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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 02:53 Uhr

Bahnverkehr nach Sylt : Bus-Shuttle zwischen Westerland und Niebüll - Ausnahmezustand noch bis März 2017?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gipfeltreffen zum Bahnchaos bringt nur wenige Verbesserungen. Verkehrsminister Reinhard Meyer nennt zwei Prioritäten.

Westerland | Verspätungen, Zugausfälle, überfüllte Züge – das Drama bei der Bahn kann sich noch bis März 2017 hinziehen. Das Gipfeltreffen mit Verkehrsminister Reinhard Meyer am Montagnachmittag beim Verein Sylter Unternehmer (SU) brachte zwar alle Beteiligten endlich an einen Tisch, aber nur wenig greifbare Verbesserungen. Seit Montag fährt zweimal täglich ein Reisebus der SVG Sylt Shuttle zwischen Westerland und Niebüll. Ab Dienstag hält der Intercity auf seiner Fahrt zwischen Hamburg und Westerland auch in Klanxbüll.

Das Verkehrschaos auf der Strecke Hamburg-Sylt hielt in der vergangenen Woche vor allem Pendler in Atem. Grund waren technische Probleme an einem Zug der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), woraufhin vorsorglich alle NOB-Züge aus dem Verkehr genommen wurden. Statt ihrer wurden Ersatzzüge anderer Unternehmen eingesetzt. In diesen Zügen musste die Reisenden auch einige Einschränkungen hinnehmen, es gab weniger Sitz- und Stehplätze.

Nach dem Gespräch mit Bahnunternehmen, Inselpolitik und Pendler-Vertretern zog Reinhard Meyer ein Fazit vor der Presse: Zwei Prioritäten seien jetzt wichtig – eine stabilere Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs und eine bessere Informationspolitik. Der Verkehrsminister forderte „Kümmerer“ auf den Bahnsteigen, die vor Ort für Auskünfte bereitstehen. Wichtig sei außerdem die Information der Fahrgäste via Internet und App – damit sie rechtzeitig erfahren, welche Züge kommen, welche Züge ausfallen und welche Verspätung haben.

Am Podium: Egbert Meyer-Lovis (DB), Achim Bonnichsen (Pendler), Bürgervorsteher Peter Schnittgard, Carsten Kerkamm (Verein Sylter Unternehmer), Minister Reinhard Meyer, Martina Sandow (NOB) und Bernhard Wewers (Nah.SH) – v.l.n.r.
Am Podium: Egbert Meyer-Lovis (DB), Achim Bonnichsen (Pendler), Bürgervorsteher Peter Schnittgard, Carsten Kerkamm (Verein Sylter Unternehmer), Minister Reinhard Meyer, Martina Sandow (NOB) und Bernhard Wewers (Nah.SH) – v.l.n.r. Foto: Henningsen
 

Am Freitag hatte sich die Situation nochmal verschärft, doch über das Wochenende habe sich die Lage zum Glück etwas entspannt, schilderte Meyer die aktuelle Entwicklung. In der Nacht zum Montag seien der Nord-Ostsee-Bahn weitere Waggons zur Verfügung gestellt worden, was gestern für „eine weitere Entspannung der Situation gesorgt“ habe. Dazu sollen auch der Personenbus auf dem Autozug, der gestern noch kaum genutzt wurde, sowie die Freigabe der Fernzüge für die Nahverkehrstickets beitragen. „Aber ausruhen geht nicht, wir müssen Stabilität reinbringen, und das ist jetzt die Aufgabe der Bahnunternehmen.“ Allerdings habe DB-Regio-Chef Torsten Reh deutlich gemacht, dass es bis März 2017 dauern könnte, bis sämtliche Wagenprobleme beseitigt sind.

Meyer kündigte an, nach der Betriebsübernahme durch die DB Regio und vor Beginn der Weihnachtsreisetage ein weiteres Gespräch mit allen Beteiligten führen zu wollen. „Wir werden auch über Entschädigungen nachdenken müssen“, sagte der Verkehrsminister. Kunden hätten eine Leistung bestellt, die sie nicht erhalten hätten. Das gelte auch für Pendler, die zusätzlich zu ihren Monatskarten noch für Fahrten mit dem Autozug gezahlt haben.

Carsten Kerkamm vom Verein Sylter Unternehmer wies auf die existenzielle Bedeutung einer zuverlässigen Bahnanbindung für die Insel und ganz Nordfriesland hin. Allerdings richtete der Sylter auch einen Dank an NOB, DB Regio und das Ministerium, die zumindest einen eingeschränkten Bahnverkehr möglich gemacht hätten.

Martina Sandow, Geschäftsführerin der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), ging genauer auf die technischen Gründe ein, die den Totalausfall der NOB-Flotte mit neunzig Zügen zur Folge hatten. Normalerweise seien davon 72 Waggons im Einsatz, der Rest gelte als Betriebsreserve. „An der Stelle gilt mein ausdrückliches Dankeschön der DB Regio dafür, dass sie uns spontan Fahrzeuge zur Verfügung gestellt hat – sonst hätten wir am ersten Freitag so gut wie gar nicht fahren können.“

Seitdem habe sich die NOB bundesweit bemüht, Fahrzeuge anzumieten, erläuterte Martina Sandow. Am Sonntag habe man den Fuhrpark mit elf Fahrzeugen weiter deutlich aufstocken können. „Wir gehen mit Ausnahme von vier Fahrtenpaaren davon aus, dass wir nun den Fahrplan leisten können.“ Über eine Reserve verfüge die NOB derzeit allerdings nicht – das mache die regelmäßigen Prüfungen in der Husumer Werkstatt zur logistischen Herausforderung.

„Ich hoffe, dass wir jetzt sagen können: Wir haben das Schlimmste hinter uns“, meinte der Sylter Bürgervorsteher Peter Schnittgard. Mit Blick auf Weihnachten und Silvester mit 30  000 bis 35  000 Urlaubsgästen stünde der Insel sonst ein Problem ins Haus. „Wenn die Weichen bis dahin nicht richtig gestellt sind, gibt es einen riesigen Imageschaden.“

Durch die Schließung der Reisezentren in Niebüll und demnächst auch in Westerland für Renovierungsarbeiten werde die Situation „zu allem Überfluss“ weiter verschärft. Ansprechpartner vor Ort seien wichtig, gerade für ältere Menschen, die nicht über einen Internetzugang verfügten und die nach dem Betreiberwechsel am 11. Dezember auch keine Fahrkarten mehr in den Zügen kaufen könnten.

„Das Gespräch war heute sehr positiv“, lobte Achim Bonnichsen von der Pendler-Initiative. „Es wurde sehr offen miteinander umgegangen.“ Nach der Pressekonferenz setzten sich Minister Meyer und Nah.SH-Chef Bernhard Wewers noch mit den Pendlern zusammen, hörten deren Sorgen und Nöte. So schilderte eine Pendlerin, dass sie morgens um vier Uhr mit dem Privatwagen losfährt, um Mitfahrer einzusammeln und dann mit dem Autozug pünktlich zur Arbeit zu kommen. Anderthalb Stunden dauerte das Gespräch.

Doch auf den Bahnhöfen gab es auch am Montag wieder Probleme. Der Zug um 16.22 Uhr ab Westerland hatte nur vier Waggons, in Keitum und Morsum mussten deshalb wartende Fahrgäste auf den Bahnsteigen zurückbleiben.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 09:03 Uhr

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