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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 05:10 Uhr

Tinnumer Wehr : Bedingt einsatzbereit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Feuerwehr soll Einsätze im Süden Westerlands unterstützen, doch ein schnelles Ausrücken ist nicht sichergestellt.

Nicht im großen Sitzungssaal im Rathaus, sondern im kleinen Versammlungsraum der Tinnumer Feuerwehr tagte am Donnerstagabend der Feuerschutzausschuss der Gemeinde Sylt. Dabei erlebten die Gemeindevertreter hautnah, was den Tinnumer Feuerwehrleuten unter den Nägeln brennt. Ihr Gerätehaus liegt inmitten von Wohnbebauung in der Boy-Nielsen-Straße, Parkplätze sind Mangelware. „Wir suchen nach einem neuen Standort,“ sagte Ausschussvorsitzende Maria Andresen in der Bürgerfragestunde. Doch darauf wollen die Tinnumer nicht noch länger warten.

Den Bedarf für ein neues Gerätehaus habe die Gemeindevertretung durchaus erkannt, berichtete Maria Andresen. „Politik und Verwaltung sind sich aber einig, dass es in dieser Legislaturperiode nicht mehr umgesetzt werden kann.“ Eine Aussage, die den Ortsbeirats-Vorsitzenden Manfred Uekermann auf die Palme brachte: „Wir wissen schon seit 2010, dass wir die geforderten Ausrückezeiten nicht einhalten können.“

Hintergrund ist nicht nur der Standort des Tinnumer Gerätehauses in der Boy-Nielsen-Straße, sondern auch der Neubau der Westerländer Feuerwache – der am alten Tower auf Tinnumer Gemeindegrund errichtet wurde. Von dem neuen Standort könnten Einsatzorte im südlichen Westerland nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit erreicht werden, erläuterte Gemeindewehrführer Wolfgang Kloth. Daher sei vereinbart, dass die Tinnumer Kameraden in solchen Fällen ebenfalls ausrücken.

„Das ist ein Kompromiss, der bis heute in Kauf genommen wird“, beklagte Uekermann. Der Tinnumer Ortsbeirat habe sich schon vor geraumer Zeit mit einem Gerätehaus-Neubau beschäftigt und dafür ein Grundstück neben der Boy-Lornsen-Schule vorgeschlagen. „Das ist durch das Wohnungsbaukonzept anderweitig verwendet worden.“

„Damals hat Bürgermeisterin Reiber das Thema zur Chefsache erklärt und Bürgermeister Häckel hat es geerbt“, erklärte Maria Andresen. Den letzten Sachstand fand sie in einem Sitzungsprotokoll des Tinnumer Ortsbeirats vom 25. April 2016: „Häckel teilt mit, dass ein neuer Termin für Gespräche hinsichtlich der Vorbereitung der Fläche für das Gerätehaus ansteht. Es soll ein Grundstückstausch vollzogen werden.“

„Der Bürgermeister ist seit einem Jahr im Amt – da müssen jetzt Ergebnisse kommen“, verlangte Manfred Uekermann. Trotzdem könne der Feuerschutzausschuss das Thema auf seine Tagesordnung setzen, eine Vorlage erarbeiten, darüber abstimmen und an die Gemeindevertretung weiterleiten. „Dann kann man sehen, ob sich Politik und Verwaltung wirklich einig sind – das bezweifle ich.“

Ortswehrführer Siggi Engel berichtete, dass ein Gutachter sogar schon drei mögliche Grundstücke besichtigt habe. „Unhaltbare Zustände“ kritisierte auch der Tinnumer Sven Liphardt. „Wir als Feuerwehrleute können hier nicht mal duschen. Ist den Leuten bewusst, dass wir die Giftstoffe mit nach Hause in unsere Familien schleppen?“ Die Politik müsse sich ihrer Verantwortung gegenüber den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten stellen.

„Hier ist Gefahr im Verzug“, erkannte auch Bürgervorsteher Peter Schnittgard. „Als Politiker sind wir mitverantwortlich, wenn solche Dinge nicht laufen.“ Der Neubau eines Tinnumer Gerätehauses müsse dringend auf die Tagesordnung der nächsten Gemeindevertretersitzung. „Hier geht es um den Schutz der Menschen, die hier wohnen.“ Schnittgards Fazit: „In diesem Jahr muss das über die Bühne.“

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