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Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 12:51 Uhr

Ingbert Liebing : „Es ist ein Stück Erleichterung“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview spricht Ingbert Liebing über seinen Rücktritt als Spitzenkandidat der Schleswig-Holsteinischen CDU, seine Gefühle und politische Zukunft.

Es war für manchen ein Schock, für andere vielleicht überfällig: der überraschende Rücktritt von Ingbert Liebing als Landeschef und Ministerpräsidenten-Kandidat der Nord-CDU. Wie der Sylter Profi-Politiker den Sturz erlebt hat und wie es ihm damit geht, erzählt er erstmals im Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung.

Herr Liebing, als Außenstehender hat man Ihren Rücktritt mit Überraschung, aber auch mit einem gewissen Schaudern beobachtet, weil man sehen konnte, wie schnell man vom Spitzenkandidaten einer Partei zum Abschuss-Kandidaten wird. Wurden Sie abgeschossen oder sind Sie aus freien Stücken zurückgetreten?

Liebing: Der Rücktritt war freiwillig und aus eigenen Stücken, weil ich erkannt habe, dass ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten gekommen bin und damit meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werde. Denn ich habe hohe Ansprüche an mich selber und was die Wirkung meiner Politik anbelangt, die ich erzielen möchte. Aber es ist auch so, dass mit mehr Unterstützung in den eigenen Reihen sicherlich mehr möglich gewesen wäre.

Wurde hier das Motto, wer Parteifreunde hat, braucht keine Feinde mehr, bestätigt?

Das ist übertrieben. Ich habe viel Zustimmung an der Basis erfahren. Doch es ist mir nicht gelungen – und das ist meine Verantwortung, zu der ich stehe –, das Maß an Mannschaftsgeist zu entwickeln, das notwendig ist, um eine Partei erfolgreich aus der Opposition in die Regierung zu bringen. Dazu wäre insgesamt eine größere geschlossene Mannschaftsleistung nötig gewesen. Daran hat es auch gemangelt.

Da spricht der Politiker Ingbert Liebing, aber wie geht es dem Menschen Ingbert Liebing? Mit welchen Gefühlen erleben Sie diese Situation?

Mit der getroffenen Entscheidung geht es mir gut! Es ist sogar ein Stück Erleichterung, weil der Druck sehr groß gewesen ist. Da habe ich erkennen müssen, dass ich an meine Grenzen gestoßen bin. Der Schritt, zurückzutreten, war konsequent und richtig. Und doch bin ich sehr dankbar für all die Unterstützung, die ich
in der Vergangenheit erfahren habe.

Erfahren Sie die immer noch?

Ja, gerade jetzt erfahre ich viel Anerkennung und Respekt für meine Arbeit und für meinen Schritt. Ich bin dafür auf dem Landestag der Jungen Union in Husum sogar gefeiert worden – und das hat gutgetan.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass es nicht nur der politische, sondern auch der mediale Druck gewesen sei, der Sie zum Rücktritt gedrängt hat. Wie sehen Sie die Wirkung der Medien in Ihrem Fall?

Ich halte nichts von Medienschelte – Journalisten schreiben auch nur das, was ihnen geliefert wird. Und es geht auch immer darum, wie eine Partei mit einer kritischen Medienlage umgeht.

Für Ihre Frau und Ihre Töchter waren Sie auf dem Weg, Ministerpräsident des Landes zu werden. Man wird an Sie und Ihren Erfolg geglaubt haben. Wie ist Ihr Rücktritt in der Familie aufgenommen worden?

Mit der Entscheidung gibt es auch eine neue Lage, und die Lage ist, dass ich als Landtagskandidat im Kreis Nordfriesland-Nord antrete. Ich bin von den Mitgliedern in meinem Wahlkreis mit 100 Prozent Zustimmung gewählt worden. Das ist ein großartiger Vertrauensbeweis, und den werde ich auch nicht enttäuschen. Jetzt freue ich mich sehr auf die Arbeit hier in der Region, die ich dann im Landtag wahrnehmen kann.

Das war ja noch nicht die Antwort auf meine Frage, wie denn die Familie reagiert hat.

(lacht) Stimmt. Ich wurde dort sehr gut unterstützt. Meine Familie gibt mir einen wichtigen Rückhalt.

Was können Sie als einfacher Landtagsabgeordneter denn bewirken? Oder wollen Sie die Dinge nach den heftigen Stürmen der letzten Monate erstmal in Ruhe angehen?

Das Ziel ist, diese schwache Landesregierung abzulösen. Da gibt es viel zu tun, denn diese Landesregierung hat die Westküste sträflich vernachlässigt. Das Thema B 5 ist auf der Strecke geblieben, die Antworten und Konzepte, wie es mit der medizinischen Versorgung an der Westküste weitergehen soll, sind es auch. Ebenso die Breitband-Versorgung, die nur durch private Initiative, aber nicht durch das Land vorankommt, oder die Konversionsvorhaben in Leck. Aber auch auf Sylt Themen wie der Hörnumer Hafen oder die durchgängige Zweigleisigkeit auf der Strecke Niebüll-Sylt sind höchst unbefriedigend behandelt worden. Das sind alles Themen, für die ich mich mit meinen Kontakten in Berlin einsetzen werde, um Bewegung in die Dinge zu bringen.

Wenn man Sie so hört, wird schnell klar, dass Sie Politiker sind und bleiben werden. Wie erklären Sie sich diese Haltung, denn Sie hätten doch allen Grund, sich von dem fallenreichen Politik-Geschäft zu verabschieden?

Ich blicke nicht mit Groll auf die vergangenen zwei Jahre an der Spitze der CDU in Schleswig-Holstein zurück. Ganz im Gegenteil. Es war eine ehrenvolle Aufgabe. Für mich hat Politik immer eine dienende Funktion. Den Menschen zu dienen, dem Land zu dienen, damit es den Bürgern hier gut und besser geht. Das war mein Antrieb als Bürgermeister von Sylt-Ost genauso wie in den vergangenen elf Jahren im Deutschen Bundestag. Und dieses Engagement möchte ich als Landtagsabgeordneter fortsetzen.

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erstellt am 05.Nov.2016 | 08:30 Uhr

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