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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 05:36 Uhr

Konzert : Eine musikalische Zeitreise

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die „Renaissance Compagney Sylt“ brachte die zahlreichen Zuschauer in der Kirche St. Jürgen in List zurück in die Renaissance.

Darf man eigentlich, wie etwa bei der Medizin, den Begriff „ganzheitlich“ auch auf die Musik anwenden? Anders gefragt: Gibt es eine ganzheitliche Musik? Das Konzert der 1994 gegründeten Gruppe „Renaissance Compagney Sylt“, das unter dem Titel „Musikalischer Lustgarten“ am Sonnabend in der Kirche St. Jürgen in List ausgewählte Musikstücke aus dem Zeitalter der Renaissance darbot, ließ den Gedanken gar nicht so abwegig erscheinen. Warum aber?

In dem äußerst gut besuchten Gotteshaus von Sylts nördlichster Gemeinde traten die Musiker allesamt in Kostümen auf, die sie (oder Familienangehörige) selbst geschneidert hatten. Nach originalgetreuen Vorbilder der Renaissancezeit. Vom Barett bis zum fein gefalteten oder pludrigen Rock, von der Weste bis hin zu den auf Schürzen und Kleidern schmuck aufgesetzten Borten – als wären die Künstler gerade eben den Bildern von Lucas Cranach oder Hans Holbein entstiegen. Mitten hinein in unsere Welt.

Nicht anders: die Instrumente. Ob Viola da Gamba oder Harfe (um nur zwei zu nennen), sie wurden getreu alten Vorbildern in langwieriger häuslicher Arbeit nachgebaut.

Pastorin Petra Hansen lenkte bei ihrer Begrüßung das Augenmerk auf das musikalische Programm mit seinen Beiträgen zu Lust und Liebe, Jahreszeiten und Natur oder dem höfischen Leben während der Renaissancezeit. Und wünschte der großen Besucherschar einen „liebevollen Abend“.

Der begann sogleich mit Werken Hans Leo Hasslers (1564 – 1612), der seinen musikalischen Schliff in Venedig erhalten hatte. Die „Intrada“ aus seiner Sammlung „Musikalischer Lustgarten“ bot sich mit eleganten Klängen dar. Schloss man beim Spiel die Augen, malte die Musik mit ihren mal tänzelnden, mal gemessen daher kommenden Tönen das Bild einer feiernden höfischen Gesellschaft in prächtigen Sälen. Dazu passend: sein Tanzstück „Galliard“ (französisch: Gaillarde); ein fröhlich-flottes Tanzstück im 3/4-Takt.

Nicht anders die Musik des stark italienisch beeinflussten Thomas Morley. Von der englischen Königin Elisabeth I. verpflichtet, erzählt sein „The fields abroad“ von Wiesen und Feldern und der erwachenden Natur.

So wechselten Frühlings- und Liebeslieder, höfische Tanzmelodien und auch christliches Liedgut einander ab und ließen die Besucher kaum merken, dass nach guten 70 Minuten das ausnehmend kurzweilige Programm nach Zugaben und herzlichem Beifall seinen Abschluss fand.

Erläuterungen zu einzelnen Programmpunkten und zu den Instrumenten sowie der Wechsel von instrumentalen und gesanglichen Darbietungen trugen ebenso dazu bei. Neben dem spielerischen Können sollen hier die gesanglichen Leistungen (teilweise bestechend klar und ungemein wohltönend, oftmals geradezu lyrisch) ausdrückliche Erwähnung finden. Kleidung und Instrumentarium, Gesang und Spiel – sie bildeten eine harmonische Einheit, erfreuten die Sinne und gerieten so in der Tat zu einem „liebevollen Abend“.

Diese „wunderschöne stille Musik“, so Keitums ehemaliger Kirchenmusiker Matthias Eisenberg bot mit ihrer „gewissen Schlichtheit“ (so Musikschulleiter Norbert Scheewe), aber auch ihrem festen Gefüge einen beinahe meditativen Rahmen. Er (ent-)führte aus Alltagshektik zur Entschleunigung und ließ dadurch so vieles einfach vergessen!

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