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Sylter Rundschau

11. Dezember 2016 | 07:14 Uhr

Möwen auf Sylt : Der unendliche Kampf gegen die Möwen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Pünktlich zum Saisonbeginn zieht es immer mehr Möwen ins Westerländer Kurzentrum. Ihr Geschrei reizt die einen bis aufs Blut, andere verteidigen die Tiere und der Tourismusservice übt sich in neuen Abwehrmaßnahmen.

Im Sommer kann Sabine Krüger nicht schlafen. „Ich glaube, die Zuständigen wissen gar nicht, was hier nachts und in den frühen Morgenstungen abgeht“, berichtet sie erschüttert. „Es ist wie in einem Horrorfilm. Das sind Alarm-Geräusche, die den menschlichen Organismus ständig in Aufregung versetzen, die mich enorm stressen.“ Diese „Alarmgeräusche“, die die Bewohnerin der Westerländer Strandstraße schier verzweifeln lassen, sind Möwengeschrei. Der Liedermacherin graust es geradezu vor den kommenden Monaten: An manche Geräusche, wie an andauernden Straßenlärm oder Meeresrauschen, könne man sich gewöhnen, sagt Krüger, „aber nicht an dieses Gekreische“.

„Tja, das stimmt leider – und bald ist es wieder so weit“, bestätigt Sven Edling, der technische Leiter des Insel Sylt Tourismus Service (ISTS). „Kommendes Wochenende wird die Saison nicht nur für Urlauber, sondern auch für Möwen eröffnet.“ Pünktlich zu Ostern kommt eine große Anzahl der gefräßigen Raubvögel mit Vorliebe in die Inselmetropole Westerland. Vor allem an Hotspots, wo sich viele Touristen aufhalten, jagen die dreisten „Promenadengeier“ nach fetter Beute im Form von Fischbrötchen, Eiswaffeln oder auch gerne mal einem leckeren Crêpe. Besonders wohl fühlen sich die Möwen offenbar auf den Dächern von strandnahen Gebäuden wie der Sylter Welle oder dem Syltness-Center. Als neue strategische Maßnahme gegen die fliegenden Plagegeister zieht deshalb seit einer Woche ein schwarzer Vogeldrache seine Kreise über dem Syltness-Center. In einem Testareal mit zirka 20 Metern Durchmesser soll ausprobiert werden, ob die Attrappe verhindern kann, dass immer mehr Möwen das Dach des Gebäudes als Stützpunkt für ihre Raubzüge nutzen.

Viele von ihnen sind offensichtlich von dem zirka 1  400 Quadratmeter großen Flachdach des ISTS-Verwaltungsgebäudes am Ende der Strandstraße weitergezogen. Dort wurde erst vor zwei Jahren – zu Beginn der Ostertage 2014 – ein aufwändiges, über 20  000 Euro teures Möwenabwehrsystem mit Dreifachwirkung installiert. Einerseits erzeugen Schalldruckgeräte hochfrequente, für den Menschen nicht hörbare Schwingungen, die unangenehm auf das Gefieder der Möwen einwirken und sie so vertreiben sollen. Andererseits wurden entlang der Dachränder des Gebäudes,viele kleine Töpfchen mit einem speziellen Gel platziert, dessen ätherische Wirkung die Vögel abschreckt. Diese beiden Methoden hätten sich in der Vergangenheit sehr gut bewährt, sagt Sven Edling. Allerdings müssten die Installationen immer wieder nachjustiert oder an anderen Positionen aufgestellt werden. „Denn die Möwen sind überaus schlau, lernen sehr schnell und suchen sich ständig neue Plätze“, so der ISTS-Technikchef.

Nicht mehr eingesetzt werden kann dagegen die dritte Komponente des Vogelvertreibungskonzeptes: Im ersten Jahr ertönten über Lautsprecher auf Tonband aufgenommene Warnrufe und Schreie von feindlichen Greifvögeln wie zum Beispiel dem Habicht. Dadurch fühlten sich aber nicht nur die Möwen, sondern auch Anwohner sowie Urlaubsgäste gestört. Deshalb wurde die akustische Vertreibungsanlage nach einigen Monaten wieder außer Kraft gesetzt. „Wir schalten die Schreie jetzt nur noch von Hand kurzfristig bei Bedarf ein“, erläutert Sven Edling. „Zum Beispiel, wenn wir sehen, dass sich auf dem Dach mal wieder eine große Anzahl von Möwen zusammenrottet.“ Sollte der kreisende schwarze Geier über dem Syltness-Center erfolgreich sein, könnte er e auch auf anderen Insel-Dächern zum Einsatz kommen.

Lothar Koch findet vorsorgliche Maßnahmen zwar „grundsätzlich okay“, gibt aber zu bedenken, dass die Menschen das Möwenproblem selbst verursacht hätten. „Wir haben diesen eleganten Seevögeln, die ja seit Tausenden von Jahren zum Meer gehören, sukzessive ihre angestammten Brutplätze genommen“, erläutert der Sylter Biologe. „Die Dünen sind wegen eingeführter Füchse und rigoroser Bepflanzungsmaßnahmen keine Brutbiotope für Möwen und Seeschwalben mehr.“ Deshalb würden Silber- und Lachmöwen und auch Austernfischer gern auf moderne Strukturen wie hohe Gebäude in Strandnähe ausweichen. „Die fungieren als raubtiersichere Brutfelsen direkt an den Futterkrippen Mülleimer, Strandkorb und Crepesbude“, so Lothar Koch. Das maritime Geschrei der Möwen gehöre zur Küste wie der Wind, sagt der Biologe. Allen, die der Lärm stört, empfiehlt er eine schalldichte Bauweise, Ohropax – und vor allem ein entspannteres Verhältnis zur Sylter Nordseenatur.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 05:30 Uhr

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