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Serie zum Küstenschutz : Die Dünen von Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie in Kooperation mit der Stiftung Küstenschutz Sylt geht es heute um den Bewuchs der Dünen mit Strandhafer, um Windrisse und um Besucherlenkung.

Der Sand, aus dem die Dünen beschaffen sind, ist nur zu erkennen, wenn die Düne beschädigt oder im Abbruch befindlich ist. Das ist eine komische Feststellung: Dünen bestehen aus Sand. Bei der Vorstellung einer Dünenlandschaft denkt man meistens an eine weitläufige Sandformation, an eine Wüstenlandschaft. Nicht so auf Sylt. Man weiß zwar, dass die Erhebungen an der Westküste der Insel aus Sand bestehen, man schätzt es jedoch, dass sie bewachsen sind, mit Strandhafer, Krähenbeere, Heide und vielen anderen Pflanzen.


Dünen bilden natürlichen Deich-Ersatz


Die Dünen an der Westküste werden nicht nur als schöne Naturlandschaft gesehen, sondern sie bilden auch einen Deich-Ersatz. Wenn es die Dünen nicht gäbe, dann müsste man einen Deich errichten. Auf einen natürlichen Strand müsste man dann wohl verzichten. Auf der Insel Sylt ist man froh, dass es die Dünen gibt. Sie bilden den Rahmen einer schönen Strandlandschaft. Mit Sandaufspülungen schafft man es den jährlichen Sandverlust auszugleichen.


Sanddünen werden vom Wind geformt


Ohne einen Bewuchs im Dünengebiet würde der Dünensand vom Wind weggeblasen. Die Dünen würden wandern. Auf der Insel Sylt sind die Dünen vor etwa 500 Jahren entstanden. Der Sand wurde von trocken liegenden Sandbänken auf die Insel geblasen. Zu der Zeit war die Insel noch viel breiter als heute. Damals hat man sich kaum darüber Gedanken gemacht, wenn bei einem Sturmereignis Dünen ins Meer gespült wurden. Heute ist Sylt deutlich schmaler geworden. Man muss sich schon bemühen, damit die Dünensubstanz erhalten bleibt.

Die Bepflanzung der Dünen mit Strandhafer, die von den Menschen auf der Insel vor 300 Jahren eher aus landwirtschaftlichen Gründen betrieben wurde, hat dazu beigetragen, dass der Dünensand nicht mehr so einfach weggeblasen werden konnte. Man hatte die Dünen „festgelegt“.

In den beruhigten Sandflächen konnten auch andere Pflanzen wachsen. Mit den Jahrzehnten konnte man in weiten Teilen der Westküste der Insel keine Sanddünen mehr erkennen.

Bis auf die große Wanderdüne im Listland waren die Sanderhebungen zu einer grünen Landschaft geworden. Nur an der, dem Meer zugewandten Seite – an der Abbruchkante – gab es immer wieder steile Sandhänge. Wenn das bei Sturm aufgewühlte Meer an der Dünenkante nagte und den Sand wegspülte, rutschte der Sand auf den flachen Strand und wurde mit den Wellen ins Meer geholt. Bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts gehörten die Abbruchkanten an den „Seedünen“ zum Alltagsbild des Strandes. Erst als ab dem Jahr 1992 mit jährlichen Sandaufspülungen begonnen wurde, konnte man erleben, dass die Dünen auch an der Westküste grün wurden. Das gefiel nicht jedem. Einige Menschen hatten auch Sorge, dass das „Rote Kliff“ grün werden könnte.

Bei dem Bemühen, die Dünen an der Westküste zu schützen, fiel auch auf, dass es in der Dünenlandschaft der Insel ein weitläufiges Wanderwegenetz gab. Diese Wege waren durch ein stetiges Belaufen von Trampelpfaden entstanden. Die meisten Pfade führten hinüber zum Weststrand. Die Badegäste nutzen gerne den kürzesten Weg zum Strand. Der starke Westwind hatte eine leichtes Spiel den von Bewuchs befreiten Sand auszublasen. An vielen Überwegungen zum Strand entstanden „Windrisse“, die immer tiefer wurden. Nur mit einer intensiven Wiederbepflanzung an diesen Stellen, konnte das „Ausblasen“ gebremst werden. Der Landschaftszweckverband der Insel Sylt erhielt im Jahr 1995 den Auftrag, das über 400 km lange Netz der Trampelpfade durch ein gut durchdachtes, ausgebautes Netz von offiziellen Strandwegen zu ersetzen.


„Besucherlenkung“ durch Wegenetz


Es entstand eine „Besucherlenkung“ durch die Dünen. Das Wegenetz umfasste danach nur noch zirka 100 km. Die Tafeln mit Wegekarten und vielen Informationen werden von den Gästen und Einwohnern als eine gute Hilfe angenommen, um ohne Trampelpfadnutzung an den Strand zu gelangen. Später wurde auch an der Ostküste der Insel eine Besucherlenkung eingeführt.

Der Strandhafer ist auch heute ein wichtiges, natürliches Mittel um das Ausblasen der Sanddünen zu verhindern. Mit den Erfahrungen der Mitarbeiter im Bereich des Küstenschutzes gelingt es immer wieder, die ausgeblasenen Stellen in den Dünen mit Strandhafer zu bepflanzen. Die langen Wurzeln der Pflanze suchen im Sand nach Wasser. Sie müssen bis zu fünf Meter lang wachsen, um das versickerte Regenwasser aufsaugen zu können. Die langen Wurzelstränge stabilisieren die Pflanze nachhaltig, sodass sie im Sand bestehen kann. Dadurch bekommt die Pflanze im Sand halt und trägt dazu bei, dass sich auch andere Pflanzen in den Sanddünen ansiedeln können. Alle sandigen Küsten an der Nordsee bilden heute einen grünen Streifen zwischen Meer und Land.Doch immer wieder entstehen Abbruchkanten und unbepflanzte Dünenabschnitte. Es ist dann stets neu zu entscheiden, ob eine Festlegung des Abschnittes sinnvoll ist.

Mit dem Strandhafer steht den Mitarbeitern des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz ein nachwachsender Rohstoff zur Verfügung, mit dem die Dünen effektvoll stabilisiert werden können. Die Dünen auf Sylt sind grün geworden, bewachsen mit vielen Pflanzen, für den Erhalt der Insel ist das sehr wertvoll.


Helge Jansen initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende dieser Stiftung.

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