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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 11:03 Uhr

Geduldete Kunst : Bunte Bilder statt grauer Kästen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vielerorts auf Sylt sind Elektrokästen und Trafohäuschen mit Inselmotiven bemalt – manchmal allerdings ohne Genehmigung der Eigentümer.

Jedes Mal, wenn sie mit ihrem Auto an der immer häufiger geschlossenen Schranke in Keitum stehen muss, freut sich Frau Richter über das seit einiger Zeit kunstvoll bemalte Häuschen neben den Gleisen. „Das ist wirklich sehr schön gestaltet“, sagt die Morsumerin, „und verkürzt mir immer wieder auf angenehme Weise die Wartezeit am Bahnübergang.“ Weniger erfreut über das Werk des bislang anonym gebliebenen Künstlers ist allerdings die Deutsche Bahn: „Die Begeisterung über die Malerei hält sich bei uns in Grenzen“, sagte Sabine Brunkhorst, Sprecherin für Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen, auf Anfrage der Sylter Rundschau. Das Unternehmen selbst habe niemanden damit beauftragt, das Häuschen zu bemalen, in dem Schalteinrichtungen für die Anlage des Bahnübergangs installiert sind. „Es ist grundsätzlich verboten, fremde Dinge einfach so zu bemalen“, erklärte Brunkhorst. Zudem sei es gefährlich, sich so dicht an den Gleisen aufzuhalten – der Fahrtwind eines vorbeifahrenden Zuges könne Menschen umreißen und auf die Schienen schleudern. Aktionen wie diese sollten deshalb keine Nachahmer finden, auch wenn das Ergebnis „sehr nett aussieht, das müssen wir zugeben“, sagt die Bahnsprecherin. Entfernt werden sollen die bunten Verzierungen zumindest „kurzfristig nicht“.

Mit Inselmotiven bemalte Elektrokästen und Trafohäuschen gibt es auch an anderen Standorten auf Sylt: zum Beispiel am Ortsausgang Kampen links in Richtung Norden oder an der Bushaltestelle vor dem Kaufhaus H.B. Jensen in der Westerländer Maybachstraße. Sie wurden mit Zustimmung des Eigentümers, der Energieversorgung Sylt (EVS), verschönert. Grundsätzlich spräche nicht dagegen, die oft hässlichen „Bauwerke“ künstlerisch aufzuwerten und damit das äußere Erscheinungsbild zu verbessern, sagte Andreas Lindacher. „So etwas wird ja überall in Deutschland gemacht, warum also nicht auch hier“, so der EVS-Bereichsleiter Vertrieb und Marketing. „Gerade wir als Sylter Unternehmen sind daran interessiert, dass die Insel noch schöner wird.“ Allerdings scheitert die „Kunst am Trafokasten“ häufig an Kosten und Kompetenzen: Im April hatte der Ortsbeirat Tinnum die Verwaltung gebeten, ein Konzept zur Verschönerung der Stromkästen im Ortsteil zu erarbeiten. Das Amt für Inneres und Bildung hatte die Anregung zuständigkeitshalber an die EVS weitergereicht. Selbst habe die Verwaltung keine freien Mitarbeiterkapazitäten, um beispielsweise einen Künstlerwettbewerb durchzuführen. Seitens der EVS verweist man außerdem auf wirtschaftliche Probleme. Mithilfe – insbesondere finanzielle – sei deshalb dringend gesucht, private Initiativen herzlich willkommen. Einfach mit Farbe und Pinsel loslegen dürfe allerdings niemand: „Bitte erst bei uns melden, wir werden das dann wohlwollend prüfen“, so Andreas Lindacher.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 03:17 Uhr

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