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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 07:00 Uhr

Baurecht auf Sylt : „Fisch-Fiete“ ein Präzedenzfall?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Inhaber Thomas Sievers legt neue Baupläne vor. Ortsbeirat will sich nicht entscheiden. Bürgermeister Nikolas Häckel stellt Grundsatzfrage

Das hatte sich Thomas Sievers wohl anders vorgestellt. Voller Hoffnung erschien der Inhaber des seit Mitte November 2015 geschlossenen Restaurants „Fisch-Fiete“ kurz vor halb acht am Montagabend zur Ortsbeiratssitzung. Aber zwei Stunden später verließ er enttäuscht und deutlich geknickt den Keitumer Friesensaal. Der Grund: Es wurde zwar ausführlich über seine neuen Vorschläge zum Umbau des Gebäudeensembles beraten. Am Ende jedoch sahen sich die Bürgervertreter außerstande, einen Beschluss zu fassen, ob und wie es ermöglicht werden könnte, den Betrieb der traditionsreichen Fischgaststätte in der Dorfmitte fortzusetzen.

Sievers hatte zur Sitzung erneut einen Antrag auf Änderung des B-Plans für das Grundstück am Weidemannweg 3 vorgelegt. Trotz des Entgegenkommens der Politik, im Erdgeschoss keine 40 Prozent Wohnraum zu fordern, falls sich dort auch künftig zu 100 Prozent das Restaurant befindet, sei es ihm nicht möglich, so die erforderlichen Umbauten zu finanzieren und seinen Betrieb wirtschaftlich weiterzuführen. Nach wie vor müsse er einen Teil des Gebäudes als Ladengeschäft verpachten. Deshalb beantragt Sievers, seinen Gastronomiebetrieb auf eine Grundfläche von 180 Quadratmetern zu verkleinern, einen Laden mit einer Größe von 119 Quadratmetern sowie Wohnraum mit einer Fläche von 110 Quadratmetern zu schaffen – alles im Erdgeschoss. Das Dachgeschoss soll zu 30 Prozent gewerblich genutzt werden, 70 Prozent wären für Dauerwohnen geplant. Außerdem will Sievers einen Großteil der Flachdachanbauten abreißen und den reetgedeckten Gebäudeteil nach Norden wieder aufbauen. Im neuen Keller könnten Kühl- und Vorratsräume sowie WCs untergebracht werden. Die genehmigten Abstellräume an der Nord- und Ostseite sollen verschwinden, dort soll nur ein kleines Nebengebäude für die Müllentsorgung erbaut werden.

Die Vorlage habe durchaus „Charme“, sagte Nikolas Häckel auf der Ortsbeiratssitzung. „Aber das wäre auch ein Präzedenzfall für Keitum. Darauf könnten sich dann andere berufen“, warnte der Sylter Bürgermeister. Hauptsächlich darum, und nicht etwa um Details der neuen Vorschläge, ging es in der anschließenden Diskussion, bei der sich auch Sievers zu Wort meldete: Er könne nicht verstehen, warum jetzt ausgerechnet sein Restaurant zum Präzedenzfall erklärt würde. Es habe in der Vergangenheit zahlreiche Neu- oder Umbauten gegeben, bei denen die spezielle Regelung für 40 Prozent Wohnraum im Erdgeschoss nicht angewendet worden wäre – selbst in unmittelbarer Nachbarschaft zu „Fisch-Fiete“.

Die Vergangenheit sei das Eine, erklärte Nikolas Häckel, aber der vorgelegte Antrag berühre künftige Grundzüge der Bauplanung. „Das ist hier in Keitum sehr speziell.“ Es könnte damit eine weitere neue Regelung geschaffen werden, die vom bisherigen 40/60 für den Anteil von Wohnen und Gewerbe im Erdgeschoss und von der 100/100-Ausnahmeregelung für Restaurants abweiche. „Wollen Sie das? Oder soll ‚Fisch-Fiete‘ ein Einzelfall bleiben? Oder wollen Sie am Bestehenden festhalten?“, fragte der Verwaltungschef der Gemeinde Sylt in die Runde der Ortsbeiratsmitglieder. „Wir haben bisher kein Gefühl, in welche Richtung Keitum will. Deshalb sind Sie jetzt gefordert.“

Damit jedoch sehen sich die ehrenamtlich tätigen Bürgervertreter offensichtlich überfordert. „Mir fehlt der Überblick“, gestand Roland Klockenhoff von den Grünen. „Da sind jetzt Fachleute gefragt, zum Beispiel vom Bauausschuss.“ Letztendlich wurde der Vorschlag angenommen, dass die Verwaltung sowohl eine Bestandsaufnahme der Vergangenheit vorlegt, als auch alle potenziellen Bebauungspläne in Keitum auflistet, für die der Präzedenzfall gelten könnte. Darüber soll möglichst bald in einer Sondersitzung von Bauausschuss sowie Ortsbeirat beraten und erst dann ein Beschluss in Sachen „Fisch-Fiete“ getroffen werden. „Solange würde ich meinen Änderungsantrag ja noch zurückziehen“, erklärte Thomas Sievers. „Aber ich kann auch nicht mehr bis 2018 warten.“

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erstellt am 20.Jul.2016 | 05:30 Uhr

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