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Sylter Rundschau

06. Dezember 2016 | 11:24 Uhr

Bier und Bollerwagen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am Donnerstag feiern viele Männer in Deutschland den Vatertag / So feuchtfröhlich wie anderswo wird auf Sylt aber nicht gejubelt

Einmal im Jahr werden die Väter in Deutschland gefeiert -und einige feiern sich selbst: Am sogenannten Vatertag, der jedes Jahr an Christi Himmelfahrt, begangen wird, werden am Donnerstag auch auf der Insel wieder zahlreiche Männer diesen Tag bejubeln. So feuchtfröhlich wie anderswo geht es auf Sylt, mit einigen Ausnahmen, dann aber nicht zu. Einige pflegen Bräuche wie die „Herrenpartie“ – eine Kutschfahrt oder Wanderung in die Natur, bei der meist Alkohol getrunken wird – andere unternehmen Ausflüge mit der ganzen Familie.


Kutschfahrten sind beliebt


Fahrten mit dem Pferdewagen sind bei Matthias Tölke am Donnerstag schon ausgebucht. Auf der Insel bietet er Kutsch-und Planwagenfahrten für Hochzeiten und Gesellschaften bis zu 20 Personen an. „Wir machen jeden Kram mit – nur Sturm und Hagel kann uns aufhalten“, sagt Tölke. Für zwei bis vier Stunden fährt er die Vatertags-Gruppen über die Insel. Keinen Spaß versteht er allerdings, wenn seine Pferde von Betrunkenen geärgert werden. „Dann brech ich ab, der volle Preis muss aber trotzdem gezahlt werden“, sagt er. Das käme aber zum Glück eher selten vor und die meisten seien einsichtig, wenn er sie über die Regeln – kein lautes Grölen, keine Flaschen mit Plopp-Verschluss – aufklärt.

In Morsum können Partyfreudige auf einer zünftigen Vatertagsfeier anstoßen. Am Donnerstag findet im östlichsten Inseldorf eine Feier für die ganze Familie statt: Im Muasem Hüs und auf der Terrasse werden ab 17 Uhr Leckereien vom Grill und Bier vom Fass serviert. Für die Musik sorgt die Sylter Band „Mungo Park“.

Einigen „Vatertagstrupps“ – ob auf Sylt oder anderswo – scheint der Konsum von möglichst viel Alkohol am wichtigsten: Mit Bollerwagen, die mit so viel „Sprit“ beladen sind, dass eine komplette Fußballmannschaft eine ganze Woche davon trinken könnte, zelebrieren manche Insulaner oder Besucher vom Festland den freien Tag auf Sylt. Diese „Saufgelagen“ gefallen nicht jedem: „Ich find’ das schrecklich, dass diese besoffenen jungen Männer an Himmelfahrt hierher kommen“, empört sich eine 73-jährige Sylterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Von negativen Erfahrungen mit Himmelfahrts-Gruppen kann der Mitarbeiter des Zeitschriften-Ladens im Westerländer Bahnhof nicht berichten. „Das hält sich alles in Grenzen – die meisten sind anständig.“ Das bestätigen auch die Sylter Ordnungshüter: „Das ist hier nicht so extrem mit den Vatertagsgruppen, wie auf dem Festland“, sagt ein Sprecher der Polizei. Die meisten würden lieber entspannte Fahrradtouren unternehmen.

Der Morsumer Pastor Ekkehard Schulz, sieht es gelassen, dass viele Menschen den „Aufstieg des Herrn“ weltlich feiern. „Es ist nicht meine Art so zu feiern, aber wenn andere das so machen, stört es mich nicht“, sagt er. Zumindest im Namen „Vatertag“ würde ja die christliche Bezeichnung, nämlich die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, auftauchen, ergänzt er schmunzelnd. Allerdings hoffe er, dass die Väter „nicht nur an einem Tag im Jahr geehrt werden“. Nach dem Gottesdienst, den er am Morgen des Feiertages hält, wird er den Donnerstag wie einen „normalen Sonntag“ verbringen.

Seit rund 80 Jahre ist Christi Himmelfahrt in Deutschlandgesetzlicher Feiertag. Er wird 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag.

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erstellt am 04.Mai.2016 | 06:30 Uhr

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