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Sylter Rundschau

24. August 2016 | 10:29 Uhr

Nächtlicher Schreck auf Sylt : Der Knall von Westerland - ein Internet-Trend?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Blitz, eine Druckwelle, ein Knall - und keiner weiß, was es war. Möglicherweise handelt es sich bei der höllisch lauten „Knallerei“ um ein Web-Phänomen.

„Wie eine Bombe“ habe es geklungen, berichten die Urlauber Bernhard und Marie-Theres Schaut, die am Montagabend in ihrem Hotelzimmer im Kurzentrum vor dem Fernseher saßen und durch einen lauten Knall mächtig aufgeschreckt wurden. Etwa um Viertel vor elf – „gerade war die Udo-Jürgens-Show vorbei“ – habe es mächtig gekracht, berichtet das Ehepaar aus dem westfälischen Werl: „Und es gab diesen wahnsinnig hellen Lichtschein. Gleich danach rückten auch schon Feuerwehr, Polizei und ein Notarztwagen an“, erinnert sich Marie-Theres Schaut an den abendlichen Schrecken. Ähnliche Zeugen-Berichte gibt es aus vielen anderen Städten quer durch die Republik.

Über die Ursache im Westerländer Fall rätseln die Sylter Polizei und auch die Feuerwehr: „Der Knall war bis in den Kirchenweg zu hören. Erst dachte ich an einen Donnerschlag, aber dann kam ja der Notruf“, erzählt der Westerländer Wehrführer Jörg Elias. Vor Ort konnten die Einsatzkräfte allerdings keinerlei Spuren finden, die zum Beispiel auf einen so genannten Polenböller hindeuteten. „Auch nicht auf eine Minibombe aus dem Chemiebaukasten. Einfach gar nichts, sehr seltsam“, sagt Elias.

War es also doch ein Blitzeinschlag? Für Gerhard Lux sind solche Phänomene vor allem bei Wintergewittern nichts Ungewöhnliches: „In dieser Jahreszeit ist die Atmosphäre völlig anders geschichtet. Es können sehr große Druck- und Temperaturunterschiede herrschen“, so der Experte des Deutschen Wetterdienstes. „Dann entsteht ein mächtig heller Blitz, einmal donnert’s kräftig, dann ist alles vorbei.“ Was jedoch wirklich die Ursache war, wird sich kaum klären lassen – es bleibt wohl ein „mysteriöser Knall, der aus dem Nichts kam“, wie es ein Polizeibeamter bezeichnete.

Eine wahre Lawine von Berichten über Knallgeräusche sorgt derzeit in vielen Orten in der ganzen Bundesrepublik für Aufregung und Schrecken. Aufgrund der Regelmäßigkeit der Meldungen von Augenzeugen wächst die Vermutung, dass es sich bei den nächtlichen Lärm-Attacken um einen Internet-Trend handelt. Vor allem in den sozialen Netzwerken rätseln die Zeugen der Blitze und Knalle über den Ursprung der Ruhestörung. Eine mögliche Quelle sind gefährliche Knallgas-Explosionen, die in einfacher Form jeder aus dem Chemieunterricht kennt. Dabei werden Luftballons mit explosivem Wasserstoff gefüllt und mit einer Lunte lichterloh entzündet.  Experten warnen vor der Nachahmung. Die Detonation kann nicht nur zu schweren Verbrennungen führen, sondern auch das Trommelfell schädigen.

Unbekannte Knallgeräusche hatten zuvor schon in anderen Städten in Schleswig-Holstein für Rätselraten gesorgt. In Pinneberg verunsicherte im vergangenen Jahr eine ganze Serie die Anwohner. Die rätselhafte Knallgeräusche waren seit Frühjahr immer wieder in Pinneberg zu hören – einige Fälle konnte das LKA im Dezember vergangenen Jahres aufklären. Es handelte sich um Jugendliche und Männer, die mit „Polenböllern“ und anderer illegaler Pyrotechnik hantierten. Vor gut einem Monat rummste es in Kiel: Auch hier wurde ein Böller als Ursache ermittelt. Er wurde in einen Altkleidecontainer geworfen, was den Knall verstärkte.

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