohungen.

Bad Bramstedt | Der Hundetrainer hat einen Blechnapf in der Hand, an der Leine hält er einen Schäferhund mit Maulkorb. Ein zweiter Mann nähert sich mit festem Schritt. Als der Hund an der Leine zerrt und bellt, holt der Trainer aus und schlägt dem Tier mit dem Napf auf die Nase. Dieses kurze Video, vor wenigen Tagen im Internet veröffentlicht, hat unter Hundefreunden in Schleswig-Holstein einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gleich zwei Facebook-Gruppen haben sich gegründet, sammelten in kürzester Zeit 1600 Mitglieder. Und die Polizei ermittelt - denn es gab Morddrohungen gegen den Besitzer der Hundeschule und den Mann, der den Napf-Schlag ausführte.
Es ist Frank Fass, heute Chef des Wolfcenters Dörverden (Landkreis Verden). Entstanden ist das Video in der Hundeschule "Hundeleben" in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg). Ihr Leiter ist Michael Grewe, Mitbegründer von "Canis", dem ersten wissenschaftlich anerkannten Ausbildungszentrum für Hundetrainer. "Mein Rechtsanwalt hat mir geraten, vorerst nicht über die Sache zu sprechen", sagte Grewe dem sh:z am Donnerstag. Es sei Wahnsinn, was gerade passiere.
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So soll ihm und auch Frank Fass angedroht worden sein, dass man sie aufhängen werde. Grewe hat deshalb eine schriftliche Stellungnahme veröffentlicht. "Wir waren geschockt, welche Reaktionen der Film hervorgerufen hat und sind betroffen vom Hass, der uns entgegenschlägt", heißt es darin. Das Video sei 2009 bei der Ausbildung von "Canis"-Studenten entstanden und zeige nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Situation. Der Schäferhund sei als gefährlich eingestuft gewesen, weil er bereits Menschen gebissen hatte. "Auf dem kompletten Film ist zu sehen, wie der Hund zuvor mit Maulkorb enthemmt in Unterarm und Beine eines Menschen zustößt."
Der Hund habe schon zahlreiche Hundeschulen durchlaufen, und es sei darüber diskutiert worden, ihn einzuschläfern - oder eben mit ernsteren Maßnahmen zu öffnen. Dies sei gelungen: Auf dem Originalfilm soll zu sehen sein, dass man sich dem Hund später ohne Maulkorb nähern konnte. Michael Grewe sagt: "Das Tier konnte am Leben bleiben." Und Frank Fass fügt hinzu: "Ich habe für den Hund und letztlich zu seinem Wohle gehandelt."

Experten erschüttert über die "geballte Hass-Kampagne"

Tierschützer teilen diese Argumentation nicht. Alexandra Bruns aus Schwedeneck (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sagt: "Auf dem Video ist deutlich zu sehen, wie viel Angst und Stress der Hund hat. Wer weiß, wie oft ihm der Napf schon ins Gesicht geschlagen wurde." Bruns hat eine der Facebook-Gruppen gegründet. "Hundeleben ohne Gewalt" heißt sie. Ziel sei es, die gewaltfreie Erziehung von Hunden zu fördern. "Was das Video zeigt, darf nicht sein - besonders nicht in einer Hundeschule, die an der Zertifizierung für Hundetrainer durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein beteiligt war." Bruns gibt zu, dass es in ihrer Gruppe etliche herabsetzende Kommentare gab. "Wir haben auch schon eine Unterlassung mit Strafandrohung von 250.000 Euro erhalten." Doch nicht deswegen hat Bruns sie gelöscht: "Viele Leute wollen einfach motzen, wir wollen sachlich diskutieren."
Was sagen Fachleute zu dem Video? Dorit Feddersen-Petersen ist Verhaltensexpertin für Hunde, am Zoologischen Institut der Universität Kiel tätig. Sie erklärt: "Was ich gesehen habe, hat mich entsetzt. Als Wissenschaftlerin will ich aber alle Fakten kennen und werde erst dann ein Urteil abgeben, wenn mir der ganze Film vollständig vorliegt." Sie kenne Michael Grewe und schätze dessen Arbeit. Deshalb sei sie auch erschüttert über die "geballte Hass-Kampagne".
Ins Netz gestellt hat den Film eine Claudia Reinhards. Das ist der Name einer Sängerin (Sopran) und offensichtlich ein Pseudonym. Da das Geschäft mit den Hundeschulen eine Industrie ist, mit der viel Geld verdient wird, ist denkbar, dass hier nicht aus Tierliebe gehandelt wurde - sondern um einen Konkurrenten zu schädigen.

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erstellt am 22.Dez.2012 | 05:47 Uhr

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