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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 19:15 Uhr

Sylter Ernte : „Der Regen kam wie gerufen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wetter hat kaum negative Auswirkungen auf Ernte der Sylter Bauern. Allerdings: Schwund beim Raps durch Gänsefraß und hohe Transportkosten.

Ein regenreicher Herbst und Winter, längere Trockenperioden im Frühjahr und in den vergangenen Tagen erneut viel Niederschlag – diese Wetterbilanz ist für die Sylter Landwirtschaft weitgehend akzeptabel und hat auf die diesjährigen Ernten kaum negative Auswirkungen. Schwund beim Raps durch Gänsefraß sowie die hohen Transportkosten zum Festland setzen da schon mehr zu.

„Insgesamt war die Witterung für die Kartoffeln zu kalt und in den vergangenen Tagen zu nass – dennoch ist alles im grünen Bereich und wir erwarten eine anständige Ernte“, berichtet der Morsumer Landwirt Boy-Henning Hoffmann, der in Kürze die ersten Frühkartoffeln einlagern wird. Nur die Heuernte verzögert sich noch etwas: „Dafür war es zu nass, wir brauchen dafür einige Tage trockenes Wetter.“


Regen tat den Erdbeeren in Braderup gut


Für den Braderuper Landwirt Eckhard Volquardsen kam der Regen indes wie gerufen: „Das hat den Erdbeerpflanzen nochmal richtig gut getan.“ Die Trockenzeiten im April und Mai hätten den Erntebeginn um etwa zwei Wochen vorgerückt. „Jetzt haben sich durch die Niederschläge richtig schöne Früchte entwickelt, die noch etwa eine Woche lang abgeerntet werden.“

Auch Edda und Jonas Raspé ernten gerade Beeren in ihrem üppigen Garten in Morsum: Neben den Johannisbeeren, sind gerade die Kirschen und Himbeeren reif. Seit rund 30 Jahren bewirtschaftet die Goldschmiedin – inzwischen gemeinsam mit ihrem Sohn – den privaten Gemüse-, Obst- und Kräutergarten im Inselosten. Hier wachsen unter anderen Artischocken, Rote Beete, Chili und Möhren, es sprießen Bohnen sowie Thaibasilikum. „Heute haben wir die ersten Kartoffeln geernet“, freut sich die Schwiegertochter der Hobbygärtnerin, Anna Raspé. Die Ernte sei ihn diesem Jahr „wirklich gut“, sagt sie.

Während Jan Petersen, der mit 110 Hektar Fläche im Sylter Osten den größten Ackerbau-Betrieb der Insel führt, mit einem akzeptablen Ertrag an Weizen, Roggen und Sommergerste rechnet, muss er beim Raps starke Abstriche machen. Denn Wildgänse lieben Raps – zum Leidwesen Petersens: „Der Raps hat sich in diesem Jahr ohnehin nur mäßig entwickelt und wurde durch Gänsefraß nochmals kräftig dezimiert. Ich rechne mit einem Drittel Einbußen.“

Aber auch anderweitig drücken Probleme, denn der Weitertransport der Ernte ist ein kostspieliges Unterfangen und benachteiligt Petersen gegenüber den Kollegen auf dem Festland: Mit stolzen 580 Euro schlägt jede Überfahrt eines Treckers nebst Anhänger zur Annahmestelle in Niebüll und zurück zu Buche. Und so verwundert es nicht, wenn Jan Petersen resümiert: „Reich werden kann man nicht – es gehört schon eine große Portion Idealismus dazu.“ Doch ihm wie auch Jens-Uwe Petersen, dessen Betrieb er vor zwei Jahren übernommen hat und der ihm engagiert zur Seite steht, liegt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Landschaft am Herzen: „Irgend jemand muss das Ganze doch pflegen, sonst würde alles verwildern und das würde sich nicht nur auf die Ansicht, sondern auch auf einige Tierarten auswirken.“ Jens-Uwe Petersen sekundiert: „Dann hätten wir dort Ratten statt Kiebitze.“

Auch für die Gemeinde und den Tourismus sei eine funktionierende Landwirtschaft ein Gewinn: „Die Sylter und Gäste erfreuen sich an blühenden Rapsfeldern.“ Und so richten sich zwei konkrete Wünsche an die Kommune: „Ein Zuschuss für die Frachtgebühren wäre eine wirksame Hilfe – eine andere, wenn die Entwässerungsgräben, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht ausgebaggert wurden, besser gepflegt würden. Denn wenn das Wasser nicht ablaufen kann und auf den Feldern steht, ersäuft das Getreide“, berichtet Jan Petersen.

Gleichwohl halten er und sein Namensvetter an dem Beruf fest, der für sie zugleich auch Berufung ist. Gerade erst wurde ein neuer Mähdrescher gekauft. Der 4,20 Meter hohe Koloss mit einer Schnittbreite von 6,20 Metern kann sowohl zum Ernten als auch zum Häckseln und Pressen eingesetzt werden. „Aber“, sagt Jan Petersen, „fragen Sie nicht, wann sich diese Anschaffung amortisiert hat.“


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