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Sylter Politik : Häckel gibt wichtiges Amt auf

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bürgermeister der Gemeinde Sylt delegiert Aufgabe des leitenden Verwaltungsbeamten.

Paukenschlag im Westerländer Rathaus: Bürgermeister Nikolas Häckel gibt die Aufgabe des leitenden Verwaltungsbeamten ab. Im Vorfeld hatte es immer wieder Kritik gegeben an der Doppelaufgabe für den Westerländer Verwaltungschef – einmal als direkt gewählter Bürgermeister der Gemeinde Sylt, zum anderen als Koordinator für die amtsangehörigen Inselgemeinden. Damit soll nun knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt Schluss sein.

Interessenskonflikte waren unausweichlich – Nikolas Häckel als hauptamtlicher Bürgermeister von 13  500 Einwohnern, aber gleichzeitig einem ehrenamtlichen Amtsvorsteher unterstellt, der nur 4500 Einwohner vertritt. Dass der Amtsausschuss Rolf Speth zu seinem Vorsitzenden gewählt hat – den Bürgermeister von Hörnum – macht die Sache nicht leichter. Häckel sitzt bei den Querelen im Inselsüden buchstäblich zwischen den Stühlen. Die anderen drei Gemeinden des Amtes Landschaft Sylt sind Kampen, List und Wenningstedt-Braderup – deren Bürgermeistern wird ein unterkühltes Verhältnis zum Chef im Westerländer Rathaus nachgesagt.

Eine interne Aufgabenausschreibung im Rathaus, die der Sylter Rundschau vorliegt, brachte den Vorgang nun an die Öffentlichkeit. In dem Schreiben vom 7. Februar heißt es, laut Amtsordnung könne der Bürgermeister einer geschäftsführenden Gemeinde die Rechte und Pflichten eines leitenden Verwaltungsbeamten auf einen Beschäftigten der Verwaltung übertragen. Eine Regelung, von der Bürgermeister Häckel nun Gebrauch machen wolle.

Zu den Aufgaben des „LVB“ gehören laut Ausschreibung die Koordinierung zwischen Amtsgemeinden und Verwaltung sowie die Beratung der Bürgermeister der amtsangehörigen Gemeinden. Bei den Sitzungen der Gemeindevertretungen und des Amtsausschusses sowie bei den Dienstbesprechungen mit dem Amtsvorsteher und den Bürgermeistern sitzt der Leitende mit am Tisch. Eine Tätigkeit, für die wöchentlich 20 Arbeitsstunden vorgesehen sind, zusätzlich zur bisherigen Tätigkeit in der Inselverwaltung. Dafür winkt im Gegenzug eine Besoldung nach Entgeltgruppe 12 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst oder nach Besoldungsgruppe A12 für Landesbeamte.

Dabei hatte Nikolas Häckel die Aufgabe des leitenden Verwaltungsbeamten bei seinem Amtsantritt am 1. Mai 2015 ausdrücklich wieder an sich genommen, um die inselweite Zusammenarbeit zu stärken. Laut Amtsordnung obliegt diese Funktion bei einer Verwaltungsgemeinschaft dem Bürgermeister der geschäftsführenden Gemeinde. Seine Vorgängerin Petra Reiber dagegen hatte die Aufgabe an Mitarbeiter delegiert, Joachim Rück und Bernd Neumann kümmerten sich um die Inseldörfer. Das Verhältnis zwischen der Bürgermeisterin und den Amtsbürgermeistern galt als angespannt – deswegen gab es in den letzten zwei Jahren ihrer Amtszeit auch keine gemeinsamen Bürgermeister-Dienstversammlungen mehr. Ein Gremium, das Nikolas Häckel mittlerweile aber auch nicht mehr besucht. Beim letzten Mal sprang sein Stellvertreter Carsten Kerkamm ein, beim nächsten Termin am 4. April lässt Häckel sich ebenfalls vertreten.

Die Gemeindevertretungen von Wenningstedt und List ziehen die Unterstützung durch den Pensionär Joachim Rück vor, Kampen kommt auch ohne Westerländer Hilfe aus. Nur in Hörnum wohnt Nikolas Häckel noch den Sitzungen bei.

Dass die von der Gemeindeordnung diktierte Doppelfunktion Nachteile hat, bestätigt auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing. Der Morsumer war von 1996 bis 2005 hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Sylt-Ost und damit ebenfalls leitender Verwaltungsbeamter für das Amt Landschaft Sylt. Als solcher hat Liebing aber keine Gemeindevertretersitzungen besucht – „es sei denn, ich wurde eingeladen.“ Dafür sprang damals sein büroleitender Beamter Joachim Rück ein.

Doch was hat Nikolas Häckel nun dazu bewogen, sich aus den Amtsgemeinden zurückzuziehen? „Die Amtsbürgermeister haben große Probleme mit der aktuellen – gesetzlich vorgesehenen – Situation einer Verwaltungsleitung“, erklärte Häckel gestern. „Da ich nicht auf Konfrontation aus war und bin, möchte ich dem Wunsch der Amtsbürgermeister folgen, auch wenn es sich auf die Struktur und Arbeitsabläufe in der Inselverwaltung negativ auswirken wird.“ Das Positive an der Aufteilung auf zwei Verwaltungsleitungen sei jedoch, „dass ich nun die Interessen der Gemeinde Sylt klarer vertreten kann.“

Bis zum 2. März haben jetzt die Rathaus-Mitarbeiter Zeit, ihren Hut in den Ring zu werfen. Als Kandidaten werden derzeit der Leiter der Bauverwaltung Joachim Schweitzer, Martin Seemann von der Stabsstelle Projekte und Hauptamtsleiterin Monika Kuhn gehandelt. Doch auf Nachfrage unserer Zeitung winkte Martin Seemann bereits ab. Monika Kuhn bekundete, sie wolle an ihrer Aufgabe als stellvertretende leitende Verwaltungsbeamte festhalten. Einzig Joachim Schweitzer ließ offen, ob er sich bewerben würde.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 05:49 Uhr

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