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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 17:39 Uhr

Gemeinde Sylt : Die Woche der Entscheidung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Sonntag hat der Wähler das Wort: Was wird aus den Hallen 25 und 28 auf dem ehemaligen Marinefliegerhorst?

Eine Woche noch – dann dürfte der Streit um die Hallen 25 und 28 auf dem ehemaligen Fliegerhorst der Bundesmarine der Vergangenheit angehören. Zumindest dann, wenn die Einwohner der Gemeinde Sylt ein eindeutiges Votum abgeben – für oder gegen den Erhalt der 80 Jahre alten Gebäude. Am kommenden Sonntag haben die neun Wahllokale von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wenn alles glatt geht, sollte eine Stunde später ein Ergebnis vorliegen.

Beim Bürgerentscheid geht es darum, den von der Gemeindevertretung am 10. September 2009 beschlossenen Abriss aller Gebäude auf dem Fliegerhorst zu stoppen. Die Halle 25 steht seit einiger Zeit leer, doch die danebenliegende Halle 28 wird seit Jahren vom Roten Kreuz und der Feuerwehr genutzt, auch als Evakuierungs- und Sammelstelle bei Bränden. Am 19. März 2015 hat die Mehrheit der Gemeindevertretung nochmal ihre Entscheidung für den Abriss bestätigt. Die Mehrheit aus SPD, SSW, SWG und Grünen fürchtet insbesondere hohe Kosten für eine Renovierung. Bei einer Weiternutzung müsse die Gemeinde eine Nachzahlung an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) leisten, weil eine Weiternutzung nach dem Bundeswehr-Abzug nicht vorgesehen gewesen sei. Darüberhinaus solle die Natur geschützt und eine Besiedelung außerhalb der Inselgemeinden vermieden werden.

Argumente, die die Initiatoren des Bürgerentscheides nicht gelten lassen wollen. Sie fordern den Erhalt der Halle 28 als zentrale Evakuierungsstätte bei Rettungseinsätzen und als Lagerplatz der ehrenamtlichen Organisationen wie Feuerwehr und DRK. Eine Sanierung der Halle 28 sei deutlich billiger als der Neubau einer kleinen Halle für den dezentralen Katastrophenschutz, den die Gemeinde ins Spiel gebracht hat. Positionen, die auch von der CDU, dem DRK, den Feuerwehren der Insel und den vier amtsangehörigen Gemeinden unterstützt werden.

Für das Bürgerbegehren haben Gemeindevertreter Lars Schmidt, Ehrenwehrführer Wolfgang Holst und Thomas Raffelhüschen von den Sylter Unternehmern im ersten Schritt Unterschriften von weit mehr als den nötigen neun Prozent der Einwohner (Stand 3. Juni 2016: 12  883) gesammelt. Am 21. April hat die Gemeindevertretung jedoch entschieden, dass sie dem Bürgerbegehren nicht folgt. Nach der Gemeindeordnung muss nun innerhalb von drei Monaten ein Bürgerentscheid stattfinden – der wurde für den 12. Juni anberaumt.

Damit der Bürgerwille aber die Entscheidung des Kommunalparlaments außer Kraft setzen kann, müssen zwei Bedingungen erfüllt werden: Die Zahl der Ja-Stimmen muss mindestens 18 Prozent der Zahl der Stimmberechtigten betragen (das wären 2318 Ja-Stimmen), aber auch mindestens 50 Prozent der abgegebenen Stimmen.

„Das wird eine enge Kiste“, glaubt Bürgerentscheid-Initiator Lars Schmidt. Sein Appell: „Wenn man schon die Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung hat, sollte man die Möglichkeit auch nutzen.“ Die Befürworter des Hallen-Fortbestands werden in dieser Woche noch 80 Wahlplakate in der Gemeinde aufstellen und am Sonnabend mit einem Stand auf dem Wochenmarkt für ihren Standpunkt werben.

Die Stimmlokale öffnen am Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Die Adressen: 1. Regionalschule, Boy-Truels-Str. 19, Westerland. 2. Lebenshilfe Sylt, Bastianstraße 22a, Westerland. 3. Rathaus Westerland. 4. Tennisclub Westerland, Am Seedeich 38. 5. Boy-Lornsen-Schule, Tinnum. 6. Gemeindehaus Tinnum, Dirksstraße. 7. Friesensaal Keitum, Am Tipkenhoog. 8. Muasem Hüs, Bi Miiren, Morsum. 9. ISTS Rantum, Strandweg 7. Wahlberechtigt ist jeder Bürger, der hier seit mindestens sechs Wochen eine Wohnung hat.

Allerdings werden die Bagger nicht gleich anrollen, wenn sich am Sonntag keine Mehrheit für einen Erhalt findet: Dann muss erst noch die Aufhebung des Denkmalschutzes für beide Gebäude beantragt werden. Das lehnt der Kreis bisher ab, die Gemeinde hat dagegen Klage erhoben.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 04:39 Uhr

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