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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 16:38 Uhr

Serie Sylter Fotografen : „Beim Fotografieren bin ich frei“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In einer neuen Serie stellen wir Fotografen vor, die die Insel als Hauptmotiv haben. In der zweiten Folge geht es um Georg Supanz.

In einer neuen Serie stellt die Sylter Rundschau Fotografen vor, die die Insel als Motiv-Schwerpunkt haben. Heute geht es um Georg Supanz, der fotografiert, seit er fünf Jahre alt ist und seit langem als Inselfotograf auf Sylt arbeitet. Neben (prominenten) Menschen und Aktmodellen macht er auch auf Veranstaltungen Bilder – Entspannung findet Supanz in der Natur.

Das Wohnzimmer von Georg Supanz erinnert eher an ein professionelles Produktionsstudio als an einen Ort zum Entspannen. An der Wand prangen zwei gigantische 1,90 Meter breite Monitore, die er vom Sofa aus mit Funk-Tastatur und Maus bedient. In der Ecke thront das Herz seiner Arbeit: Ein orange-schwarzer Computer, der optisch eher in einen Science-Fiction Film passt als in den kleinen Raum einer Neubauwohnung. An einem anderen Platz liegen seine vier Kameras sowie eine Drohne. „Ich will immer die neueste Kamera haben“, sagt Supanz. Er liebt es, über die neuesten Kamera- und Computermodelle zu sprechen, doch das Equipment allein sei nicht das Wichtigste. „Du – also Dein Kopf – entscheidet, ob Du ein gutes Bild machst, nicht aber die Kamera“, erklärt der 47-Jährige.

Seit rund 30 Jahren arbeitet er als selbstständiger Inselfotograf auf Sylt. Seine Bilder verkauft er unter anderem an Presse-Agenturen, Magazine, TV-Sender und Zeitungen. Kunden können ihn für nationale und internationale Events, für Hochzeiten, für Geburtstage und auch für spezielle oder persönliche Bilder buchen.

„Ich habe meinen Beruf zum Hobby gemacht und mein Hobby zum Beruf“, sagt der Fotograf, der in Slowenien aufgewachsen ist. Er ist gelernter Koch, doch sein Vater – ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf – begeisterte seinen fünfjährigen Sohn schon früh für den Umgang mit Objektiv und Linse. Nachdem er mit 16 Jahren die Kamera seines Vaters auf einem Karussell in Paris verloren hatte, – „da gab es mächtig Ärger“– kaufte er sich seine erste eigene und brachte sich den Rest selbst bei. Seitdem gibt es kaum einen Tag, an dem er die Kamera nicht in den Händen hält. Zunächst knipste er „Mädels, Hochzeiten, Parties und Blödsinn“, bevor er als Jugendlicher nach Sylt zog und mit der Zeit immer professioneller wurde. Mit seinen Foto-Honoraren finanzierte er schließlich seine Pizzeria, die er in Westerland betreibt.

15 bis 18 Stunden arbeitet er an manchen Tagen, damit sowohl das Restaurant als auch die Fotojobs laufen. Die Nächte nutzt er oft, um seine Bilder am Computer zu bearbeiten. Frei nimmt er sich auch an den Wochenenden nicht. Warum er sich das antut? „Einfach, weil es mir Spaß macht“, sagt der fröhliche Mann. Auf die Frage, ob er sich denn manchmal einen Mittagsschlaf gönne, bricht er in schallendes Gelächter aus und schüttelt den Kopf.

Es allen Menschen und beiden Jobs stets recht zu machen, ist für ihn aber scheinbar nicht immer so leicht. „Manchmal schlägt mir der Stress auf den Magen“, sagt Supanz und lässt den Blick durch den Raum schweifen. „Aber Stress habe ich nicht, Stress machen die anderen“, schiebt er schnell hinterher.

Nach einem langen Tag geht er am liebsten zum Fotografieren an den Strand, das sei sein persönliches „Beruhigungsmittel“, denn „dann geht mein Blutdruck runter, ich werde ganz ruhig und die Zeit läuft langsamer“, sagt er. Die Zeit ist ein Thema, das ihn umtreibt. „Ich habe Angst vor der Zeit, denn die läuft so schnell“, sagt Georg Supanz, der nie eine Uhr trägt. „Es wäre geil, wenn man die Zeit so festhalten könnte, wie das Bild mit der Kamera, um sie dadurch anzuhalten.“

Seine Aufnahmen der Insel zeigen Sonnenunter- und aufgänge, Leuchttürme, Schafe, die plötzlich ihren Kopf durch die Dünen stecken, oder ein windschiefes Holzschild, das mitten aus der Heide ragt sowie häufig auch Friesenhäuser. Supanz plant seine Fotomotive eher selten, denn „auf Kommando kann ich keine Naturbilder machen“ – stattdessen geht er los und dann „spielt mein Gehirn Flipper“. Oft ist er schon früh am Morgen unterwegs, an anderen Tagen geht er gar nicht erst nach Hause, wenn er den Laden abgeschlossen hat. „Das lohnt sich sowieso nicht mehr zu schlafen“, sagt er. Dann geht er gleich auf Bildersuche am Meer – meist mit seiner EOS 5D von Canon.

Seine Fotos vertreibt Supanz über die Homepage www.aurora-sylt.de. Aus unterschiedlichen Kategorien wie Promis, Fernsehen, Sport, Natur, und Freizeit können Kunden Bilder auswählen und dann per E-Mail oder Telefon in einem hochauflösenden Format bestellen. Auch Fotokalender hat er schon herausgegeben.

Lieblingsmotive hat er auf der Insel nicht: „Sylt bietet wahnsinnig viele Motive“, sagt er. Besonders fasziniere ihn die Ruhe der Natur und das Licht auf der Insel. „Die Farben ändern sich hier im Sekundentakt – innerhalb kürzester Zeit kann das gleiche Szenario komplett anders aussehen.“ Eine Welt ohne Fotografie kann Supanz sich nicht vorstellen. „Wenn ich keine Kamera hätte, würde ich durchdrehen und krank werden“, sagt er, denn „beim Fotografieren bin ich frei“.

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erstellt am 15.Jul.2016 | 11:13 Uhr

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