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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 21:42 Uhr

„Das ist ein richtiges Schätzchen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Interview mit Alexander Römer (37), dem neuen Leiter des Heimatmuseums in Keitum, über seine Pläne und Wünsche

Herr Römer, wie gut kannten Sie vor Ihrem Amtsantritt die Insel und vor allem das Heimatmuseum?

Ich kannte die Insel nur sehr vordergründig. Habe das Heimatmuseum zwar wahr genommen, aber vorher nie besucht.

Wie waren dann Ihre ersten Eindrücke von dem Haus?
Ich dachte: Wow, super, das ist ein richtiges Schätzchen! Die Lage ist herrlich, die Häuser sind es und die Geschichte, die sich damit verbindet auch. Aber natürlich auch Wow: hier gibt es sehr viel zu tun.

Was muss aus Ihrer Sicht dringend verändert werden?
Nun, die Präsentation ist wahrlich nicht auf dem neuesten Stand. Um es deutlich zu sagen, sie ist veraltert. Es wird darum gehen, die Sammlung neu zu ordnen, weniger Vitrinen, aber dafür mehr moderne Medien einzusetzen.

Haben Sie schon ein Bild davon, wie das Museum in fünf Jahren aussehen soll?
Naja, eine Vision besteht natürlich, aber die speist sich auch aus dem, was man alltäglich findet und erkennt. Wichtig ist vor allem, die Existenz der Museen zu sichern, ihre Präsenz und Wahrnehmung auch überregional zu steigern. Ich möchte gern, dass wir in fünf Jahren ein bedeutender Ansprechpartner bei allem was mit Sylter Geschichte zu tun hat und ein Ort der Kommunikation sind.

Sie haben eine 30-Stundenstelle. Kann man damit so viel schaffen?
Nein, nicht mit 30 Stunden, aber mit Engagement und Herzblut. Und ich bin hier nicht allein. Ich habe ein super Team.

Sie sind maximal vier Tage die Woche auf der Insel, leben mit ihrer Familie bei Flensburg. Ist das bei ihrem Programm und ihrem Ansinnen, die Sylter auch stärker an das Museum zu binden, nichthinderlich?

Sicher ist es nicht ideal, aber den bekannten Tatsachen geschuldet, dass Sylt nicht gerade ein idealer Wohnungsmarkt für Familien mit durchschnittlichem Einkommen ist. Aber ganz abgesehen davon, bietet meine Lebenssituation für die Arbeit hier im Museum auch Vorteile.

Welche sind das?

Dass man auch andere Räume wahrnimmt, sich auch in anderen Strukturen und Gesellschaften bewegt und dort auch Inspiration bekommt, die man hier mit einbringen kann.

Was glauben Sie, erwartet ein Besucher, der das Heimatmuseum betritt?

Ich denke, dass der sich eine Orientierung zur Insel und ihrer Geschichte erhofft.

Bekommt er das?

Ja, in vielen Bereichen bekommt er Objekte, Dokumente und Kunstwerke zu sehen, die viel über die Inselhistorie und das Alltagsleben hier erzählen und es erhellen. Gerade das Alltagsleben vor hundert oder zweihundert Jahren fasziniert unsere Besucher. Das merken wir ganz deutlich im Altfriesischen Haus, lesen es in den von Begeisterung getragenen Eintragungen im Gästebuch, die uns zeigen, dass unsere Besucher es als besonderes Erlebnis wahrnehmen, in diesem Haus frühere insulare Lebensbedingungen nachvollziehen zu können.

Stichwort Erlebnis – soll ein Museum ein Erlebnisort oder einer zur Betrachtung wissenschaftlicher Funde sein?
Ich möchte hier keinen Erlebnispark, sondern ein seriöses Museum. Es soll eine wissenschaftliche Vermittlung auf einem hohen Niveau stattfinden, aber auch den jeweiligen Besucher da abholen, wo er durch eigenes Vorwissen und Anspruch an die Tiefe von Vermittlung steht. Man darf sich hier auch entspannen.

Wie wichtig sind spektakuläre Ausstellungen?

Insgesamt haben Blogbuster-Schauen in der deutschen Museeumslandschaft enorm an Bedeutung gewonnen. Aber das gilt sicher nicht für Häuser wie unseres. Wir haben eine andere Aufgabe als Super-Schauen mit Picasso oder Dali zu inszenieren. Sonderausstellungen dagegen wie die Entdeckung der Korwan-Bilder, die wir im vergangenen Jahr gezeigt haben, sind von großer Bedeutung, um auch außerhalb der Insel wahrgenommen zu werden. Wir wollen aber zukünftig Sonderausstellung nicht nur zu Themen der Kunst, sondern auch der Kulturgeschichte und Volkskunde aufgreifen, da hat Sylt einiges zu bieten.

Immer wieder wird ein Erweiterungsbau für das Museum diskutiert. Wie wichtig ist der?

Er ist sehr wichtig. Wir benötigen eine erweiterte Ausstellungsfläche, um weitere wichtige Themenbereiche aufzuarbiten. Gleichzeitig wollen wir für die Besucher neue Angebote schaffen. Wir haben kein Museumscafe, keinen Museumsshop oder einen Veranstaltungsraum. Das sind alles Angebote, die die Möglichkeiten und die Attraktivität eines Museums steigern, eigentlich schon Selbstverständlichkeiten, die ein Museumsbesucher heute erwartet. Die Frage ist, stehen alle dahinter und bekommen wir das Geld zusammen?

Auch der Name Heimatmuseum wird zunehmend kritisch hinterfragt. Sollte der Name geändert werden?

Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob der Name für unser Angebot und unsere Strahlkraft noch passt. Aber der Name ist nicht einfach mal zu streichen, um dann irgendeinen neuen Begriff darüber zu schreiben. Dazu gehört ein vertiefender Diskurs. Den möchte ich gern weiterführen.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 04:08 Uhr

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