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Sylter Rundschau

28. September 2016 | 07:09 Uhr

1. Sylter Demenztage : Es geht nur gemeinsam

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nächste Woche finden die 1. Sylter Demenztage statt – mit einer Fotoausstellung, einem Theaterstück sowie vielen Infos für Betroffene.

„Ich erinnere mich genau“ – so heißt das Theaterstück rund um Hanna, ihre Mutter Martha und deren Demenzerkrankung. „Natürlich weckt die Geschichte Emotionen, aber keineswegs nur trauriger Art“, verrät Oliver Marco Pohl, Geschäftsführer der Lebenshilfe Sylt. Mit diesem Theaterstück von Brian Laus und einer Wanderfotoausstellung beginnen kommenden Dienstag, 27. September, die ersten Sylter Demenztage. Der Eintritt ist kostenfrei, eine Betreuung zwischen 17 und 21 Uhr möglich. „Die Bilder der Ausstellung sind einfach wunderbar. Denn sie zeigen die immer noch vorhandene Würde der erkrankten Menschen“, betont Ulrike Körbs. Sie ist hauptberuflich als Betreuerin bei der Lebenshilfe tätig und ehrenamtlich sehr engagiert, unter anderem im Hospizverein und als Demenzberaterin.

Am Mittwochmorgen startet dann die Tüddeltour. Ortwig Merckens, seit Juni dieses Jahres Einrichtungs- und Pflegedienstleiter der Johanniter auf Sylt, lädt zum gemeinsamen Frühstück ins Pflegeheim im Wenningstedter Weg. Dort hält Antje Holst vom Kompetenzzentrum Demenz auch einen Vortrag über die „Lebenswelt Demenz“. Der zweite Tüddelstopp ist unter dem Dach der Lebenshilfe Sylt. Es präsentieren sich neben der Lebenshilfe selbst der Pflegedienst Fitz, die Alzheimergesellschaft Nordfriesland und die Familiale Pflege der Asklepios Nordsee-Klinik Sylt. Angehörige Demenzerkrankter können sich informieren, wo sie Beratung und Entlastung finden können – angefangen bei „Tante Friedas Frühstücksclub“ bis hin zu sämtlichen Fragen des Betreuungsrechtes.

Am Nachmittag setzt sich die Tüddeltour im DRK-Seniorenzentrum fort. „Erinnerungsarbeit und Aktivierung“ sind hier die Hauptthemen. Das DRK Sylt und der Pflegestützpunkt NF zeigen auf, was trotz schwerer Erkrankung noch alles machbar ist. „Und es geht noch eine ganze Menge“, betont Ulrike Körbs. „Dazu gehören auch Spaß haben und gemeinsames Lachen.“ Ausklingen werden die Demenztage in der Westerländer Kirche St. Nicolai mit einer so genannten Vergissmeinnicht-Andacht, musikalisch untermalt durch den Demenzchor Sylt. „Stimmliche Unterstützung durch die Besucher ist ausdrücklich erwünscht“, betont Oliver Marco Pohl. Und Ulrike Körbs fügt hinzu: „Das werden sicher zwei wundervolle Tage!“

Doch wie kam es eigentlich dazu? Das Deutsche Institut für Sozialwissenschaft (DISW) veröffentlichte im September 2015 eine Studie: „Gutes Leben mit Demenz auf Sylt – wissenschaftliche Expertise zur Entwicklung eines Handlungskonzeptes“. Auf Sylt leben demnach rund 400 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. „Damit wurde das Thema endlich enttabuisiert“, so Ulrike Körbs. „Zum Glück, denn manche Familie ‚deckelt‘ das Thema verschämt, wenn einer ihrer Lieben betroffen ist. Als ob man etwas dafür könnte ...“ Nun aber war der Startschuss gefallen, der „Runde Tisch Demenz“ wurde ins Leben gerufen, um ein Handlungskonzept zu entwickeln und die Vernetzungsarbeit voran zu treiben. „Am Runden Tisch haben sich in Kürze alle gefunden, die mit diesem Thema zu tun haben“, berichten Ulrike Körbs und Oliver Marco Pohl erfreut. „Neben dem DRK Sylt und den Pflegediensten nahmen unter anderem auch der Pflegestützpunkt Nordfriesland und der Sylter Hospizverein teil, sowie Pastoren, Bürgermeister und Vertreter der Gemeinden.“ Das erste Ergebnis dieser Treffen ist die Demenzsprechstunde, die Ulrike Körbs seit Dezember 2015 ehrenamtlich anbietet. „Meine Erfahrungen in der Trauerarbeit kommen mir sehr zugute“, erklärt sie. „Viele betroffene Angehörige sind froh, in geschütztem Rahmen von ihrem übergroßen Kummer und ihrer Machtlosigkeit erzählen zu dürfen. Das zweite Ergebnis des Runden Tisches sind nun die Sylter Demenztage. Damit auch pflegende Angehörige unbesorgt teilnehmen können, wird am Mittwoch in der Zeit von 9 bis 16.30 Uhr eine Tagesbetreuung angeboten. Eine Anmeldung wird erbeten unter der Telefonnummer 04651-9950600 (Pflegeheim der Johanniter), gleiches gilt für das gemeinsame Frühstück um 9 Uhr.


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