zur Navigation springen

Regeln für Strandbesucher : Fotos, Alkohol, Musik: Sylter Strandsatzung macht Schluss mit lustig

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Verkehrs- und Umweltausschuss der Gemeinde Sylt diskutierte die Regeln für Strandbesucher. Und die sind nicht ohne.

Sylt | Ein geselliger Abend am Strand mit Gitarrenmusik am Lagerfeuer? Verboten. Mit ein paar Flaschen Bier unter Freunden die Sonne untergehen sehen? Verboten. Die Sylter Gemeindevertreter wollen eine neue Strandsatzung beschließen – und die setzt strenge Regeln für alles, was am Strand zwischen Rantum und Westerland erlaubt ist. Wer sich nicht daran hält, könnte mit bis zu 1000 Euro Geldbuße bestraft werden.

Schon die alte „Satzung der Gemeinde Sylt über die Einschränkung des Gemeingebrauchs am Meeresstrand“ von 2012 versteht keinen Spaß, wenn Strandbesucher über die Stränge schlagen. Sechs Paragraphen umfasst das Regelwerk – darin geht es um den Geltungsbereich, das Mitführen von Hunden, das Reiten am Strand, die Aufsicht der Rettungsschwimmer, wer das Hausrecht hat und wie Verstöße geahndet werden. Doch in Paragraph 2, Absatz 4, sind 16 Punkte aufgelistet, derer sich Strandgänger schuldig machen können.

„Nicht gestattet“ sind zunächst einmal das Betreten der Dünenanpflanzungen, der Bau von Strandburgen und das Graben von Löchern – jedes Kleinkind weiß auf Sylt, dass das dem Küstenschutz dient. Unter Punkt 3 bis 16 sind verboten: der Bau von Strandhütten; Feuer und Feuerwerk; Abfälle; das Betreten der Rettungsschwimmerwagen; das Verschleppen und Zusammenstellen von Strandkörben zu Burgen; das Befahren des Strandes; das Verteilen von Handzetteln; das Angebot von Waren und Dienstleistungen; das Füttern von Möwen.

Tiere sind am Strand verboten, sofern sie nicht durch Paragraph 2, Absatz 1 (Mitführen von Hunden) und Absatz 3 (Reiten am Strand) erlaubt sind. Leider definiert die Satzung an keiner Stelle, welche Tiere geritten werden dürfen.

Als universeller Spaßkiller sticht Absatz 15 hervor: Es ist nicht gestattet, „am Strand zu übernachten, zu zelten, lautstark zu feiern oder zu musizieren und Alkohol in nicht geringen Mengen zu konsumieren“.

Verboten ist es auch, Foto- oder Filmaufnahmen für gewerbliche Zwecke zu machen. Ein Foto von der Liebsten im Strandkorb bei Facebook hochladen – das könnte schon grenzwertig sein. Wer sicher gehen will, holt sich vorher beim Insel Sylt Tourismusservice eine schriftliche Genehmigung.

So viel zu den alten (und neuen) Regeln. An anderer Stelle geht die neue Strandsatzung mit der Zeit: Die beliebten Drohnen dürfen generell nicht über den Strand fliegen, Drachen nur nach 17 Uhr südlich des Westerländer Strandabschnitts Dikjendeel. Motorboote und Jetskis sind erlaubt – aber nur für Rettungseinsätze. Wasserfahrzeuge dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung an den Strand gezogen oder ins Wasser gebracht werden.

Eine lange Liste von Verboten, die im Umwelt- und Verkehrsausschuss dann auch kontrovers diskutiert wurde. Christian Thiessen (Insulaner/Piraten) kritisierte erst die Alkoholklausel („Solange sie viel Geld bezahlen an der Promenade, dürfen sich die Leute besaufen – fünf Meter weiter dürfen sie es nicht mehr“), dann das Fotoverbot: „An der Natur oder am Sonnenuntergang haben wir kein Copyright.“ Seine Meinung: „In der Natur soll jeder machen können, was er will, solange er weder die Natur noch andere Menschen stört.“

Ausschuss-Vorsitzender Peter Erichsen (SSW) nahm die Paragraphen in Schutz und gab praktische Tipps: „Wenn Du 200, 300 Meter in Richtung Süden gehst und Dich volllaufen lässt, regt sich kein Mensch auf.“ Auch das Möwenfütterverbot lasse sich letztlich nicht kontrollieren: „Wenn Du raus fährst mit dem Boot, kannst Du Möwen füttern, so viel Du willst.“

Holger Weirup (SPD) pflichtete ihm bei: „Wenn ich am Südwäldchen draußen sitze und Gitarre spiele und singe, wird keiner von Ruhestörung sprechen.“ Wenn aber Gäste für viel Geld ein Apartment im Kurzentrum mieteten, könnten sie sich durch Schreie und Gegröle am Strand gestört fühlen. Weirups Fazit: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie’s gekocht wird.“

Die Strandsatzung sei genauso wenig praktikabel wie das Möwenfütterungsverbot, warf Roland Klockenhoff (Grüne) ein – „das ist alles Tüddelüt“. Wie ernst etwa das Feuerwerksverbot genommen wird, könne man ja zu Silvester sehen. „So eine Satzung hat mehr Spaßcharakter.“

„Wer überwacht die ganzen Einschränkungen?“, wollte Gemeindevertreter Mario Pennino (SWG) von der Verwaltung wissen. Hans-Uwe Claßen beschied ihm: „Wenn Zuwiderhandlungen am Strand oder an der Promenade stattfinden, sind die Mitarbeiter des Tourismusservices befugt, ein Hausverbot auszusprechen – insbesondere die Strandkorbwärter und die Rettungsschwimmer.“ Extra Kontrolleure für Recht und Ordnung am Strand schickt die Gemeinde Sylt aber nicht hinaus.

Allerdings – eine gemeindliche Satzung ist auf das Gemeindeterritorium begrenzt, informierte Hans-Uwe Claßen die Ausschussmitglieder weiter. „Das Gemeindegebiet endet an der Küstenlinie – das ist die mittlere Hochwasserzone. Seeseitig dieser Küstenlinie herrschen Bundesgesetze nach der Seeschifffahrtsstraßenordnung – da haben wir keinen Einfluss drauf. Wir haben nur Einfluss beim Anlanden und Zuwasserbringen von Wasserfahrzeugen im Strandbereich.“ Ergo: Ist der Jetski erst im Wasser, endet das Hausrecht des Tourismusservices.

„Wie viele Ordnungswidrigkeiten wurden denn im vergangenen Jahr geahndet?“, wollte ein Kommunalpolitiker von Umweltamtschefin Ruth Weirup wissen. Ihre knappe Antwort: „Keine.“

Mit neun Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung gab der Verkehrs- und Umweltausschuss schließlich grünes Licht für die neue Satzung.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Mär.2017 | 10:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen