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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 22:57 Uhr

Kunsthandlung auf Sylt : Familienglück: 20 Jahre Galerie Herold auf der Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine kulturelle Institution, die sich der Insel verpflichtet fühlt und eine Familie, die mit Freude, Kenntnis und Leidenschaft für die Kunst lebt.

„Pfingsten 1996. Der Hamburger Galerist Rainer Herold und seine Frau Karin fahren nach Sylt, um Urlaub zu machen. Rainer Herold hat hier einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht, das ist lange her. Und die letzten gemeinsamen Ferien auf Sylt liegen auch schon wieder fast zehn Jahre zurück.“ So beginnt der Autor und Journalist Andreas Odenwald seine Story über die Anfänge der Galerie Herold auf Sylt. „Herolds sind in Morsum bei Freunden eingeladen. Man sitzt in der Sonne, geht am Meer spazieren, essen und trinken. Es gibt viel zu erzählen. Allerbeste Stimmung. (…) Da stellt die Gastgeberin unvermittelt eine Frage: ‚Warum machst du eigentlich auf Sylt keine Galerie auf?’ Und sie schiebt noch nach: ‚Eure Hamburger Kundschaft ist doch in der Saison sowieso hier. Das wäre doch ideal.’ Die Idee ist brillant – das spürt Rainer Herold sofort. Ihm ist schon länger ‚ein Dorn im Auge’, dass das Sommerloch, seine Eppendorfer Galerie betreffend, immer größer wird. Zwischen Mai und September machen die kunstinteressierten Kunden sich rar. Kaum Umsätze. Es muss wohl an der Urlaubszeit liegen. Und Urlaub, das heißt für viele Hamburger Familien eben: Sylt.“

Für Rainer Herold und seine Familie wurden diese Pfingsttage der Beginn einer erfolgreichen Unternehmensgeschichte. Doch die Galerie Herold versteht sich seit ihrer Gründung auf Sylt auch als kulturelle Einrichtung, die mehr will als nur gute Bilderverkäufe. Das beginnt schon bei dem Schwerpunkt der Galeristentätigkeit, der Ausschau nach Sylter Malern und Sylt-Motiven in der Malerei.

Die Geschichte der Insel, ihre touristische Entdeckung ist eng verknüpft mit Künstlern des 19. und 20.Jahrhunderts, die Sylt für sich und ihre Malerei entdeckten und immer wieder kamen, um hier zu arbeiten.

„Einige Maler wurden auf Sylt Stammgäste", schreibt der Kunsthistoriker Ulrich Schulte-Wülwer in einem Katalogbeitrag der Galerie Herold im Jahr 2012 für die Ausstellung „Sylt - Insel der Kunst“. Auf dem Deckblatt des Kataloges für die Schau ist ein Detail einer kleinen Öl-Studie des Sylter Malers Hugo Köcke (1874-1956) abgebildet. Für Kunstexperten wie Schulte-Wülwer war diese Ausstellung „ein seltener Glücksfall“, da Rainer Herold in dieser Präsentation „bislang unbekannte Meisterwerke“ von Köcke zeigen konnte. Katalog, Ausstellung und die damit verbundene Präsentation von bisher unbekannten Meisterwerken eines gerade auf Sylt bekannten Malers umreißen die besonderen Qualitäten der Galerie Herold.

Mit seinem über die Jahrzehnte verfeinertem und geschärftem Gespür und Blick für die Bewertung von Werken der bildenden Kunst, gelingt es Rainer Herold im steten Fluss der Angebote auf dem Kunstmarkt kontinuierlich Arbeiten zu entdecken und zu erwerben, die auf ihre Wahrnehmung durch Kunstsammler warten. In dieser Entdeckerarbeit sieht Herold seine vornehmste Aufgabe, entwickelt er auf der einen Seite seinen Spürsinn und auf der anderen seine Kontakte zu potentiellen Anbietern und Käufern.

