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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 15:45 Uhr

Sylter Bäume : „Ein Baum weg, einer wieder hin“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Heute tritt die neue Westerländer Baumschutzsatzung in Kraft. Das Umweltamt informiert, was künftig verboten, aber auch, was erlaubt ist.

Vieles auf Sylt liegt den Insulanern besonders am Herzen, vieles soll bewahrt, gepflegt und geschützt werden. Dazu gehören nicht nur Dünenlandschaften, Heideflächen und historische Friesenhäuser – dazu zählt auch der vielfältige Baumbestand auf der Insel. Werden Bäume gerodet, samt ihrer Wurzeln ausgegraben oder bis zur Unkenntlichkeit zurückgeschnitten, wird umgehend heftiger Protest laut, schnell auch zum Telefon gegriffen und die Nummer des Ordnungsamtes gewählt. Aber was bewegt sich noch im Rahmen des Erlaubten? Was hingegen ist verboten und kann sogar mit einer Geldbuße bis zu 50  000 Euro bestraft werden?

Ausführliche Antworten auf alle diese Fragen erhalten Betroffene und Interessierte in einer neuen Baumschutzsatzung der Gemeinde Sylt, die am heutigen Mittwoch für den Ortsteil Westerland in Kraft tritt. Damit sind die Baumschutzbestimmungen im Gemeindegebiet komplett überarbeitet und präsentieren sich in einheitlicher und zeitgemäßer Form, teilt das Umweltamt mit. In Westerland gilt, dass alle Bäume ab einem Stammumfang von 60 Zentimetern – das entspricht einem Durchmesser von exakt 19,1 Zentimetern, gemessen in ein Meter Höhe über dem Erdboden – geschützt sind. Die Maße wurden dabei von 47 Zentimetern Umfang beziehungsweise 15 Zentimetern Durchmesser gegenüber der alten Vorschrift aus Zeiten vor der Fusion mit Sylt-Ost vergrößert. Westerland und Keitum wären die einzigen Ortsteile der Gemeinde Sylt, in denen es überhaupt eine Baumschutzsatzung gäbe, erläutert der Naturschutzbeauftragte Norbert Grimm. Grundsätzlich würden die Ortsbeiräte darüber entscheiden, Tinnum zum Beispiel habe nach dem Wegfall der Kreisverordnung auf eine eigenen Satzung verzichtet. Die Bestimmungen für Westerland und Keitum seien fast gleichlautend, so Grimm – der einzige Unterschied: Im „grünen Herz der Insel“ sind alle Bäume in den hinteren Gärten, zumeist Obstgewächse, nicht extra geschützt.

Ansonsten jedoch weist der Naturschutzbeauftragte darauf hin, dass vor der Fällung geschützter Bäume grundsätzlich eine Genehmigung der Gemeinde Sylt einzuholen ist. Dieses gilt ebenso für Teilrodungen, Kappungen, massive Rückschnitte oder sonstige Eingriffe an geschützten Bäumen. Die Bescheide zu Baumfällanträgen sind gebührenpflichtig und enthalten immer auch eine Pflicht zur Ersatzpflanzung. „Ein Baum weg, einer wieder hin – so lautet die allgemeine Regel“, sagt Grimm. Neben den Angleichungen für die beiden Ortsteile enthielten die Satzungen jetzt deutlich mehr Erläuterungen als früher und wären auch verständlicher formuliert. So ist es verboten, geschützte Bäume zu zerstören oder ihre Gestalt wesentlich zu verändern. Eine Veränderung liegt zum Beispiel vor, wenn Eingriffe vorgenommen werden, die das charakteristische Aussehen verändern, verunstalten oder das weitere Wachstum nachhaltig behindern. „Leider sind ja auf der Insel nicht nur geschulte Gärtner tätig“, beklagt Norbert Grimm. „Das stellt sich dann die Frage: Was ist ein Pflegeschnitt? Mal schnell von zwölf auf zwei Meter runter wohl kaum ...“ Auch vor Bauarbeiten müssen Bäume geschützt werden: Wurzelbereiche dürfen nicht mit Asphalt, Beton oder einer geschlossenen Pflasterdecke versiegelt oder so befestigt werden, dass damit die Wasserversorgung des Baumes verhindert wird.

In der neuen Baumschutzsatzung steht aber auch, was erlaubt ist. Ausnahmen für die Beseitigung eines geschützten Baumes können – allerdings nur auf Antrag – zugelassen werden, wenn es sich beispielsweise um Pappeln, Weiden und Nadelbäume handelt und sie durch heimische Laubbäume wie Buchen, Eschen oder Kastanien ersetzt werden. „Weichhölzer sind echte Problembäume, die werden schnell rott und innen hohl“, so Grimm, „und können eine Gefahr für Häuser oder Autos auf den Parkplätzen sein.“ Nadelfall von Kiefern oder Tannen führe häufig auch zu verstopften Abflussrohren oder Dachrinnen.

Auf der Webseite www.gemeinde-sylt. de hat das Umweltamt weitere ausführliche Informationen zum Baumschutz, Formulare für Baumfällanträge sowie die beiden Satzungen zum Schutz des Baumbestandes bereitgestellt.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 04:46 Uhr

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