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Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Flughafen Sylt : Gericht verhandelt über Sylter Fluglärm

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hausbesitzer aus Keitum und Wenningstedt fordern eine Reduzierung zulässiger Dezibelzahl. Erste Entscheidungen werden voraussichtlich Mitte Mai erwartet.

Anwohner des Flughafens Sylt klagen seit gestern vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Schleswig wegen Lärms gegen den Flughafen Sylt. Sie wollen in den Berufungsverfahren erreichen, dass die derzeit maximal zulässige Dezibel-Zahl reduziert wird. Hilfsweise verlangen die Kläger Geld für Schallschutz-Wände. Jetzt wurden zwei Fälle verhandelt – der eines Hausbesitzers aus Keitum und einer aus Wenningstedt. Insgesamt ist mit zehn Zivilrechtsklagen vor verschiedenen Senaten des OLG zu rechnen. Bei allen Klägern handelt es sich um Eigentümer von Ferienimmobilien.

Der Vorsitzende Richter des 17. Zivilsenats stellte gleich zu Beginn der Verhandlung die Frage nach der Entwicklung der Starts und Landungen. Gutachterliche Erkenntnisse darüber gebe es nur bis 2012: „Wir haben aber das Jahr 2016.“ Nach Angaben von Peter Douven, Geschäftsführer der Flughafen Sylt GmbH als beklagter Betreibergesellschaft, sei 2011 das beste Jahr gewesen – so weit es die Frequenz und Passagierzahlen angehe. Seitdem wären die Zahlen jedoch rückläufig. 2015 wurden etwa 155  000 Passagiere gezählt, vier Jahre zuvor waren es noch rund 210  000. Der Inselflughafen werde überwiegend von kleinen Flugzeugen angeflogen, seltener von größeren Maschinen wie der Boeing 737 oder dem Airbus 319.

Der Anwalt der Klägerseite sagte, die Klagen seien 2008 eingereicht worden, weil Anwohner nach der Sanierung der Hauptstartbahn im Jahr 2006 einen rasanten Anstieg der Flüge mit großen Maschinen und entsprechendem Lärm befürchteten. Seine Mandanten berichteten aber auch, dass der Lärm im Vergleich zum Zeitpunkt der Einreichung der Klage weniger geworden sei.

Dies könne sich aber künftig wieder ändern. Die Kläger selbst waren nicht erschienen. Der Flughafenbetreiber hatte bereits Mitte 2014 vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Auflagen erhalten, die einem faktischen Nachtflugverbot gleichkommen. Zudem muss tagsüber eine Lärmpegelgrenze von 60 Dezibel (dbA) eingehalten werden.. Entsprechende Lärmmess-Stationen sollen laut Douven im Mai aufgestellt werden. Sollte der Grenzwert überschritten werden, ist die Flughafengesellschaft einem OVG-Urteil zufolge verpflichtet, passive Lärmschutzmaßnahmen mitzufinanzieren. Die Kläger halten sogar eine weitere Absenkung auf 55 dbA für wünschenswert.

„Im Moment würde das wohl keine Auswirkungen auf den Betrieb haben“, sagte Geschäftsführer Peter Douven. Er machte jedoch deutlich, dass die derzeitigen Passagierzahlen nicht zufriedenstellend seien und er einen Anstieg auf die Zahlen von 2011 anstrebe. Dann könnte es sein, dass 55 dbA zu knapp bemessen seien. Seiner Ansicht nach habe der Betreiber allerdings kaum Spielräume, aktiven Lärmschutz zu betreiben. Dies sieht die Gegenseite jedoch anders. Auch das Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht haben sich bereits mehrfach mit Klagen wegen Fluglärms gegen die Flughafen Sylt GmbH befasst. In den beiden aktuellen Fällen will das Oberlandesgericht seine Entscheidung voraussichtlich am 13. Mai mitteilen.

Wie die Urteile ausfallen, ist unklar. Rechtsexperten machten im Vorfeld deutlich, die Kläger könnten sich nicht darauf berufen , beim Erwerb ihrer Immobilie mit keinerlei Beeinträchtigungen durch Flugzeuge gerechnet zu haben. Sie deuteten vielmehr an: Bei den Entscheidungen werde voraussichtlich berücksichtigt, dass angesichts der langen militärischen Nutzung bereits seit Jahrzehnten Flugbetrieb stattfinde.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 05:38 Uhr

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