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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Kammermusikfest Sylt : Gran Finale mit Vivaldi und Piazzolla

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fünftägiges Programm ging mit Konzert im Keitumer Friesensaal zu Ende. „La Dolce Vita“ begeisterte Besucher in zahlreichen Spielorten

Eine festliche Abschluss-Gala im Keitumer Friesensaal beendete das Internationale Kammermusikfest Sylt, das sich in seinem fünften Jahr auf der Insel mit einem mediterranen Programm präsentierte. Italienische Opern-Intros waren der Beginn in der Akademie am Meer im Klappholtal, es folgten italienische Film-Musik der so genannten Spaghetti-Western – wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „La dolce Vita“, letzteres auch Motto des Festivals – im Muasem Hüs in der Mitte der Woche und vergangenen Donnerstag zum Abschied im Kulturhaus Sylt die Verbindung des Tango Nuevo-Erfinders Astor Piazzolla aus Argentinien mit dem großen Barock-Komponisten Antonio Vivaldi: Ein Konzert , das sich mit den vier Jahreszeiten über die Jahrhunderte beschäftigte.

Die Gitarre spielte mit Alberto Mesirca, einem wahren Meister seines Faches, eine besondere Rolle in diesem Jahr: Boccherinis „Fandango“ aus dem Gitarrenquintett G 448 öffnete die Tür von Europa nach Südamerika, was sich später durch Manuel de Fallas spanische Liedfolge, von der argentinischen Sängerin Susanna Moncaya virtuos und mit Herzblut dargebracht, fortsetzte.

Das Monte Piano Trio, Ausrichter des Festivals, ist ein junges Trio mit Meisterklasse aus Sizilien (Francesco Sica, Violine), Norditalien (Claude Frochaux, Cello) und London (Irina Botan, Piano). Sie begannen die „Jahreszeitenmusik“ mit „Verano Porteño“ von Piazzolla (1921-1992), der im Gegensatz zu Vivaldi (1678-1741), seine Musik des Sommers nicht noch zusätzlich mit Worten beschreibt sondern im besten Sinne lautmalt: Das Sommergewitter ebenso wie inbrünstiges Schwelgen in Sommernächten voller Vogelgesang und dann wieder Durchbrechen der ruhigen Stimmung durch mächtige Gefühlswallungen der Natur. Das Monte Piano Trio ist dem Gefühl nachgegangen, musikalisch, mit Körperausdruck und Mimik und der begeisterte Applaus zeigte die Wirkung auf den Zuhörer . Gefolgt vom Herbst der Vivaldi Jahreszeiten dachte man sich in harmonischeren klassischen Harmonien geborgen: Giulio Plotino, Konzertmeister großer Orchester wie dem London Philharmonic Orchestra, entführte mit seinem Solopart in die imaginative Welt des Blätterwelkens, der Farbenpracht des Herbstes und des Widerstands, die Wärme gehen zu lassen, ein wunderbar sich wiederholendes Spielkunstwerk von laut und leise, disharmonienauflösend mit inhaltlicher Nähe zu Piazzollas Kreation. Dem Streichquartett im Hintergrund mit Paolo Andreoli, Cremona, Meghan Cassidy, London, Vaida Rozinskaite, Litauen und Ashok Klouda, London, ließ Plotino guten Raum, sich in den Vordergrund zu spielen, sind doch die einzelnen fein komponierten Stimmen im Zwiegespräch mit dem Solisten. Die Wechsel zwischen dem 20. und dem 17. Jahrhundert, der Wechsel zwischen den Solisten: Das alles trug zu dem kompletten Bild des Abends bei. Die junge Solistin Nathalie Klouda vom Yehudi Menuhin College London, die mit unglaublichem Tempo und unbändiger Kraft das Solo im Frühlings- und Winterpart spielte, beflügelte ihre Mitspieler und Zuhörer, die sich bei der hochschwangeren Musikerin mit tosendem Beifall bedankten.

Es gibt Feriengäste, die ihren Urlaub mittlerweile nach den Daten des Kammermusikfestes Sylt planen. Gut zu wissen, dass man sich bereits auf das nächste Festival vom 23. bis zum 27. Juli 2017 freuen darf, wieder in den verschiedenen Spielstätten von List bis Morsum. Für das Monte Piano Trio, das sich nach seinen Konzertreisen um den Globus hier nach getaner Arbeit auf den Bühnen Sylts ein wenig ausruhen kann, ist es fast schon ein Nachhausekommen.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 05:30 Uhr

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