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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 11:58 Uhr

Casinos in SH : Braucht Westerland noch seine Spielbank?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Mietvertrag läuft Ende 2018 aus. 18 dauerhafte Mitarbeiter und Saisonkräfte sorgen sich um ihre Arbeitsplätze.

Westerland | Die Spielbank in Westerland – für viele bis heute ein Ort des Mondänen und Mystischen. Seit dem 4. Juni 1949 dreht sich das Roulette im Casino im Rathaus, doch die Zeiten sind vorbei, als nur Herren mit Jackett und Schlips und Damen im langen Kleid hereingelassen wurden. Nun steht die Zukunft des Casinos auf dem Spiel: Am 31. Dezember 2018 endet der Mietvertrag. Muss die Spielbank Platz machen für die Inselverwaltung?

Die Spielbank auf Sylt bestehe seit rund 68 Jahren am selben Standort und habe sicherlich mit dazu beigetragen, die Insel zu prägen, erklärt der Kieler Geschäftsführer Jürgen Kiehne. In den letzten Jahren sei viel Geld investiert worden, um den geänderten Gästeansprüchen zu genügen und die Attraktivität zu steigern. „Dabei ist es nicht leicht, die Wirtschaftlichkeit trotz starker saisonaler Einflüsse sicherzustellen“, sagt Kiehne.

Das Rathaus ist nicht groß genug für alle Abteilungen, ein Teil der Verwaltung ist im Bahnweg untergebracht. Wie die Aufgaben an einem Ort zusammengefasst werden könnten, diskutiert derzeit ein Arbeitskreis, dem alle Fraktionen der Gemeindevertretung angehören. Parallel ermittelt ein Gutachter den Raumbedarf. „Ziel ist es ja, den Verwaltungsstandort Bahnweg an das Rathaus zu führen,“ erläutert Bürgermeister Nikolas Häckel. Ob und gegebenenfalls wann welche Nachnutzung der Spielbank erfolgt, hänge vom unregelmäßig tagenden Arbeitskreis Verwaltungszusammenlegung ab. Für welche Lösung sich die Kommunalpolitiker am Ende entscheiden, sei völlig offen. „Wir sind mitten im Prozess, ohne Zwischenergebnis.“

Mit „Ladies Day“ und „Gentlemans Night“ die Besucher bei Stange halten

Doch es könnte eng werden für die Spielbank, den einzigen Untermieter im 1896 erbauten Rathaus. „Die Spielbank-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen sich große Sorgen um die Zukunft Ihrer Spielbank“, heißt es denn auch in einer Stellungnahme der Spielbank Sylt. Betreiber ist die Spielbank Schleswig-Holstein GmbH, zu der auch die anderen vier Casinos im Lande in Flensburg, Lübeck, Kiel und Schenefeld gehören.

Schon in der Nachkriegszeit war die Bar in der Westerländer Spielbank ein beliebter Treffpunkt, sowohl für Urlaubsgäste als auch für Einheimische.
Schon in der Nachkriegszeit war die Bar in der Westerländer Spielbank ein beliebter Treffpunkt, sowohl für Urlaubsgäste als auch für Einheimische. Foto: Spielbank SH

Im Westerländer Casino wurden einige Neuerungen eingeführt, um die Gäste bei der Stange zu halten – mit gutem Erfolg: Letztes Jahr sei die Besucherzahl gegenüber dem Vorjahr um knapp acht Prozent gestiegen, und für die ersten neun Monate dieses Jahres registrierte der Westerländer Direktor Knut Pauker einen Besucherzuwachs um über vier Prozent – er ist sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Dazu würden auch einige besondere Veranstaltungen beitragen: Durch den „Ladies Day“ (jeden Mittwoch), die „Gentlemans Night“ (jeden Sonntag) und die Piano-Abende (freitags) verzeichne die Spielbank auch leichte Zuwächse bei den Umsätzen. „Unsere Gäste sind auch vom Barangebot und der Lounge sehr angetan,“ erklärt Pauker.

Hell und freundlich präsentiert sich die Spielbank heute ihren Gästen. Unser Foto zeigt die beiden Roulettetische. Nebenräume wurden an eine Galerie untervermietet.
Hell und freundlich präsentiert sich die Spielbank heute ihren Gästen. Das Foto zeigt die beiden Roulettetische. Nebenräume wurden an eine Galerie untervermietet. Foto: Ralf Henningsen
 

Zudem verweisen die Spielbank-Betreiber auf die wirtschaftliche Bedeutung des Casinos: 18 Mitarbeiter werden dauerhaft beschäftigt, hinzu kommen Saisonkräfte. Die Spielbank zahle nicht nur Miete, sondern jedes Jahr auch noch „deutlich über 200.000 Euro“ an kommunalen Abgaben. Darüber hinaus sei die Einrichtung „nach wie vor eine unverzichtbare Bereicherung auf der Insel.“

Geschäftsführung ist gegen neuen Standort

Eine Standortverlagerung auf der Insel hält Geschäftsführer Jürgen Kiehne aus betriebswirtschaftlichen Gründen für nicht umsetzbar. Angesichts der in 2026 auslaufenden Konzessionen wären rote Zahlen unvermeidbar, wenn auch noch Geld in einen neuen Standort investiert werden müsste.

Für Bürgervorsteher Peter Schnittgard ist die Spielbank im Rathaus „ein treuer Partner über Jahrzehnte“, den man nicht vor die Tür setzen sollte. Die Einrichtung sei eines der ältesten touristischen Merkmale der Gemeinde. Außerdem bringe sie der Gemeinde viel Geld ein – zum einen über die Miete, zum anderen über die Spielbankabgabe, von der auch das Land profitiert. Schnittgard wies darauf hin, dass das Rathaus unter Denkmalschutz steht. Selbst wenn die Spielbank auszieht, könnten die Räume nicht einfach neue Fenster bekommen und zu Büros umgebaut werden.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 04:24 Uhr

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