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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 02:57 Uhr

Strecke Niebüll-Westerland : Erster RDC-Autozug auf Sylt - und viele Zweifel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am Dienstag beginnen die mehrwöchigen Probefahrten des neuen Zuges. Und es wird erneut Kritik laut.

Westerland | Seit am Freitagnachmittag der erste komplette Autozug von DB-Konkurrent RDC nach Sylt kam, stehen die auffälligen blauen Waggons auf den Gleisen unter der Tinnumer Brücke. Ab Dienstag, 9.40 Uhr Abfahrt in Westerland, sollen die mehrwöchigen Probefahrten des 601 Meter langen Zuges beginnen – zunächst als Leerfahrten, dann beladen mit einigen PKW oder kleinen Transportern. Während der genaue Betriebsstart und zum Beispiel auch die Ticketpreise weiter unbekannt sind, wird in den sozialen Netzwerken erneut Kritik laut an der technischen Ausstattung und an der Verladelogistik des neuen Anbieters.

Seit Dezember fahren mehr Autozüge der Deutschen Bahn auf der teils eingleisigen Strecke zwischen Niebüll und Westerland. Die Angst der Pendler und ihrer Arbeitgeber: Wenn Bahn-Konkurrent RDC auch noch seine Autozüge über den Damm rollen lässt, bricht das System vollends zusammen.

„Klappen hoch oder Klappen runter?“ – diese Frage scheint die Zweifler besonders zu bewegen. Gemeint sind die Verbindungen der insgesamt 26 Flachwagen untereinander: Während es beim Sylt Shuttle fest installierte Metallplatten zur Überfahrt zwischen den einzelnen Wagen gibt, müssen beim RDC-Autozug jeweils zwei Klappen heruntergelassen werden, damit die Fahrzeuge von Waggon zu Waggon fahren können. Diese Klappen müssten, wie zum Beispiel bei Autoreisezügen, vor der Abfahrt alle von Hand wieder hochgestellt werden, und das würde dauern, so die Kritiker. „Stimmt nicht“, sagt RDC-Sprecherin Meike Quentin. „Die Klappen zwischen den Wagen bleiben unten. Sie waren nur bei der ersten Zugüberführung jenseits der Sylt-Strecke hochgeklappt.“

Verwunderung lösen auch zwei Waggons des neuen Autozugs aus, die nicht strahlend-blau, sondern rost-braun daherkommen. „Wer soll denn damit fahren? Da sind ja gar keine Sicherheitsgitter installiert ...“, lauten die entrüsteten Fragen. Laut RDC-Angaben handelt es sich dabei um sogenannte Niederbordwagen, die nur für die Auf- und Abfahrten der Fahrzeuge am Bahnsteig, nicht aber für den Transport auf der Strecke selbst genutzt werden.

Das Be- und Entladen der RDC-Züge erfolgt in Niebüll und Westerland an den gleichen Terminals wie beim Sylt Shuttle – „aber eben nur unten, weil wir ja noch keine Doppelstockwagen haben“, so Meike Quentin. Die Zu- und Abfahrten von PKW sowie von höheren Fahrzeugen wie Transportern, die nicht unter die DB-Rampen passen, würden parallel verlaufen; deshalb würden immer zwei Niederbordwagen mitfahren. Zulässig seien auf den RDC-Flachwagen wegen neuer Bestimmungen für die Fluchtwege außerdem nur Fahrzeuge bis 2,20 Meter Breite: Der Bahnkonkurrent darf aus diesem Grund so gut wie gar keine LKW, Busse, Wohnmobile oder Anhänger-Gespanne mitnehmen, erläutert RDC-Sprecherin Quentin. Auch für Motorräder gibt es keine Transport-Möglichkeiten: In dem geschlossenen Begleitwagen am Zugende befinden sich lediglich ein Aggregat zur Stromerzeugung sowie der Aufenthaltsraum des Verladeschaffners.

Wenn es tatsächlich losgeht mit dem Regelbetrieb, will RDC zunächst acht Fahrten täglich anbieten: In Richtung Sylt ab Niebüll um 5.46 Uhr, 10.46 Uhr, 15.46 Uhr und 21.46 Uhr, zurück ab Westerland um 9.40 Uhr, 13.40 Uhr, 20.10 Uhr sowie kurz nach Mitternacht um 0.02 Uhr.

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erstellt am 10.Mai.2016 | 05:55 Uhr

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