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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 15:36 Uhr

Organspende rettet Sylterin : Das geschenkte Leben

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ihr Leben hing 2005 am seidenen Faden: Doch heute feiert Barbara Witt bereits zum 11. Mal ihren „zweiten Geburtstag“.

Diese Woche feiert Barbara Witt Geburtstag, sie wird 73 Jahre alt. Das mag unspektakulär klingen, ist es aber nicht. Es gab eine Zeit, da hatte kaum jemand geglaubt, dass Barbara diese Feier erlebt, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Lunge war schwer erkrankt, sie litt zunehmend unter schweren Infekten. Bei Professor Dr. Hinrich Hamm, dem damaligen Chefarzt der Inneren Abteilung der Nordseeklinik, fühlte sie sich sehr gut betreut. Schon seit 1999 lag ihre Gesundheit in seinen Händen. Doch auch er konnte nicht verhindern, dass die Krankheit fortschritt, im November 2004 wurde es extrem kritisch und Professor Hamm sprach deutliche Worte: „Sie brauchen eine neue Lunge, und zwar schnellstmöglich!“ Er sorgte dafür, dass seine Patientin bei Eurotransplant gelistet wurde. Zu Hause hatte Barbara inzwischen eine große Sauerstoff-Flasche stehen; damit sie durch das Haus laufen konnte, war sie mit einer 20 Meter langen Leitung daran verbunden. Die Treppe bewältigte sie nicht mehr, ein Lift musste eingebaut werden, da sich Bad, WC und Schlafzimmer im Obergeschoss befinden. Damit sie wenigstens ab und zu das Haus verlassen konnte, wurde jeweils eine kleine Sauerstoff-Flasche für unterwegs befüllt und in der Handtasche verstaut. Im März 2005 waren die Sänger des Sylter Shanty-Chors – dessen Vorsitz Barbara Witts Ehemann Uwe innehat – samt Partnerinnen eingeladen zu einer Reise nach Frankfurt.

Barbara fühlte sich eigentlich zu schwach, doch der Professor erklärte kategorisch: „Sie fahren mit.“ Bei der Erinnerung sagt Barbara leise: „Er dachte bestimmt, dass wird mein letzter Ausflug.“ Der Chor stand voll hinter ihr, im Bus war Sauerstoff deponiert, sie trug einen Mundschutz und los ging’s. Leider verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand stetig. Es folgten diverse Krankenhausaufenthalte, in der Nordseeklinik und zwischendurch auch in der Medizinischen Hochschule Hannover, wo sich Professor Tobias Welte ihrer annahm. Ihr Leben hing am seidenen Faden, die Hoffnung schwand mehr und mehr. Barbara Witt kämpfte trotzdem weiter. Und dann kam das Geschenk des Himmels in Gestalt einer gesunden linken Lunge, die ihr in Hannover transplantiert wurde. Am 11. Juli 2005 begann ihr neues Leben, zwei Tage vor ihrem „richtigen“ Geburtstag. Damals hieß es, wenn alles gut ginge würden ihr noch etwa sechs Jahre ihres Lebens geschenkt. Das ist nun 11 Jahre her! Lächelnd erinnert sie sich an die diversen Krankentransporte auf das Festland: „Den netten Jungs vom Deutschen Roten Kreuz danke ich noch heute“, betont sie. „Sie haben sich wirklich gut um mich gekümmert, das werde ich nie vergessen.“ Natürlich muss sie genau darauf achten, ihre Medikamente korrekt einzunehmen – das ist sehr wichtig. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle, bestimmte Dinge darf sie nicht essen, dazu gehören Mett oder geräucherte Lebensmittel. Alle vier Wochen lässt sie von Dr. Bodo Stoschus ihren Medikamentenspiegel überprüfen, meistens ist alles okay. Auch Dr. Stefanie Kappes, Dermatologin in der Nordseeklinik, hat Barbara genau im Auge. Die Oberärztin beobachtet sorgfältig, ob als Nebenwirkung der Medikamente wieder Gewebeveränderungen in der Haut aufgetreten sind und entfernt diese gegebenenfalls. Sie operiert so geschickt, dass Narben kaum sichtbar sind.

„Von weiteren Nebenwirkungen bin ich all die Jahre verschont geblieben“, freut sich Barbara Witt. Sie betreut immer noch die Ferienappartements von Freunden, hält einen engen Kontakt zu den Gästen. Einmal im Monat trifft sie sich mit ihren ehemaligen Kegeldamen, zum Klönen und zum Lachen. Der Shanty-Chor ist für sie wie eine zweite Familie: Wenn der Chor auftritt, ist Barbara so gut wie immer dabei. Sie hat ihren Haushalt voll im Griff und geht gern mit ihrem Uwe spazieren. Voller Dankbarkeit fasst Barbara es so zusammen: „Ich mache beinahe alles, was jeder ‚normale gesunde Mensch‘ auch macht.“


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