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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 17:27 Uhr

Sylter Friedhofsverwalter geht in Rente : Der Herr der Friedhöfe

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Friedhofsverwalter Andreas Olsen ist in den Ruhestand gewechselt. Auch Tiere finden in Westerland ihre letzte Ruhestätte

Sein halbes Leben lang war Andreas Olesen den Toten ganz nahe. Denn eben dies bedingte naturgemäß seine Tätigkeit als Friedhofsverwalter der evangelischen Kirchengemeinde. Nun ist Olesen, der über 1500 Gräber und etwa 8000 Urnen wacht, in den verdienten Ruhestand gegangen – wird sich aber noch einige Wochen quasi selbst vertreten, bevor ein Nachfolger die Stelle antritt.

Zunächst im Westerländer Gartenbaubetrieb Willi Petersen als gelernter Gärtner und später als Gärtnermeister tätig, wechselte Andreas Olesen 1982 zur Friedhofsverwaltung. Fortan galt es, mit bis zu fünf Mitarbeitern auf dem alten und dem neuen Westerländer Friedhof weitläufige vier Hektar Fläche zu betreuen. Und nicht nur dies: Neben der Pflege des Areals zählten auch die Verwaltungsarbeit, die Personalführung, die Unterhaltung der Wege und baulichen Anlagen sowie in besonderem Maße die Gespräche mit Angehörigen zu seinen Aufgaben. „Man muss gar nicht so viel reden, aber gut zuhören können“, weiß Olesen.

So manches hat sich im Laufe der vergangenen 34 Jahren in den Arbeitsabläufen verändert. Anfangs, erinnert sich der frisch gebackene Pensionär noch genau, wurden die Gräber des öfteren noch per Hand mit der Schaufel aufgehoben – „das war wirklich anstrengend“. Heute erledigt ein spezieller Friedhofsbagger diese Arbeit. Einen großen Wandel erfuhren auch die Beerdigungen selbst: „Kamen früher auf hundert Erdbestattungen etwa zwanzig Urnenbestattungen, so hat sich das Verhältnis inzwischen bald gedreht.“ Warum die traditionelle Art der Beerdigung immer weniger gefragt ist? „Viele wollen ihren Kindern nicht die Kosten und die Grabpflege aufbürden. Oder die Verwandtschaft lebt irgendwo auf dem Festland.“ Dieser Wandel bedingt auch ein Umdenken bei der Kirchengemeinde: „Wir werden den neuen Friedhof mit seinen vielen Freiflächen unterstützt von einem Gartenbauingenieur überplanen.“ Ein Prozess, den Olesen gerne begleiten möchte – auch deshalb ließ er sich erneut für den Kirchenrat aufstellen.

Sein vier Hektar großes Refugium, es ist dem 65-Jährigen ans Herz gewachsen, nicht nur, weil hier seine Eltern und auch mancher Bekannte ihre letzten Ruhestätten fanden. „Es ist wirklich eine grüne Oase, die von vielen Besuchern gleichsam als Naherholungsgebiet genutzt wird: Hier genießen sie die Stille und lassen ihre Gedanken schweifen.“ Umso mehr ärgert es Olesen, dass nicht nur Kaninchen häufig den Grabschmuck plündern, sondern immer wieder auch pietätlose Zweibeiner.

Nach wie vor sind es überwiegend Sylter, deren Särge oder Urnen in die Erde versenkt werden – etwa hundert Mal pro Jahr wiederholt sich dieses Procedere. Doch auch der eine oder andere Stammgast möchte auf Sylt die letzte Ruhe finden – „vor einiger Zeit wurde hier zum Beispiel ein Mann aus Wien beerdigt“, weiß Olesen.

Aber nicht nur Menschen werden in Westerland zu Grabe getragen – auch ein kleiner Tierfriedhof liegt auf dem Areal. Seit 2007 werden dort Hunde und Katzen bestattet, und auch ein Hamster wurde schon der Erde übergeben. Allein: Größere Grabsteine, christliche Symbole und Trauerfeiern sind ein Tabu.

Wenn dann der Nachfolger die Regie auf Westerlands Friedhöfen übernimmt, freut sich der Ruheständler darauf, „auch mal ganz spontan mit meiner Frau in den Urlaub zu fahren“, und seinen Passionen als Leistungsrichter für Hunde und Modellbauer will Andreas Olesen sich dann ebenfalls verstärkt widmen.

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