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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 21:32 Uhr

St. Severin auf Sylt : Eine halbe Million aus Berlin für St. Severin

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Bundesregierung stellt fast eine halbe Million Euro für dringend notwendige Instandsetzung von St. Severin zur Verfügung.

Eine gute Nachricht aus Berlin gibt es für die Keitumer Kirchengemeinde: Zur Sanierung der Kirche St. Severin werden hohe finanzielle Mittel aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung gestellt – das hat gestern der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zum Abschluss seiner Haushaltsberatungen für 2017 beschlossen. 465  000 Euro sind im Rahmen eines Denkmalschutzsonderprogramms der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) vorgesehen, wie der Sylter CDU-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing nach der Ausschuss-Sitzung mitteilte. Damit ist der Bund bereit, fast die Hälfte der Kosten für die Kirchensanierung zu finanzieren, die voraussichtlich ungefähr eine Million Euro betragen.

Dabei geht es einerseits um die dringend notwendige Sanierung des Dachstuhls von St. Severin – er stammt aus dem Jahr 1216 und ist damit die älteste Konstruktion seiner Art in allen Kirchen Norddeutschlands. Insbesondere müssen die umfangreichen Schäden beseitigt werden, die der Gescheckte Nagekäfer angerichtet hat. Diesem äußerst aggressiven Holzparasiten ist es aufgrund hoher Luftfeuchtigkeit und mangelnder Luftzirkulation durch fehlerhaftes Aufbringen von Dämmmaterialien gelungen, sich in den jahrhundertealten Balken des Dachstuhls einzunisten. Dabei ist der Käfer so tief eingedrungen, dass alle tragenden Mauerschwellen komplett erneuert werden müssen. Außerdem muss für eine dauernde Durchlüftung des Dachbodens gesorgt werden. „Wenn wir nicht schnell handeln“, erläutert die Keitumer Pastorin Susanne Zingel, „wäre die Statik der Kirchendecke stark gefährdet und im schlimmsten Fall könnte das gesamte Dach zusammenbrechen.“ Allein zur Finanzierung dieser Notmaßnahme seien 300 000 Euro erforderlich.

Zum Anderen muss ebenso dringend die groß angelegte Innensanierung von St. Severin in Angriff angenommen werden. Dafür sind gemäß eines Gutachtens des Architekten Dietrich Fröhler Investitionen von 700  000 Euro erforderlich. Die notwendigen Arbeiten sind umfangreich und betreffen nahezu sämtliche Bereiche der Keitumer Seefahrerkirche: Die Wände sind durchfeuchtet – sie müssen nicht nur gestrichen werden, auch der bröckelnde Putz muss erneuert oder verfestigt werden. Historische Wandmalereien müssen restauriert, die Deckenmalereien des Sylter Künstlers Franz Korwan fachgerecht gesäubert werden. Elektroinstallationen mit Beleuchtungs- und Tontechnik müssen erneuert werden, die kostbaren Kronleuchter instandgesetzt sowie undichte Fenster und feuchte Rahmen ausgetauscht werden. Viel Arbeit wartet auch in der Sakristei: Wegen fehlerhafter Isolation konnte sich im Dachboden Staunässe bilden, auch die Zwischendecke und Holzeinbauten müssen entfernt werden..

"Dadurch“, sagt Susanne Zingel, „würden die Schäden, die der Aufprall der Moderne auf alte Bausubstanz verursacht hat, beseitigt.“ Eines der ältesten romanischen Tore in Nordfriesland aus Granitquader, Backsteinen und Tuff, vor 800 Jahren über das Meer auf die Insel gebracht, würde so wieder freigelegt. Schließlich soll auch die Orgel grundlegend gereinigt und der Zugang durch die Turmtür barrierefrei gestaltet werden.

Um alle Sanierungsmaßnahmen finanzieren zu können, haben Kirchengemeinderat und Förderkreis im Juli 2016 die Kampagne „Rettet St. Severin“ gestartet und bisher knapp 200000 Euro Kollekten und Spenden von Privatpersonen gesammelt. Susanne Zingel hatte aber auch den Sylter CDU-Politiker Liebing auf das Thema aufmerksam gemacht und ihn als Unterstützer gewonnen. „Wir freuen uns sehr über den Geldsegen aus Berlin. Das hatten wir kaum zu hoffen gewagt“, so die Pastorin. „Wir sind glücklich, dass wir nicht nur den Gescheckten Nagekäfer aus unserer Kirche vertreiben werden, sondern voraussichtlich schon Ende Oktober 2017 mit der weiteren Kircheninnensanierung, für die die Kirche geschlossen sein wird, beginnen können.“

Bis dahin wird alles Notwendige für die Instandsetzungsarbeiten in die Wege geleitet: Erst müssen jedoch sämtliche Gewerke ausgeschrieben sowie viele, oft spezielle Materialien bestellt werden. Bis Ostern 2018 soll alles fertig sein.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 19:23 Uhr

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