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Sylter Rundschau

11. Dezember 2016 | 07:18 Uhr

Auszeichnung für Sylterin : Elke Wenning bekommt Bundesverdienstkreuz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Für ihr Engagement in der Aidshilfe Sylt wurde die Eventmanagerin gestern in Kiel mit dem besonderen Orden ausgezeichnet.

Den Brief aus der Staatskanzlei in Kiel wollte sie erst in den Müll werfen. „Ich dachte das sei Werbung für die Wahlen“, sagt Elke Wenning und lacht. Zum Glück entschied sich die Veranstaltungsleiterin des Kursaal³ in Wenningstedt anders: Sie öffnete das Kuvert mit dem Schreiben, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden soll. Gestern wurde der 61-Jährige von Innenminister Stefan Studt (SPD) in Kiel die sogenannte Verdienstmedaille des Verdienstordens für ihr Engagement in der Aidshilfe Sylt verliehen. Zusammen mit ihren beiden 33 und 36 Jahre alten Söhnen, ihrem Bruder sowie deren Partnerinnen nahm sie die Ehrung an der Förde entgegen. „Stellvertretend für die vielen Bürger, die ein Ehrenamt mit all ihrer Kraft, ihrem Mut, ihrer Zuversicht und ihrem hohen Engagement ausüben, nehme ich diese Ehrung mit Hochachtung an“, sagte sie im Rahmen der Feierlichkeiten.

Bevor sie diese Worte so klar aussprechen konnte, habe sie zunächst mit sich gehadert: „Überraschung, Herzklopfen, aber auch schnell Zweifel“ habe sie gehabt, sagt Wenning rückblickend. Sie habe sich gefragt, ob sie die Ehrung für eine Tätigkeit „die für mich als gesunden und unabhängigen Bürger selbstverständlich ist“ überhaupt annehmen dürfe. Diese Bedenken habe sie jedoch bald überwunden. „Ich darf die Ehrung annehmen, denn ich sehe mich als Stellvertreterin für all die ehrenamtlich Tätigen, die sich in unserer Gesellschaft engagieren.“

Seit rund 21 Jahren ist Wenning – die seit 1989 fest auf Sylt lebt – Herz und Seele der Aidshilfe Sylt: Als sie nach viereinhalb Jahren aus Afrika nach Deutschland zurückkehrte, hatte sie selbst Angst, sich mit dem Hi-Virus infiziert zu haben. Sie traute sich kaum, das Ergebnis ihres HIV-Tests abzuholen, sagt die gelernte Krankenschwester. An die Erleichterung, als er negativ war, kann sie sich noch heute gut erinnern. Als 1995 auf Sylt die Aidshilfe gegründet wurde, stieg sie sofort ein. Als Gründungsmitglied engagiert sie sich bis heute in der „Aids-Hilfe Sylt aktHIV für Nordfriesland“. Jedes Jahr organisiert die Veranstaltungsexpertin eine Spenden-Gala auf der Insel, regelt die Finanzen des Vereins und hat immer ein offenes Ohr für die, die sie brauchen. „Für Menschen, denen es schlecht geht, kann man sich immer Zeit nehmen“, sagt die gebürtige Oldenburgerin. Berührungsängste habe sie dabei keine.

In den Anfangsjahren sei der Schwerpunkt der Arbeit die Sterbebegleitung gewesen. Anfangs musste sie sich oft fragen lassen, warum sie nicht etwas anderes macht, denn „Aids gehörte damals in die Schmuddelecke“. Heute liege der Fokus ihrer Arbeit in der Prävention, sagt die Vorsitzende des Vereins. „Ich habe das Gefühl, dass man heute eher weniger über Aids weiß als früher.“ Viele vergessen, dass die Krankheit trotz höherer Lebenserwartung immer noch tödlich ist. „Sie leben heute besser mit HIV – aber sie sterben trotzdem – nur nicht mehr so spektakulär wie früher“, sagt Wenning. Aber die Zahl der Aids-Kranken in Deutschland sei wieder gestiegen, das ärgere sie und so kämpft sie weiter, will weiter für ihre Schützlinge da sein.

Leicht sei diese ehrenamtliche Aktivität nicht immer: „Das ist ein kräftezehrendes Amt“, gibt sie zu. Ob man das ausfüllen kann, sei sehr vom Typus anhängig. „Ich kann Schwächeren eine Stimme und ein Gesicht geben“, sagt sie, die selbst als Vollwaise in Pflegefamilien aufgewachsen ist.

Freunde oder Bekannte hatten die Sylterin in Kiel für die Medaille vorgeschlagen, vermutet sie. Die Reaktionen auf ihre Ehrung waren positiv: Innerhalb weniger Stunden gefiel rund 194 Facebook-Nutzern ein Post mit der freudigen Botschaft im sozialen Netzwerk. Menschen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland kommentierten die Nachricht: „Bei Deinem großen Einsatz über die endlos vielen Jahren hast Du diese Auszeichnung wahrlich verdient“, heißt es. Solche „wirklich ernst gemeinten“ Worte seien für sie eine großartige Wertschätzung, sagt die frischgekürte Preisträgerin, „weil sie auf gemeinsam Erlebtem basieren“.


Die nächste Sylter Aidsgala findet am 26. November im Kursaal³ statt.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 01:30 Uhr

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