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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 10:42 Uhr

Adventskalender der Sylter Rundschau : Dem Hirschen die Bücher zeigen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bis Weihnachten stellen wir jeden Tag ein Lieblingsbuch eines Menschen dieser Insel vor. Los geht es mit Pastorin Anja Lochner

Für den diesjährigen Adventskalender öffnen wir gemeinsam mit unserem goldenen Hirschen für Sie die Türen von Insulanern und schauen auf Nachttische und in Bücherschränke: Bis Weihnachten stellen wir jeden Tag ein Lieblingsbuch eines Menschen dieser Insel und seine Geschichte dazu vor. Das kann ein spannender Krimi, eine Biographie, ein kitschiger Liebesroman oder auch das allerliebste Kinderbuch sein – die einzige Bedingung ist, dass das Buch für den Besitzer eine besondere Bedeutung hat. Los geht es heute mit Westerlands Pastorin Anja Lochner, die sich nicht auf ein Buch festlegen konnte, denn „ich habe immer ein Buch, das ich am Tag lese und eines für die Nacht“.


Navid Kermani: „Ungläubiges Staunen über das Christentum“

„Ich lesen immer mehrere Bücher gleichzeitig. Das Buch, in dem ich derzeit vor allem tagsüber gerne blätter, ist von Navid Kermani „Ungläubiges Staunen über das Christentum“. Kermani ist ein deutsch-iranischer Schriftsteller, der 2015 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat. Er ist Moslem und schaut sich in diesem Buch auf faszinierende Weise das Christentum an. Dabei nähert er sich dem christlichen Glauben über Bilder, Relikte, Symbole und der Geschichte und lässt sich davon einfangen. Er guckt sich die Religion dabei nicht aus einer Distanz an, sondern er spürt dem Sinn nach. Er versucht, zu verstehen und verurteilt nicht die Institution Kirche. Das, was ihn am meisten fasziniert ist die Liebe zum Christentum.

Den größten Raum nimmt ein Kapitel über einen Pater paolo ein, der in Syrien ein christliches Kloster gegründet hat und dem es tatsächlich gelungen ist, eine christlich-muslimische Gemeinschaft aufzubauen, die einander akzeptiert.

„Ungläubiges Staunen über das Christentum“ ist ein Buch, das ich immer mal wieder in die Hand nehme. Es ist hat intellektuelle Anteile, ist aber generell sehr zugänglich. Den Religionen wird ja oft vorgeworfen, dass sie die treibende Kraft für Unfrieden und Kriege in der Welt sind. Ich glaube, es ist immer der Mißbrauch der Religionen – und daher freue ich mich vor allem, dass Kermani den Friedenspreis bekommen hat. Denn Religion kann auch eine große integrative Kraft haben, wenn ihr wesentlicher Motor die Liebe ist.


John Irving: „Straße der Wunder“

Im Bett lese ich dann sehr gerne Bücher von John Irving. Gerade ist es das Buch „Straße der Wunder“. Seitdem ich jung bin, bin ich ein großer Irving-Fan. Von „Garp und wie er die Welt sah“ über „Das Hotel New Hampshire“ und „Owen Meany“ – ich habe einfach Spaß an den skurrilen und typischen Irving-Geschichten. Für mich ist er einfach sehr komisch und ich kann über seine Einfälle wirklich sehr lachen, es ist einfach ein Genuss.

In dem Buch, das ich für die Buchvorstellung ausgesucht habe, geht es um Juan Diego, der gemeinsam mit seiner hellseherischen Schwester auf einer mexikanischen Müllkippe aufgewachsen ist und sich dort das Lesen selbst beibrachte, weil dort so viele Bücher verbrannt wurden. Dadurch verfügt er auch über einen ganz seltsames und außergewöhnliches Wissen.

Der erwachsene Juan Diego, aus dem ein echter Don Juan geworden ist, erzählt die Geschichte. Das ist die zweite Ebene des Buches: Wie der erwachsene Protagonist, aus dem ein weltberühmter Schriftsteller geworden ist, sich mit zwei Geliebten auf den Philippinen aufhält. Täglich überlegt er, ob er nicht lieber eine Tablette gegen sein Herzleiden oder doch lieber Viagra nehmen soll. So springt die Erzählung immer zwischen den Philippinen zu dem jungen Juan Diego auf der Müllkippe. Es ist ein typischer Irving, den man wunderbar lesen kann.“

 

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 01.Dez.2016 | 05:30 Uhr

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