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Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 01:10 Uhr

Neue Serie : Besondere Schätze aus Sylter Museen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Jeden Monat präsentiert Alexander Römer, der neue Museumsleiter der Söl’ring Foriining, ausgewählte Exponate und ihre Geschichte

In einer neuen Serie der Sylter Rundschau stellt Alexander Römer, Leiter der Museen der Söl’ring Foriining, jeden Monat einen Schatz aus dem Sylter Heimatmuseum oder aus dem Altfriesischen Haus vor. Die Objekte, die sich in der Sammlung befinden, sind sehr vielfältig, die damit verbundenen Geschichten und Informationen leider oftmals in Vergessenheit geraten. Objekt des Monats Oktober ist der Lichtstockhalter – ein äußerst sparsames und durchdachtes Gerät.


Einfach und bequem ist es heutzutage – wird es dunkel, gelingt es uns im Handumdrehen über künstliche Lichtquellen wieder für bestmöglichste Lichtverhältnisse zu sorgen. Noch bis vor rund einhundert Jahren waren die Menschen in der dunklen Jahreszeit allerdings vorwiegend auf Kerzenlicht angewiesen. Der so genannte Lichtstockhalter und der dazugehörige Lichtputzer erwiesen sich dabei als äußerst praktische Helfer.

Auf den aus Messing gearbeiteten Halter wird ein aufgerollter Kerzenstrang mit Hilfe einer Stange fixiert. Im oberen Bereich muss der Dochtstrang in die kunstvoll ausgearbeitete Schere eingespannt werden. Ist die vorgegebene Kerzenlänge abgebrannt, schnappt die Schere zu. Das Feuer erlischt und die Kerze kann nicht nach unten weiterbrennen. Fand man also abends bei Kerzenschein den Weg ins Bett und schlief ein, löschte kurz darauf diese Technik fast gefahrlos die Feuerflamme.

Ist der Kerzenstrang komplett verbrannt, wird die obere Schraube, die in Form einer Ente gestaltet ist, gelöst. Erst dann kann die Schere abgenommen werden und ein neuer Wachsstock findet wieder Platz. Das Herstellen dieses Wachsstockes zählte früher zu den schwierigsten Arbeiten von Lichtziehern – so die ursprüngliche Berufsbezeichnung von Kerzenherstellern. Einerseits musste ein von Hand mit verschieden starken Fäden gespannter Docht erzeugt werden. Gleichzeitig war der eigentliche Vorgang des Wachsziehens die große Herausforderung. Bis eine fast endlose und gleichmäßige Wachskerze entstand, musste der Docht in mehreren Durchläufen mit Hilfe zweier Trommeln durch ein Wachsbad sowie ein Zieheisen gezogen werden. Das Zieheisen gewährte die Gleichmäßigkeit der Kerze. Wurden der Raum und das Wachs falsch temperiert oder wurde zu schnell an der Trommel gezogen, konnte es gut sein, dass die Kerze missglückte.


Flatterbinsen, Baumwolldocht und Kerzenruß

Mit dem Import der Baumwolle wurde diese verstärkt neben dem heimischen Flatterbinsen und Leinen als Docht eingesetzt. Allerdings verbrannten die gezwirnten Fäden aus gebleichtem Garn nicht, sondern sorgten schnell für ein trübes Licht und große Rußentwicklung, so dass der dicke Docht laufend mit Scheren nach geschnitten werden musste. Für diese Tätigkeit wurde seit dem 16. Jahrhundert die Lichtputz- oder Dochtschere genutzt. In schlichter Scherenform, aber auch detailreich und aufwendig gestaltet, präsentiert sie sich noch heute vereinzelt in Sammlungen. Die zum Objekt des Monats dazugehörige Dochtschere wurde ebenfalls aus Messing hergestellt und ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Auf dem unteren Scherenblatt wurde der halbrunde Dochtkasten angelötet – als Pendant am oberen Scherenblatt der hochstehende Verschluss. Der Dochtkasten hat den Vorteil, dass beim „Schnäuzen“ das Dochtende aufgefangen wird und nicht auf die Tischdecke herabfällt. Durch die stetige Weiterentwicklung des verflochtenen Baumwolldochtes erübrigt sich heutzutage allerdings dieser Prozess.

Dem Keitumer Wachsstockhalter eilt zudem der Ruf als „Verlobungskerze“ voraus. Eine liebenswerte Anekdote erzählt, wie die feinsinnige Technik sich auch in anderen Alltagsbereichen als „nützliche Apparatur“ erwies – denn die Kerzenlänge bestimmte in diesem Falle die Dauer des Rendezvous. Der höfliche Verlobte verabschiedete sich, sobald die Schere zuschnappte.

Sylter Heimatmuseum, Am Kliff 19, und Altfriesisches Haus, Am Kliff 13 in Keitum – Öffnungszeiten bis Ende Oktober: Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr


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erstellt am 24.Okt.2016 | 05:30 Uhr

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