Die frühe und entschiedene Konzentration auf norddeutsche Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts geschah bei Rainer Herold vor über 40 Jahren zu einem Zeitpunkt, als deren Kunst drohte bei Galeristen und Sammlern in Vergessenheit zu geraten, da sich deren Interesse stark auf Künstler der Gegenwart und solche des Informellen und Abstrakten richtete. Das sollte sich - aus heutiger Sicht - als ein Erfolgsmodell erweisen. Der Schritt von Hamburg nach Sylt wäre undenkbar gewesen, wenn sich nicht schon in der Hansestadt gezeigt hätte, dass sich mit dem Programm und der Ausrichtung der Galerie entgegen dem damaligen Zeitgeist Kunstfreunde und -käufer gewinnen ließen.

Auf Sylt gibt es seither wohl keine Kunsthandlung, die sich so sehr für die Kultur der Insel engagiert wie die Herolds: Bilder- und Geldspenden, Aktionen und Patenschaften für insulare Einrichtungen oder Projekte gehören ebenso zum Programm des Galeristen und seiner Frau Karin wie Ausstellungen und Verkäufe.

Der Sylter Heimatverein, der Söl'ring Foriining, durfte sich schon über ein Meisterwerk von Hugo Köcke (Predigt in den Dünen) und weitere Bildergeschenke freuen wie über eine beträchtliche Spende zum neuen Reetdach für das „Alt Friesische Haus“.

Mit Herold wurden die Künstler, die bei ihren insularen Streifzügen ihre Motive fanden und die, die sich hier in der Hoffnung auf Erfolg niederließen, ins kunsthistorische Bewusstsein der Insel zurückgebracht. Ausstellungen – wie die bereits erwähnte Schau der wieder entdeckten Meisterwerke von Hugo Köcke – sind dabei nur die äußeren Zeichen eines intensiv gepflegten Interesses Herold an der Kunst, die hier entstanden ist und noch entsteht. Denn so sehr der Blick des Galeristen auf die Malerei zunächst vor allem einer in die Vergangenheit war und ist, so klar hat Rainer Herold immer registriert, welche Künstler der Gegenwart sich malerisch mit der Insel, ihren Reizen, Brüchen und Phänomen auseinander gesetzt haben.

Ein engagierter Galerist ist die Brücke zwischen Käufer und Produzent. Selbst wenn das im besonderen Maße für zeitgenössische Künstler gilt, bleibt auch das Werk eines verstorbenen Malers oder Bildhauers nur lebendig, wenn seine Werke in Museen und Galerien präsent sind, der Kunsthandel sich dafür interessiert. Emil Nolde ist dabei ein anschauliches Beispiel. Dass es Rainer Herold regelmäßig gelingt, aus dem Oeuvre Noldes zahlreiche Arbeiten zu zeigen und anbieten zu können, unterstreicht die Bedeutung seiner Galerie und ihren herausragenden Ruf bei Sammlern und Kunstinteressierten. Nolde und seine Weggefährten aus der Zeit der „Brücke“ sind nur einige von vielen - mittlerweile wert geschätzten - norddeutschen Künstlern im Portfolio der Galerie Herold in Hamburg und auf Sylt.

Mit dem Einstieg der beiden kunsthistorisch geschulten Herold-Kinder Katharina und Patrick sowie dessen Verlobte Elizabeth Polkinghorne in das Galerie-Geschäft wurde Sylt um zwei weitere Galerien reicher, die auf der Insel frische Akzente für die Kunst der Gegenwart, aber auch im Bereich antiquarischer Objekte und erlesener Schmuckstücke setzten. Galerien, die mehr bieten als Wanddekorationen und ihre Aufgabe als eine kulturelle verstehen, die sich in der Tradition der Familie für die Kunst von und auf Sylt engagieren und helfen, sie zu bewahren und zu präsentieren. 

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erstellt am 30.Jul.2016 | 05:34 Uhr

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