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Sylter Rundschau

01. Juli 2016 | 15:34 Uhr

Populationsrückgang : Deutlich weniger Schweinswale vor Sylt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Schweinswal-Population im Schutzgebiet Sylter Außenriff geht dramatisch zurück. Spielt der Bau des Windparks Butendiek dabei eine Rolle?

Sylt | Der Windpark Butendiek nimmt 32 Kilometer westlich von Sylt im Schutzgebiet Sylter Außenriff Form an – doch die Frage, ob durch das laute Rammen der Park-Fundamente die dortige Schweinswal-Population gestört wird, bewegt auf der Insel weiterhin die Gemüter der Naturschützer. Nachdem Windpark-Betreiber wpd gegenüber unserer Zeitung gesagt hatte, eigene Überwachungen würden nicht darauf hindeuten, dass es in der Nähe von Butendiek weniger Exemplare dieser Meeressäuger gibt, lassen neue Daten des Bundesamtes für Naturschutz an diesen Angaben Zweifel aufkommen.

Das Bundesamt lässt die gesamte Nordseeküste jedes Jahr in einem engen Raster mit einem Flugzeug abfliegen – Mitarbeiter der Uni Kiel zählen während des Fluges die Schweinswale. Diese Daten werden statistisch ausgewertet, die Zahl der aufgefundenen Schweinswale in Karten festgehalten. Vergleicht man die Karte des Sylter Außenriffs von der Überfliegung Anfang Juni diesen Jahres mit der von 2013, fällt auf, dass sich dieses Jahr weniger Schweinswale im Schutzgebiet aufhielten. Besonders auffällig ist dieser Rückgang bei Tieren, die gemeinsam mit einem Jungen unterwegs waren: Im Juni 2013 zählte man im Sylter Außenriff und dem angrenzenden Sylter Schweinswalschutzgebiet 27 solcher Paare. Bei der Zählung Anfang Juni 2014 waren es nur acht. Zudem zeigt sich, dass sich bei der diesjährigen Zählung direkt bei der Butendiek-Baustelle kein einziger Schweinswal gesichtet wurde.

Ganz so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, sind diese Vergleiche trotzdem nicht: Es muss nicht zwangsläufig an Butendiek liegen, wenn Schweinswale in einem Gebiet kaum anzutreffen sind. „Die erkennbaren Dichtelöcher bei der Schweinswalverbreitung sind in den letzten zwölf Jahren bei unseren Monitoring-Befliegungen schon drei- bis vier Mal in ähnlicher Form aufgetreten. Möglicherweise waren diese aber anderen, uns nicht bekannten Schallereignissen zuzuordnen.“, sagt Henning von Nordheim, Meeresbiologe und Fachgebietsleiter Meeres- und Küstennaturschutz des Bundesamt für Naturschutz.

Lothar Koch, Biologe der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt, hält eine gewisse Besorgnis beim Blick auf die Karten trotzdem für angebracht – vor allem ist er der Meinung, dass immer noch zu wenig Daten zur Verfügung stehen, um die Wirkung von Butendiek auf die Tiere nachvollziehen zu können. Schweinswale leiden unter Lärm, weil sie für ihre Orientierung und für die Nahrungssuche auf ihr sensibles Gehör angewiesen sind. Auch wenn sie es ohne Gehörschaden aus dem Baufeld des Offshore-Parks heraus schaffen, sieht Koch ein weiteres Problem: „Wo sollen sie denn hin schwimmen? Im Laufe der vergangenen zwölf Monate wurde mit dem Bau von neun Windparks in der Nordsee begonnen, insgesamt wurden 450 Fundamente gerammt.“

Ist der Windpark dann fertig, hält es Koch für wahrscheinlich, dass die Anlagen für die Tiere kein Problem mehr darstellen: „Dann wird es dagegen für die Meerestaucher schwierig“, so der Biologe. „Genau sagen kann man das aber nicht – überspitzt formuliert sind das dort draußen Versuchstiere - wie sie den Windpark verkraften, wird sich erst zeigen.“


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erstellt am 15.Jul.2014 | 17:47 Uhr

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