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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 17:42 Uhr

Serie zum Sylter Hospizverein : „Dieses Haus lehrt einen Gelassenheit“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im zweiten Teil unserer Serie über den Sylter Hospizverein geht es um das stationäre Wilhelminen-Hospiz in Niebüll.

Am 30. April begeht der Sylter Hospizverein sein 20-jähriges Bestehen mit einem großen Festakt im Westerländer Alten Kursaal. In einer Serie der Sylter Rundschau geht es um die Menschen, die sich auf Sylt und in Nordfriesland täglich ehren- oder hauptamtlich für die Rechte und die Würde der Sterbenden einsetzen und sie und ihre Angehörigen am Ende des Lebens nicht alleine lassen. Heute, im zweiten Teil der Serie, besuchen wir das Wilhelminen-Hospiz in Niebüll, das einzige stationäre Hospiz für den Kreis Nordfriesland.

Der rote Klinkerbau des Wilhelminen-Hospiz liegt im Herzen von Niebüll. Die Räume sind lichtdurchflutet, der Umgangston unter den Mitarbeitern ist fröhlich. „Wir hören hier unheimlich oft von Besuchern, dass sie überrascht sind, wie hell und freundlich es bei uns ist“, sagt Christel Tychsen, eine der beiden Leiterinnen der Einrichtung und diejenige, die die Idee für das einzige stationäre Hospiz in Nordfriesland hatte. „Die meisten Menschen rechnen anscheinend mit etwas ganz anderem, wenn sie an ein Hospiz denken.“ In dieser Einrichtung werde aber, vielleicht auch entgegen der Meinung vieler, sehr viel gelacht. „Wir haben insgesamt sieben Einzelzimmer für unsere Gäste und deren Angehörige“, sagt Tychsen, „vielleicht herrscht auch deshalb bei uns ein sehr familiärer Umgangston.“

Im Wilhelminen-Hospiz gibt einen Gemeinschaftsraum, einen Multifunktionsraum, in dem schon Filmabende stattfanden, den „Raum der Stille“, einen Reiki-Raum, Dachterrasse und Wintergarten. Etwa 20 examinierte Pflegekräfte arbeiten dort und kümmern sich um die Gäste. Dazu kommen ehrenamtliche Helfer, wie auch die Mitglieder des Sylter Hospizvereins.

Die 70-jährige Christel Tychsen kommt mit einem Rollator zum vereinbarten Termin, das Gehen fällt ihr schwer. Trotzdem sei sie einfach froh, dass sie sich jeden Morgen ins Auto setzen könne, um von Ladelund in das Hospiz nach Niebüll zu fahren. „Noch fünf Jahre möchte ich das hier machen“, sagt sie, „ich hänge einfach sehr an diesem Haus.“ Und eine besonders wichtige Aufgabe stehe ihr noch bevor: „Ich muss das Hospiz in gute Hände übergeben, das ist mir sehr wichtig.“

Von ihrer Idee bis zur Eröffnung des Hospizes sei viel Zeit vergangen „Es hat immerhin sechs Jahre gedauert, bis wir dieses Haus bekommen haben“, erzählt Tychsen, „aber jetzt sind wir mit dem Standort sehr glücklich. Niebüll hat eine wunderbare Verkehrsanbindung, man erreicht uns gut von den Inseln, aus Flensburg fährt ein Schnellbus.“ Aber auch, dass das Hospiz im Stadtzentrum liegt, sei toll, so die gelernte Bankkauffrau. „Das Hospiz ist mitten in der Stadt und damit auch mitten im Leben“, sagt sie, „das merkt man alleine daran, wie gerne unsere Gäste auf der Terrasse sitzen, an der die Passanten vorbeigehen“. Es gebe auch eine Terrasse, die etwas versteckt liegt, aber die Gäste ließen sich sogar im Bett nach vorne schieben. Tychsen spricht ganz bewusst von „Gästen“, wenn sie über die Menschen spricht, die in dem Hospiz untergebracht sind: „Bei uns sind sie Gast, Patienten sind sie im Krankenhaus.“

Zielgruppe des Wilhelminen-Hospizes sind unheilbar kranke und sterbende
Menschen in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium mit starken Schmerzen, psychischen Beschwerden und anderen, die Lebensqualität beeinträchtigenden Symptomen. Dennoch ist es Tychsen wichtig, dass das Hospiz ein „Haus des Lebens“ ist. „Es ist uns ganz wichtig, dass die Menschen hier bis zur letzten Minute leben können und wirklich wahrgenommen werden“, sagt sie. Es gehe in so einer Einrichtung anders zu als in Pflegeheimen oder Krankenhäusern, sagt Tychsen, „es wird alles nach Wunsch gemacht. Und wenn der Gast sagt, er möchte seine Ruhe, dann lassen wir ihn eben in Ruhe.“

Tychsen hat ihre ganz eigene Art, mit dem Tod umzugehen. „Ich glaube schon von Kindesbeinen daran, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Beginn von etwas Neuem. Was auch immer das ist, ist mir auch herzlich egal. Aber das lässt mich den vielen Tod hier gut ertragen.“ Auch ihre Art mit dem Leben umzugehen, habe sich geändert, seitdem sie Sterbebegleiterin ist. „Das Haus lehrt einen Gelassenheit und die Dinge, die einem so passieren, nicht ganz so ernst zu nehmen und zufrieden zu sein.“ Im Hospiz hätten die Menschen nicht die Chance, wieder nach Hause zu gehen. „Die müssen sich hier darauf vorbereiten, ihr Leben zu beenden“, so Tychsen. „Auch ich habe Schmerzen und die Situation mit dem Rollator ist nervig, aber ich kann wenigstens noch jeden Morgen aufstehen und losfahren.“

Auch viele Sylter seien bereits Gäste in ihrem Haus gewesen. „Man hat mir früher oft gesagt, kein Sylter würde zum Sterben aufs Festland gehen wollen“, erzählt sie, „aber das ist totaler Quatsch. Wenn die Menschen in Not sind, kommen sie. Dann wissen sie, da gibt es einen Ort, an dem sie gut versorgt werden.“ Das sei auch wichtig für die Angehörigen, die sich auf die Mitarbeiter in dem Hospiz verlassen könnten.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 05:56 Uhr

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