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Sylter Rundschau

06. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

Nahverkehr : Harte Zeiten für Bahn-Passagiere

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zu 16 Busse übernehmen heute den Schienenersatzverkehr für die Nord-Ostsee-Bahn / Parkplätze in Keitum und Morsum ausgelastet

Schienenersatzverkehr – ein Wort des Schreckens für Bahnfahrer. Wegen Gleisbauarbeiten ist der Westerländer Bahnhof vier Tage gesperrt, Passagiere müssen in Keitum oder Morsum in Busse umsteigen. Doch das klappte am Wochenende ziemlich reibungslos. Auf insgesamt 121 Bustouren konnten bis zu 6000 Fahrgäste befördert werden. Doch die Nagelprobe steht am heutigen Montag bevor. Die Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) rechnet mit bis zu 10  000 Fahrgästen.

SVG-Fahrdienstleister Torsten Hillje zog gestern ein zufriedenes Zwischen-Fazit: „Alles ist rund gelaufen.“ Hillje lobte insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Leitstelle der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) im sächsischen Görlitz. Nur zwei Mal am Sonnabend sei die Zahl der Fahrgäste unterschätzt worden. Bei der Abfahrt morgens gegen 9.30 Uhr aus Westerland hätten statt 200 über 300 Gäste am ZOB auf die Ersatzbusse gewartet – da mussten kurzerhand noch zwei Busse aus dem Depot auf die Strecke geschickt werden. Das gleiche abends gegen 19 Uhr – statt 100 stiegen rund 200 Passagiere in Morsum aus dem Zug aus und wollten in einen SVG-Bus wechseln, berichtet Hillje.

Am Sonntag war es ruhiger, meist pendelten ein bis zwei Busse zwischen dem Inselosten und Westerland. Am Nachmittag wurde die Kapazität nochmal hochgefahren, weil Jugendfußballer vom Festland von Morsum aus nach Keitum gebracht werden mussten.

In Westerland sei „alles sehr geordnet“ abgelaufen, weil sich eine Bahnmitarbeiterin zwischen dem Bahnhof und dem ZOB um die Fahrgäste gekümmert habe, lobte der SVG-Mann. Leichte Schwierigkeiten bereitete nur ein hohes Pkw-Aufkommen in Morsum. Mit den Taxikollegen hätten sich die Busfahrer auf eine Quasi-Einbahnstraße verständigt, die am Muasem-Hüs rein und Bi Miiren wieder hinaus führt.

Die Parkplätze am Keitumer und am Morsumer Bahnhof waren stark ausgelastet – offenbar werden viele Berufspendler mit ihren Firmenfahrzeugen am Montag Morgen von hier aus statt von Westerland zur Arbeit fahren. In Keitum irrten zudem Urlaubsgäste mit ihren Koffern rund um den Bahnhof umher, weil sie den Weg von Gleis 2 zum Bahnhofsvorplatz nicht fanden. Dass es einen Schienenersatzverkehr geben würde, war den meisten von ihren Hotels und Vermietern mitgeteilt worden. „Aber warum zeigt uns hier keiner den Weg?“, fragte ein Urlauber aus Hamburg, der den Bus nach Westerland suchte.

Ähnlich positiv wie die SVG äußerte sich gestern die NOB-Zentrale: „Wir sind bisher sehr zufrieden mit dem Verlauf der Baumaßnahmen bzw. deren Auswirkungen.“ Die Auswirkungen seien aus NOB-Sicht bislang „relativ geräuschlos“ verlaufen. „Absolute Gewissheit über den Erfolg des Schienenersatzverkehrs“ werde man aber erst Montag Nachmittag haben, wenn die Pendler unterwegs waren, erklärte NOB-Pressesprecher Kay Goetze.

Die Sylter Verkehrsgesellschaft verfügt über 23 Linienbusse und zehn Reisebusse, die den Ansturm der Bahngäste als auch den normalen Linienverkehr bewältigen sollen. Am Steuer werden in diesen Tagen aber auch Busfahrer eingesetzt, die als Saisonkräfte im November sonst nicht auf der Insel tätig sind. „Ein Verkehrsaufkommen in diesem Umfang hatten wir noch nie,“ erklärte SVG-Pressesprecherin Pia Menning. Am Montag Morgen und zur Feierabendzeit sollen bis zu 16 Busse für die Berufspendler bereitstehen. „Ich denke, damit kommen wir gut über die Runden“, meinte SVG-Fahrdienstleiter Torsten Hillje gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Ein hoher Aufwand an Fahrzeugen und Personal, den die SVG der Nord-Ostsee-Bahn und der Deutschen Bahn in Rechnung stellen wird. NOB-Pressesprecher Kay Goetze erwartet „definitiv einen fünfstelligen Betrag“. Im Jahresschnitt würden 5000 bis 6000 Fahrgäste pro Tag den nördlichen Abschnitt der Marschenbahn bis auf die Insel Sylt nutzen. Weil die Tourismussaison vorbei ist, dürften sich die tatsächlichen Zahlen darunter bewegen. Die Zahl der bestellten Busse sei nach den Vorjahres-Fahrgastzahlen und nach Erfahrungswerten angepasst worden.

Starker Andrang herrschte sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag auch beim Syltshuttle der Deutschen Bahn. Wegen der Gleisbauarbeiten vor dem Kopfbahnhof fahren die roten Autozüge heute und am morgigen Dienstag von 5 bis 21 Uhr nur stündlich statt im gewohnten Halbstundentakt. Die Personenwagen des Syltshuttle Plus fallen ganz aus, genauso wie die IC-Züge zwischen Hamburg und Westerland (noch bis 20. November).

RDC schickt seine blauen Autozüge bislang nur an Werktagen auf die Strecke nach Niebüll. Der Bahnkonkurrent legt in dieser Woche zudem eine Pause ein. Erst am 13. November fährt der RDC-Autozug wieder. Die Einführungsaktion mit einem Fahrpreis von 25 Euro wurde übrigens bis zum Ende des Fahrplans am 10. Dezember verlängert. Ab 11. Dezember will RDC seine Autozüge sieben Mal pro Tag in jede Richtung fahren lassen.

Die Sperrung des Bahnübergangs am Tinnumer Königskamp soll noch bis Freitag Mittag aufrechterhalten werden. Dort sind die Gleisbauarbeiten in vollem Gange. Insgesamt investiert die Deutsche Bahn Netz AG 4,5 Millionen Euro in die Erneuerung der Infrastruktur in Westerland und Tinnum. Zwölf Weichen und fast 2600 Meter Gleise müssen erneuert werden. Mit einem Ende der Gleisbauarbeiten wird für den 6. Dezember gerechnet.

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erstellt am 06.Nov.2016 | 21:40 Uhr

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